«Wer eingreift, muss sich seiner Sache sicher sein»

Was tun, wenn man im Ausgang Zeuge einer gewalttätigen Auseinandersetzung wird? Was, wenn eine Waffe im Spiel ist? Ein Experte gibt Rat.

Wenn eine Auseinandersetzung eskaliert, haben Frauen oft die besseren Voraussetzungen die Situation zu entspannen, sagt der Experte.

Wenn eine Auseinandersetzung eskaliert, haben Frauen oft die besseren Voraussetzungen die Situation zu entspannen, sagt der Experte. Bild: Urs Jaudas

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Herr Brändle, wie verhalte ich mich, wenn ich im Ausgang eine Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen beobachte, die eskaliert?

Sie müssen sich bewusst sein, dass ein Teil der jungen Männer im Ausgang gefährlich sein kann. Oft geht es bei gewalttätigen Männern um die Behauptung des eigenen Egos. Und wer eingreift, behauptet oft auch sein Ego. Das wird schnell gefährlich. Deshalb müssen Sie eine Risikoeinschätzung vornehmen, ob Sie sich dieser Gefahr aussetzen wollen.

Soll ich besser nicht eingreifen?

Nein, denn wir wünschen uns alle mehr Zivilcourage. Wer eingreift, hinterlässt grundsätzlich eine positive Wirkung. Aber man muss sich seiner Sache sicher sein. Wichtig ist dabei das Bauchgefühl. Wer das Bedürfnis hat, einzugreifen, soll das tun. Wer lieber weg möchte, sollte weggehen.

Wie gehe ich denn beim Eingreifen konkret vor?

Es ist wichtig, dass Sie keine Opferhaltung einnehmen, sondern mit geradem Rücken und erhobenen Hauptes eingreifen. Und Sie sollten nicht auf den Aggressor zugehen, sondern auf das Opfer mit dem Ziel, das Opfer möglichst schnell aus der Gefahr zu bringen. Schauen Sie den Angreifer gar nicht erst an.

Kann ich das üben?

Es gibt verschiedene Anbieter, die entsprechende Kurse durchführen. Wir empfehlen Angebote mit einem Rollenspiel, bei denen das Eingreifen mit Schauspielern geübt werden kann. Dies bieten auch wir von der Fachstelle Gewaltprävention mit ihrem Zivilcourage-Rundgang im ganzen Kanton Zürich an. Gut ausgebildete Schauspieler inszenieren Übergriffsituationen, und so kann man sein Verhalten live testen.

Ist es gefährlicher, bei einer Gruppe einzugreifen als bei einer Einzelperson?

Die Unterschiede sind riesig. Eine Gruppe ist enorm gefährlich. Da ist es besser, sich zurückzuhalten oder zu flüchten. Denn die Gruppe legitimiert für Gewisse – vor allem junge Männer – die eigenen Gewalthandlungen. In der Gruppe tun sie Dinge, die sie einzeln nie machen würden, und sind viel brutaler.

Fällt es Frauen oder Männern leichter, einzugreifen?

Da gibt es grosse Unterschiede. Wir sehen in den Schulungen immer wieder, dass Frauen durch ihr Auftreten deeskalierender wirken und eher offensiv auf den Aggressor zugehen können. Aber verallgemeinern will ich das nicht. Jede Situation ist sehr individuell.

Welchen Unterschied macht es, wenn Waffen wie etwa Messer im Spiel sind?

Wenn eine Waffe im Spiel ist, sollte man sich besser zurückhalten. Da muss das Bauchgefühl schon sehr stark sein, damit man eingreift. Ich würde nicht mein eigenes Leben riskieren, auch wenn ich mir das in der Opferposition vielleicht wünschte, dass jemand das für mich tun würde.

Erstellt: 03.06.2019, 08:51 Uhr

Thomas Brändle
Der Leiter der Fachstelle Gewaltprävention Zürcher Oberland empfiehlt, Zivilcourage im Rollenspiel mit Schauspielern zu üben.

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