Trotz Volks-Ja: Sie wollen die Umfahrung im Säuliamt verhindern

Acht Jahre nach dem Ja zur Umfahrung von Ottenbach und Obfelden könnten die Bauarbeiten beginnen. Doch die Gegner schöpfen neue Hoffnung.

Die Dorfkreuzung in Ottenbach ist überlastet mit dem Durchgangsverkehr aus dem angrenzenden Aargau.

Die Dorfkreuzung in Ottenbach ist überlastet mit dem Durchgangsverkehr aus dem angrenzenden Aargau. Bild: Peter Würmli

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Der grüne Kantonsrat Thomas Schweizer aus Hedingen kann wieder hoffen. Obwohl das Volk der Umfahrung Ottenbach und Obfelden im Jahr 2012 mit Zweidrittelmehrheit zugestimmt hat, könnte die Realisierung der Strasse acht Jahre später womöglich doch noch verhindert werden.

Inzwischen ist die Flut von 77 Einsprachen gegen die neue Strasse zwar abgearbeitet und mit dem Bau könnte im Frühling 2020 begonnen werden. Doch nun gibt es überraschend eine weitere Hürde. Die Umfahrung wird 5,4 Millionen Franken mehr kosten als geplant. Das Land ist teurer geworden, die Beseitigung von Altlasten und die Projektierung ebenso.

Und weil der Kanton auch Werkleitungen zu privaten Liegenschaften vorfinanzieren und Reserven für Unvorhergesehenes einbauen will, beantragt die Regierung dem Kantonsrat einen Zusatzkredit von knapp 15 Millionen Franken. Gesamthaft kostet das Projekt damit 80 Millionen Franken.

Für Schweizer ist klar: «Dazu müssen wir Nein sagen.» Der Bau von neuen Strassen sei grundsätzlich der falsche Weg, beim heutigen Klimanotstand erst recht. Bereits haben die Grünen des Bezirks Affoltern an ihrer letzten Mitgliederversammlung abgestimmt – geschlossen gegen den Autobahnzubringer.

«Wenn wir die Umfahrungsstrasse bauen, werden wir nur neuen Durchgangsverkehr aus dem Aargau anziehen.»Thomas Schweizer, Kantonsrat aus Hedingen (Grüne)

Mit dieser Absichtserklärung wolle die Partei gegenüber dem Kantonsrat ihren ungebrochenen Widerstandswillen gegen die Strasse zeigen, sagt Schweizer. Er ist überzeugt, dass die Dörfer Ottenbach und Obfelden durch die Umfahrung nicht wie gewünscht entlastet werden, weil der Autoverkehr vor allem hausgemacht sei. So handle es sich bei den rund 13'000 Fahrten durch Obfelden etwa zu zwei Dritteln um Binnenverkehr aus dem eigenen Dorf. «Wenn wir die Umfahrungsstrasse bauen, werden wir nur neuen Durchgangsverkehr aus dem Aargau anziehen.»

Ganz anderer Meinung ist die Mehrheit in den betroffenen Dörfern. In Ottenbach gab es vor acht Jahren 76 Prozent Ja-Stimmen und in Obfelden gar 87 Prozent. Und letzte Woche sagte der Co-Präsident der IG Sicherer Schulweg, Philipp Schweiger, im «Anzeiger von Affoltern»: «Das ist ein klarer demokratischer Entscheid.» Dieser müsse jetzt umgesetzt werden. Verkehrsberuhigende Massnahmen, wie sie die Grünen vorschlagen, genügten nicht, um die 40-Tönner von den Schulwegen in den Dörfern fernzuhalten.

Knapper Entscheid erwartet

Gemäss der Abstimmungszeitung von 2012 wurde in Obfelden und Ottenbach nach der Eröffnung der A4 70 Prozent mehr Verkehr registriert – ganz im Gegensatz zu den anderen Säuliämtler Gemeinden, wo im Schnitt nur noch halb so viele Autofahrten gezählt wurden.

Die Chancen, die Umfahrungsstrasse noch zu stoppen, sind nach der grünen Wende bei den Kantonsratswahlen intakt. So haben die Grünen selber neun zusätzliche Sitze erobert, ebenso die Grünliberalen. Wenn sie mit den Sozialdemokraten und den Alternativen zusammenspannen, kommen sie dem Nein schon ziemlich nahe.

«Wir sollten den Volksentscheid nicht weiter verzögern und jetzt umsetzen.»Daniel Sommer, Kantonsrat aus Affoltern (EVP)

Für den endgültigen Umschwung könnten die CVP oder die EVP sorgen. Doch EVP-Kantonsrat Daniel Sommer aus Affoltern ist persönlich gegen die grünen Pläne: «Wir sollten den Volksentscheid nicht weiter verzögern und jetzt umsetzen.» Aus Sicht des Naturschutzes sei das Bauprojekt in Ordnung, sagt er und verweist auf die geplante Aufwertung des an die Strasse angrenzenden Flachmoors in Ottenbach.

Der Kreditantrag wird in der Kommission für Planung und Bau vor den Herbstferien behandelt. Im Kantonsrat fällt der Entscheid voraussichtlich um den Jahreswechsel. Bei der kantonalen Baudirektion von Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) rechnet man mit massiven Verzögerungen, sollte der Kantonsrat den Kreditantrag ablehnen.

Eine Variante wäre gewesen, mit dem Bau zu beginnen und das fehlende Geld anschliessend über einen Nachtragskredit vom Parlament bewilligen zu lassen. Thomas Maag, Sprecher der Baudirektion, winkt ab: «Ein solches Vorgehen kam für uns aus Gründen der Transparenz und der Fairness nie infrage.»

Erstellt: 23.07.2019, 12:06 Uhr

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