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Wer in Zürich zittern muss, und wer hoffen darf

Welche Partei gehört bei den Nationalratswahlen im Oktober zu den Gewinnern? Die erste Prognose für die 35 Zürcher Sitze.

Gestern war der Meldeschluss für die Nominationen der kommenden Nationalratswahlen. Foto: Walter Bieri (Keystone)
Gestern war der Meldeschluss für die Nominationen der kommenden Nationalratswahlen. Foto: Walter Bieri (Keystone)

35 Nationalratssitze hat der Kanton Zürich am 20. Oktober zu vergeben. Gestern war Meldeschluss. Der TA analysiert in einer Vorausschau auf den Wahlherbst die einzelnen Listen sowie Listenverbindungen und berücksichtigt die Tagesform der Parteien anhand der kantonalen Wahlen im Frühling und des letzten Wahlbarometers der Forschungsstelle Sotomo vom Juni.

Ein denkbares Szenario: Die SVP verliert einen oder zwei Sitze, gefährdet sind der zweite Sitz der CVP und der einzige der BDP. Die Grünen und die GLP gewinnen je mindestens einen Sitz, vielleicht auch auf Kosten der SP.

Es gibt voraussichtlich drei Blöcke mit Listenverbindungen: Auf der rechten Seite die SVP mit der EDU, in der Mitte GLP, CVP, BDP und EVP und im linken Lager SP, Grüne und AL. Zudem gibts Unterlistenverbindungen mit den jeweiligen Senioren und/oder Jungparteien. Meldeschluss für die Listenverbindungen ist der 26. August. Generell gilt: Bei Listenverbindungen profitiert meist die grössere Partei.

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, soll Mark Twain gesagt haben. Noch heikler sind Aussagen, wenn sie einzelne Kandidatinnen und Kandidaten betreffen. Wir wagen uns trotzdem ans Spekulieren.

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SVP

Angst vor Sitzverlusten

Die SVP holte 2015 zwölf Nationalratsmandate (+ 1) und war mit 30,68 Prozent Wähleranteil die klar stärkste Partei. Natalie Rick­li wurde inzwischen Regierungsrätin, Jürg Stahl ist zurückgetreten, und Hans Egloff hört im Herbst auf. Nachgerutscht sind Landwirt Martin Haab und die Hagenbucher Gemeindepräsidentin Therese Schläpfer. Bei den Kantonsratswahlen hatte die SVP 5,56 Prozent verloren, das Wahlbarometer sagt einen Verlust von 2,9 Prozent voraus. Die SVP muss also mit einem Sitzverlust, im schlimmsten Fall sogar mit zweien rechnen. Gefährdet sind die Letztplatzierten von 2015: Bruno Walliser, Claudio Zanetti und Mauro Tuena sowie die beiden nachgerutschten Haab und Schläpfer. Von hinten drängen Fraktionspräsident und Bauer Martin Hübscher, der junge Benjamin Fischer und allenfalls Nina Fehr Düsel, die vom 25. Platz aus aber viele Plätze aufholen müsste. Ausserdem versucht der vor vier Jahren abgewählte Christoph Mörgeli vom 15. Platz aus ein Comeback. Sollte Roger Köppel, der auf dem ersten Platz antritt, Ständerat werden, würde ein weiterer Sitz frei.

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SP

Angriff der Jungen

Die SP gewann 2015 mit 21,39 Wählerprozenten neun Sitze (+2). Zurückgetreten ist Chantal Galladé nach ihrer Wahl als Schulpräsidentin in Winterthur. Der nachgerutschte Daniel Frei ist inzwischen (wie Galladé) zur GLP übergetreten und verteidigt seinen Sitz im Herbst nicht. Damit ist ein Platz frei. Auf der SP-Liste fällt auf, dass die Delegierten die Stadtzürcher Kantonsrätin Céline Widmer, Stabsmitarbeiterin von Stadtpräsidentin Corine Mauch, auf den achten Platz gesetzt haben – vor dem langjährigen Nationalrat und ehemaligen Parteipräsidenten Martin Naef. Die Prognosen für die SP sind in etwa stabil, 2015 hatte die SP ein Restmandat gewonnen dank der Listenverbindung mit AL und Grünen. Das heisst: Martin Naefs Wiederwahl ist keinesfalls sicher. Auf dem 10. Platz wartet der Stadtzürcher Gemeinderat Jean-Daniel Strub.

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FDP

Kampf um Platz fünf

Die Freisinnigen hatten 2015 einen Sitz gewonnen und stellen fünf Nationalrätinnen und -räte, die alle wieder antreten. Die Prognosen deuten auf leichte Verluste hin. Auf dem 5. Platz ist Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Von den parteiinternen Konkurrenten könnten ihm am ehesten der bekannte Kantonsrat Martin Farner, die Winterthurer Stadträtin Barbara Günthard-Maier oder Nachwuchshoffnung Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz, gefährlich werden.

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GLP

Hoffen auf Sitzgewinn

Die Grünliberalen verloren vor vier Jahren einen Sitz, waren bei den kantonalen Wahlen aber mit über 5 Prozent Zuwachs die grossen Gewinner. Thomas Weibel hört auf, Ständeratskandidatin Tiana Angelina Moser und Parteimitgründer Martin Bäumle treten nochmals an. Auf dem dritten Listenplatz hat Neo-Kantonsrätin und Co-Präsidentin Corina Gredig beste Chancen.

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Grüne

Die möglichen Wahlsieger

Auch die Grünen verloren 2015 einen Sitz und sind mit Balthasar Glättli und Bastien Girod nur noch doppelt vertreten. Im Frühling hatten die Grünen 4,7 Prozent zugelegt, das Wahlbarometer geht von 3,0 Prozent plus aus. Spitzenkandidatin ist Katharina Prelicz-Huber. Sie wurde 2011 abgewählt und 2015 Dritte. ­Allerdings entspricht sie als ­altgediente Gewerkschafterin nicht dem Profil der modernen Grünen mit Engagement im ­Umweltbereich. Für einen Sitzgewinn kommt deshalb auch Parteipräsidentin Marionna Schlatter infrage, die als Ständeratskandidatin zusätzlich Publizität erhält. Glättli und Girod sind national bekannt und dürften es auch vom 3. und 4. Platz aus schaffen.

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CVP

Der zweite Sitz wackelt

Die CVP holte 2015 nur mit Glück ein Restmandat und konnte sich den zweiten Sitz retten. Im Frühling verlor die CVP 0,59 Prozentpunkte. Ungefährdeter Spitzenmann ist der Wädenswiler Stadtpräsident Philipp Kutter, den wackligen zweiten Sitz versuchen der Dietiker Bauunternehmer Josef Wiederkehr, Ärzteverbandspräsident Josef Widler und Ständeratskandidatin Nicole Barandun zu sichern. Die amtierende CVP-Nationalrätin Kathy Riklin tritt ziemlich chancenlos auf der Liste der Christlichsozialen Vereinigung an, die mit der CVP eine Listenverbindung hat.

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BDP

Kampf ums Überleben

Rosmarie Quadranti ist die letzte Zürcher Mohikanerin der Partei, die seit dem Frühling nicht mehr im Kantonsrat vertreten ist. Gemäss Prognosen könnte die BDP beim Wähleranteil einen ganzen Prozentpunkt verlieren, damit wäre sie im Mitteverbund hinter der EVP und würde den einzigen Sitz allenfalls auf Kosten der GLP verlieren.

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EVP

Die stabilste Partei

Die EVP widersteht allen Schwankungen; ihre drei Wählerprozente sind quasi gottgegeben. Der rührige Winterthurer Nationalrat Nik Gugger, der auch Ständeratskandidat ist, darf einer Wiederwahl zuversichtlich entgegenblicken.

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EDU

Die Stimmenlieferantin

Seit 2007 ist die christliche EDU nicht mehr im Nationalrat vertreten. Mit rund zwei Wählerprozenten ist sie die ideale Bündnispartnerin. Auch diesmal könnte sie der SVP einen Sitz retten, selber aber leer ausgehen. Spitzenkandidat ist Präsident Hans Egli.

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AL

Stimmen gehen an die SP

Die Alternativen werden rund zwei Wählerprozente in den linken Verbund mit SP und Grünen liefern, der SP den neunten Sitz retten oder den Grünen einen dritten oder vierten verschaffen. Spitzenkandidatin ist Rechtsanwältin Manuela Schiller .

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