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Wer ist wirklich gefährlich? Und wer wirkt nur so?

Die Kantonspolizei Zürich hat ein System zur Erkennung von Gewalttätern in Betrieb genommen. Wie es funktioniert.

Ein Polizist tastet eine Person am Flughafen Zürich ab.
Ein Polizist tastet eine Person am Flughafen Zürich ab.
Keystone

Der Kanton Zürich führt ein neues Gewalttäter-Erkennungssystem ein. «Octagon», so sein Name, ist am Dienstag bei der Kantonspolizei testweise in Betrieb genommen worden. Bedrohliche Leute auf eine Liste zu setzen, sei schnell passiert, sagte die Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) am Dienstagabend bei einem Mediengespräch in Winterthur. «Mittlerweile hat es aber zu viele Leute auf diesen Listen.» Die Listen seien so lang, dass echte Gefahren vielleicht nicht mehr erkannt würden.

Für Jérôme Endrass, Stabschef des Amts für Justizvollzug und Miterfinder des neuen Instruments, ist klar, dass längst nicht alle Menschen auf diesen Listen tatsächlich gefährlich sind.

Meist Drohung vor Gewalt

«Es gibt viele, die bedrohlich in Erscheinung treten oder Drohungen ausstossen. Aber nur wenige sind wirklich gefährlich», sagte er. Komme es zu Gewalt, sei vorher aber meist gedroht worden. «Octagon» soll nun helfen, die echten Gefahren zu erkennen.

Das System soll potenzielle islamistische Attentäter genauso anzeigen wie häusliche Gewalttäter oder Behörden-Querulanten, die ihre Drohungen auch wirklich wahr machen würden.

Auch für Schulen und die Kesb

«Octagon» besteht aus Ja-Nein-Fragen, darunter zur Bedrohung an sich, zur Persönlichkeit des Verdächtigen, zu psychischen Problemen, Alkoholkonsum und Vorstrafen. Insgesamt behandelt der Test acht Themen-Bereiche, deshalb auch der Name «Octagon.»

Am Schluss zeigt «Octagon» eine grafische Darstellung der Gefährdungslage, ähnlich einem Smart-Spider bei Politikern. Gleichzeitig sagt das Programm den Benutzern, was zu tun ist: Benötigt jemand psychiatrische Hilfe? Einen Sozialarbeiter? Oder muss die Polizei ausrücken?

Bei «Octagon» werde es nun konkret

Das neue Befragungs-Tool wird seit Dienstag bei der Kantonspolizei getestet. Bewährt es sich, soll es flächendeckend eingeführt werden. Fehr kann sich vorstellen, dass es dereinst auch an Schulen oder bei Behörden wie der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) zum Einsatz kommen könnte.

Frühere Instrumente seien meist bei Wahrscheinlichkeitsrechnungen geblieben, was im Alltag wenig hilfreich sei, sagte Fehr weiter. Bei «Octagon» werde es nun konkret.

(SDA)

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