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Wenn Studenten nach dem Bachelor die Nase voll haben

Die Philosophische Fakultät der Uni Zürich hat zu wenige Studenten, die den Master machen. Dafür sind nicht nur strukturelle Probleme und der Arbeitsmarkt verantwortlich. Die Genfer zeigen, wie man es besser macht.

Sonnige Aussichten auf dem Arbeitsmarkt: Studenten geniessen im Park unterhalb der Universität Zürich den Frühling.
Sonnige Aussichten auf dem Arbeitsmarkt: Studenten geniessen im Park unterhalb der Universität Zürich den Frühling.
Keystone

Knapp sechs Jahre nach Einführung von Bologna hat die Universität Zürich ein Problem: Studienrichtungen wie Politologie oder Publizistik sind zwar so gut besetzt, dass sich viele Studenten über Platzmangel beklagen. Doch nach dem ersten Abschluss, dem Bachelor, verändert sich das Bild radikal. In den Masterstudiengängen bleiben Plätze leer.

Die Philosophische Fakultät will dieser Situation nun auf den Grund gehen. «Wir wollen bei unseren über 30 Seminaren und Instituten Erfahrungen sowie Zahlen über die Entwicklung der Masterstudiengänge sammeln», sagt Peter Schulthess, Studiendekan der Philosophischen Fakultät an der Uni Zürich, auf Anfrage von Redaktion Tamedia. Erste Antworten aus Umfragen zeigen bereits, weshalb es hapert beim Übertritt vom Bachelor (BA) zum Master (MA).

Längeres Studium als berechnet

Am Romanischen Seminar sei man zwar keineswegs beunruhigt über die «noch nicht sehr hohe Zahl der MA-Studierenden», sagt Katharina Maier, Oberassistentin des Seminars und Lehrbeauftragte der Philosophischen Fakultät. Doch offenbar gibt es für viele Studenten eine strukturelle Hürde: «Das BA-Studium dauert in vielen Fächern unserer Fakultät länger als drei Jahre.» Die Gründe dafür, so vermutet Maier, seien Fächerüberschneidungen im Stundenplan, sodass Studierende die einzelnen Vorlesungen auf mehrere Semester verteilen müssen, aber auch Arbeitstätigkeit neben dem Studium oder Auslandaufenthalte verlängern das Studium.

Der grosse Vorteil für all jene, deren Motivation nach dem BA nachgelassen hat: «Die Gliederung in BA und MA ermöglicht den Studierenden, nach Abschluss des BA die Uni zu verlassen, ohne als Studienabbrecher dazustehen, wie dies im Lizenziat noch der Fall war», erläutert Maier.

Nach dem BA ist Schluss

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, weshalb die Zahl der Masterstudenten tief ist: Studierende philosophischer Fachrichtungen mit abgeschlossenem BA scheinen auf dem Arbeitsmarkt gefragt zu sein. Die Fachvereinsvertreter der Studierenden aus Politologie und Publizistik vermuten deshalb, dass die Studenten ihren BA als soliden Bildungsabschluss interpretieren. «Sollte dies tatsächlich der Fall sein, werden wir klar mit tieferen Masterzahlen zu rechnen haben», folgert Schulthess. An der Fakultät betrachte man jedoch den BA nur mit anschliessendem MA als vollwertigen Uniabschluss – ganz im Sinne des ehemaligen Lizenziats.

Wie eine Umfrage des Fachvereins Publizistik zeigt, empfinden einige Studierende den MA als zu «forschungslastig» oder halten ihn für eine blosse Wiederholung des BA. Ähnlich tönt es bei den Politologen. Die Universität Zürich legt ihren Schwerpunkt in der Tat auf die Forschung, was offenkundig vielen Studienanfängern nicht bewusst war. Nach dem Bachelor versuchen sie deshalb an eine andere Uni zu wechseln, wie den Umfragen zu entnehmen ist.

Ironische Wende

Die Crux mit Bologna: «Das angestrebte Ziel der höheren Mobilität von Studierenden wurde erreicht», sagt Fabrizio Gilardi, Stellvertretender Institutsleiter am Seminar für Politikwissenschaften. Wer in Zürich seinen BA macht, kann seinen MA beispielsweise nach Genf verlegen, wo ihm ein vermeintlich besseres Studienangebot winkt.

Weil bei den Politologen die Zahl der MA-Studierenden unerwartet niedrig ist, hat man bereits vor einem Jahr eine eigene Umfrage gestartet. Damit haben sie eine Pionierleistung vollbracht, denn ihre Erkenntnisse könnten für die Philosophische Fakultät von zentraler Bedeutung werden.

Genf wirbt für Master

Es zeigt sich: Universitäten wie Genf haben längst erkannt, dass sie sich um ihre MA-Studierenden bewerben müssen, während man in Zürich davon ausging, dass diese von selber kommen. «Wir haben deshalb am Institut begonnen, uns aktiv um die MA-Studierenden zu bemühen», erklärt Gilardi.

Ob künftig mehr Politologiestudenten ihren MA an ihrer ursprünglichen Alma Mater machen, lässt sich erst in ein bis zwei Jahren sagen, dann wenn die ersten aussagekräftigen Zahlen auf dem Tisch liegen.

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