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Wer schafft es in den Zug nach Bern?

Nun ellbögeln die Kandidaten um die Listenplätze für die Nationalratswahlen. Quereinsteiger wie Botschafter Tim Guldimann oder Roger Köppel kämpfen gegen Junge wie Fabian Molina oder Andri Silberschmidt.

Da wollen sie hin: Im Berner Bundeshaus stehen für Zürich neu 35 statt 34 Sitze bereit. Foto: Alamy
Da wollen sie hin: Im Berner Bundeshaus stehen für Zürich neu 35 statt 34 Sitze bereit. Foto: Alamy

Die Nationalratswahlen im Herbst sind attraktiver als die Kantonsratswahlen, weil die Spitzenkandidaten national bekannte Persönlichkeiten sind. Jetzt, da die Resultate der kantonalen Wahlen bekannt sind, können die Parteien ihre Listen gestalten und jene auf die vordersten Plätze hieven, die am Sonntag gut abgeschnitten haben. Die Grünen und die SP machen das basis­demokratisch und gewichten zudem Mann/Frau oder Stadt/Land möglichst zebrastreifenmässig. Die FDP und vor allem die SVP dagegen trimmen ihre Listen konsequent auf Erfolg und nehmen weniger Rücksicht auf die Gleichstellung und das Wohlbefinden ihrer Bezirksparteien. Positiv für alle Parteien: Zürich hat neu 35 statt 34 Sitze.

SVP: Was taugt Köppel?

Bei der grössten Partei mit bisher elf Sitzen tritt Max Binder nicht mehr an, auch Toni Bortoluzzi hört ziemlich sicher auf. Hans Fehr möchte zwar weitermachen, riskiert aber, dass er im Parteivorstand an der Zweidrittelhürde scheitert. Gesetzt sind: Natalie Rickli, Chris­toph Mörgeli, Alfred Heer, Jürg Stahl, Hans Egloff, Gregor Rutz, Ernst Schibli und Thomas Matter. Einen Spitzenplatz erhalten Ständeratskandidat Hans-Ueli Vogt und «Weltwoche»-Chef Roger ­Köppel. Um die Bisherigen nicht zu vergraulen, kann die Partei Köppel als Quereinsteiger und Neumitglied kaum ganz vorne platzieren. Aber auch vom 15. Platz aus dürfte er es locker schaffen. Nach Spitzenresultaten bei den Kantonsratswahlen haben Barbara Steinemann, Claudio Zanetti, Bruno Walliser, Martin Arnold, Jürg Trachsel und Mauro Tuena Ambitionen. Als prominente Quereinsteigerin tritt die Hagenbucher Gemeindepräsidentin und «Sozial-Irrsinn»-Kritikerin Therese Schläpfer an.

Therese Schläpfer, Roger Köppel, Min Li Marti (v.l.).
Therese Schläpfer, Roger Köppel, Min Li Marti (v.l.).

Aber auch die SVP hat Konfliktpotenzial bei der Listengestaltung. Was für die linken Parteien die Juso und die Frauen, sind bei ihr die Bauern. Diese erheben Anspruch auf mindestens einen Spitzenplatz. Den hat zwar Ernst Schibli, doch er wurde 2011 abgewählt. Von den jüngeren Bauern drängen Martin Haab und Konrad Langhart nach.

SP: Muss Fehr weitermachen?

Die SP-Parteileitung wird nicht nur durch die Ansprüche der Basisdemokratie drangsaliert – da wäre auch noch das Problem Fehr. Nationalrätin Jacqueline Fehr wurde in den Regierungsrat gewählt und muss sich ab Mai mit vollem Elan in ihr neues Dossier hineinknien – wahrscheinlich die Bildung. Nachrutschen würde die Gewerkschafterin Julia Gerber Rüegg. Diese allerdings ist nicht einmal mehr Kantonsrätin. Mit einem halben Jahr in Bern und dem Bisherigenbonus hätte sie im Herbst einen Vorteil gegenüber der neuen Generation. Und diesen hatte die Parteileitung in früheren Wahlen selten gewährt. Auch Mario Fehr und Regine Aeppli machten nach ihrer Wahl in die Regierung ihre Legislatur in Bern zu Ende – allerdings mehr schlecht als recht. Julia Gerber möchte unbedingt nachrücken, weil sie als Wädenswilerin in der SP als Einzige die Agglomeration vertrete, wie sie gegenüber dem TA sagte.

Die SP hat heute sieben Sitze. Zwei werden durch den Weggang von Jacqueline Fehr und Andreas Gross frei. Zudem hat Daniel Jositsch gute Chancen, Ständerat zu werden und einen dritten Sitz frei zu machen. Erneut kandidieren werden Chantal Galladé – sofern sie die Amtszeit-Guillotine schafft –, Thomas Hardegger, Jacqueline Badran und Martin Naef. Sehr offensiv kämpft Juso-Schweiz-Präsident Fabian Molina um einen Spitzenplatz. 2011 allerdings wurde Juso-Vertreter Patrick Angele vom 8. auf den 15. Platz durchgereicht.

Tim Guldimann, Regine Sauter, Hans-Ulrich Bigler (v.l.).
Tim Guldimann, Regine Sauter, Hans-Ulrich Bigler (v.l.).

Von der Stadtzürcher SP wurde Min Li Marti als Nachfolgerin von Andi Gross nominiert – und damit wohl auf den besten Platz hinter den Bisherigen. Um die weiteren Spitzenplätze bewerben sich Andrea Sprecher sowie Priska Seiler Graf, die im Vorwahlkampf um einen SP-Regierungssitz ebenso für Furore gesorgt hatte wie die Sternenbergerin Sabine Sieber. Gute Karten haben auch Barbara Thalmann, Stadträtin in Uster, und die 28-jährige Mattea Meyer, der mehr Potenzial als Molina zugetraut wird. Von den Stadtzürchern auf den letzten Platz gesetzt wurde Andrew Katumba, der in den letzten beiden Wahlen viele Sitze gutgemacht hatte. Im Rennen ist auch Parteipräsident Daniel Frei. Heisse Frage: Wie weit vorne wird Tim Guldimann platziert sein, der Stardiplomat, Schweizer Botschafter in Berlin und waschechte Zürcher Genosse?

FDP: Sauter gegen Bigler

Die Freisinnigen wittern nach dem Zürcher Wahlsieg Morgenluft und haben Ambitionen auf einen fünften oder gar sechsten Sitz. Ruedi Noser hat beste Chancen für den Ständerat. Gesetzt sind neben Noser Doris Fiala, Hans-Peter Portmann und Beat Walti. Um den fünften Platz gehts hart auf hart zwischen Handelskammer-Direktorin ­Regine Sauter und Gewerbeverbands­direktor Hans-Ulrich Bigler – mit Vorteil für die in Zürich besser verankerte Sauter.Dann könnten die Winterthurer Stadträtin und Polizeivorsteherin Barbara Günhard-Maier und Kantonsrat Martin Farner folgen. Jungstar Andri Silberschmidt (21) dagegen tritt voraussichtlich auf der jungen Liste an.

Bangen bei Grünen und GLP

Nach der Schlappe vom letzten Sonntag geht es bei den Grünen und der GLP wohl bloss noch darum, wer abgewählt wird. Bei den Grünen treten Bastien Girod, Daniel Vischer und Balthasar Glättli ebenso nochmals an wie bei der GLP Martin Bäumle, Tiana Angelina Moser, Thomas Weibel und Thomas Maier. Die Chancen auf den Ständerat für Girod und Bäumle sind minim.

Halten bei CVP, Wechsel bei EVP

Bei der CVP hoffen Kathy Riklin und Barbara Schmid Federer auf eine Wiederwahl. Stabil dürfte der Sitz von Maja Ingold bei der EVP sein; sie wird allenfalls vorzeitig für Nik Gugger Platz machen. Bei der BDP kämpfen Rosmarie Quadranti und der eben nachgerutschte Rudolf Winkler ums Überleben.

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