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Winterthur beschliesst Frauenquote

Mehr als jedes dritte Kadermitglied in der Stadtverwaltung soll künftig eine Frau sein. Der Blick nach Zürich zeigt, was eine solche Vorgabe auslösen kann.

Die Winterthurer Stadtverwaltung erhält eine Frauenquote.
Die Winterthurer Stadtverwaltung erhält eine Frauenquote.
Urs Jaudas

Der Winterthurer Gemeinderat nimmt den Stadtrat in die Pflicht. Er hat am Montagabend eine Geschlechterquote beschlossen. Nun muss die Regierung eine Weisung ausarbeiten. Gefordert ist eine verbindliche Zielvorgabe für eine angemessene Vertretung der Geschlechter im Kader – mindestens 35 Prozent.

Mitte-links hat sich damit gegen bürgerlichen Widerstand durchgesetzt. Heute habe ein Mann eine dreieinhalbmal grössere Chance auf einen Job in der städtischen Chefetage als eine Frau, begründeten die Befürworter ihr Anliegen. Die Gegner sahen keinen Handlungsbedarf. Es bestehe bereits eine gesetzliche Grundlage, um die Gleichstellung zu fördern. Gemäss «Landbote» äusserte sich auch der frisch wiedergewählte Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) skeptisch: In gewissen Abteilungen und Departementen sei die Zusammensetzung «von Natur aus» gegeben.

Die Quote soll eine generelle Zielvorgabe für alle Kaderstufen sein und je nach Departement sollen «differenzierte, realistische und verbindliche Steigerungsziele» vereinbart werden. Erreicht man diese nicht, müssten sich die Zuständigen vor dem Gemeinderat erklären. Sanktionen sind aber keine geplant.

Betrachtet man die gesamte Stadtverwaltung, erreicht Winterthur heute das Ziel bereits – und zwar mit exakt 35 Prozent. In der höchsten Kaderstufe liegt man allerdings noch etwas zurück. Dort sind es 29 Prozent.

Zürich kennt die Quote bereits

Was Winterthur am Montag beschlossen hat, kennt die Stadt Zürich bereits seit dem Sommer 2015. Damals hat sie sich zum Ziel gesetzt, dass das jeweils «untervertretene Geschlecht» pro Departement und Kaderstufe mindestens 35 Prozent der Stellen besetzen soll. In der städtischen Verwaltung betrug der Frauenanteil auf Kaderstufe Ende des letzten Jahres 38,3 Prozent. Das ist eine leichte Steigerung gegenüber 2015, als er bei 37,2 Prozent lag.

In den höchsten zwei Kaderstufen ist die Zahl allerdings deutlich tiefer, mit 28,4 Prozent respektive 30,4 Prozent. Auf beiden Stufen hat der Frauenanteil in den vergangenen zwei Jahren etwas zugenommen, um 5 Prozentpunkte auf der höchsten und um 2,6 Punkte auf der zweithöchsten Stufe.

Höchster Wert im Sozialen

Zwischen den Departementen bestehen beachtliche Unterschiede. Drei weisen einen Frauenanteil aus, der unter 20 Prozent liegt: die Industriellen Betriebe (17,1 Prozent), das Sicherheitsdepartement (19,3) und das Tiefbau- und Entsorgungsdepartement (19,9). Den höchsten Wert erzielt das Sozialdepartement. Dort ist mehr als jedes zweite Kadermitglied eine Frau (57,3).

Die Stadt zog im vergangenen Jahr in einem Bericht zum «Gleichstellungsplan 2014 bis 2018» eine Zwischenbilanz. Darin bezeichnet sie das 35-Prozent-Ziel als «hochgesteckt». Aber sie machte eine positive Entwicklung aus: «Auch wenn im obersten Kader einige Departemente die Zielvorgabe noch nicht erreichen, sind hier die deutlichsten Entwicklungen erkennbar.»

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