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Weshalb die Bahnhofstrasse Opfer der «Filialisierung» wird

An der Zürcher Einkaufsmeile sind die Mieten in wenigen Jahren um über 60 Prozent gestiegen. Die Entwicklung geht weiter, obwohl sich Quadratmeterpreise von bis zu 8000 Franken gar nicht mehr lohnen.

Viele Angebote wie an jeder Einkaufsstrasse in anderen Metropolen: Schaufenster an der Bahnhofstrasse.
Viele Angebote wie an jeder Einkaufsstrasse in anderen Metropolen: Schaufenster an der Bahnhofstrasse.
Keystone
Noch immer ein Magnet für Besucher: Touristen und Spaziergänger an der Bahnhofstrasse.
Noch immer ein Magnet für Besucher: Touristen und Spaziergänger an der Bahnhofstrasse.
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Ebenfalls geschlossen hat die ehemalige Konkurrentin Ditting AG. Die Liegenschaft am Rennweg 35 wurde für das Haushaltwarengeschäft zu teuer. Seit bald sechs Jahren werden die Räumlichkeiten von Postfinance, dem Reisebüro Globetrotter oder dem Modelabel American Apparel belegt.
Ebenfalls geschlossen hat die ehemalige Konkurrentin Ditting AG. Die Liegenschaft am Rennweg 35 wurde für das Haushaltwarengeschäft zu teuer. Seit bald sechs Jahren werden die Räumlichkeiten von Postfinance, dem Reisebüro Globetrotter oder dem Modelabel American Apparel belegt.
Archiv Züritipp
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Die Preisspirale an der Zürcher Bahnhofstrasse dreht sich immer weiter nach oben. Wie die Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse am Mittwoch mitteilte, sind die durchschnittlichen Mietzinse alleine in den vergangenen sieben Jahren um 60 bis 70 Prozent gestiegen. Das führt beim Paradeplatz und in der Nähe des Hauptbahnhofes zu Quadratmeterpreisen von 4000 bis 8000 Franken pro Jahr. Obwohl diese horrenden Mieten «ökonomisch nicht zur rechtfertigen sind», werde sich die Entwicklung fortsetzen, so die Vereinigung weiter.

Der Grund dafür sind grosse Ladenketten, welche weiter in die Geschäfte an der bekanntesten Zürcher Strasse drängen. Auch wenn sich der Verkauf an diesem Standort gar nicht lohnt, wollen sie unbedingt dort präsent sein – aus Marketingüberlegungen. Grosse nationale und internationale Firmen leisten sich also aus Prestigegründen ein Lokal an der Bahnhofstrasse, welches mit den Gewinnen von anderen Niederlassungen quersubventioniert wird. Deshalb geht Markus Hünig, Präsident der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse, davon aus, dass die sogenannte «Filialisierung» der Einkaufsmeile weitergehen wird.

Bitte an die Vermieter

Beschleunigt wird die Verdrängung von Familienbetrieben und kleineren Geschäften durch das «Schlüsselgeld». Das sind Extrazahlungen, mit denen der Neumieter dem bisherigen Ladenbetreiber den Mietvertrag vor dessen Ablauf quasi abkauft. Wie hoch die dabei bezahlten Summen sind, teilt die Vereinigung nicht mit, spricht aber von «ansehnlichen Sonderbeträgen». Auf Anfrage sagt Hünig, es handle sich meist um siebenstellige Beträge.

Rechtlich kann diese fragwürdige Sitte nicht unterbunden werden. Die Vereinigung bittet jedoch die Besitzer, solche Wechsel nicht zu dulden. «Wenn Vermieter und Mieter gute Beziehungen haben, kann der Vermieter beschränkten Einfluss auf Nachmieter nehmen und muss nicht einfach alles akzeptieren», sagt Hünig. Ein Patentrezept gegen die umstrittene Entwicklung gebe es aber nicht.

Gleichzeitig schränkt die Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse aber ein, dass sich das wohl nur grössere Liegenschaftsbesitzer leisten werden – und das nur, wenn sie daran interessiert sind, dass die Bahnhofstrasse nicht aussieht wie jede andere Einkaufsmeile in grossen Städten.

Mit Blick in die Zukunft verweist die Vereinigung darauf hin, nicht nur die Entwicklung der Bahnhofstrasse hin zur Ansammlung internationaler Ladenketten zu bedauern. Entscheidend sei die Betrachtung des Grossraums zwischen HB und See. Denn in den Quer- und Seitenstrasse gebe es ebenfalls sehr viele gut frequentierte Standorte mit attraktiven Geschäften. Das solle auch in Zukunft die Bahnhofstrasse von einem Shoppingcenter unterscheiden.

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