Winterthur fordert eigenen Schnellzug nach Basel

Eine Arbeitsgemeinschaft möchte den Direktzug von Winterthur nach Basel reaktivieren – und Zürich umfahren. Jetzt erhält sie Unterstützung aus dem Nationalrat.

Die Winterthurer wollen schneller ans Rheinknie: Reisende am Hauptbahnhof Basel.

Die Winterthurer wollen schneller ans Rheinknie: Reisende am Hauptbahnhof Basel. Bild: Georgios Kefalas/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Eilzug» hiess er, und er fuhr bis 1990 direkt von Winterthur nach Basel. Nicht via Zürich, sondern über Bülach, Koblenz und Laufenburg. Diesen Schnellzug soll es künftig wieder geben, wenn es nach der Arbeitsgemeinschaft Pro Wiba (Winterthur–Basel) geht. Dahinter stehen der ehemalige Winterthurer FDP-Gemeinderat Pierre-François Bocion und der ehemalige Verleger Guido Blumer.

Kürzere Fahrzeiten

«Die Bahnverbindung Wiba wäre mit 1 Stunde schneller als die jetzige über Zürich und Olten mit 1 Stunde und 40 Minuten», rechnet Bocion vor. Ein solcher Direktzug auf der schweizerischen Seite des Rheins sei sinnvoll, weil der motorisierte Verkehr auf die Bahn umgeleitet werden müsse, die Städte entlang dieser Bahnlinie stark gewachsen seien und die neue Linie deshalb künftig deutlich mehr frequentiert würde als früher. Ausserdem könnte die Ostschweiz schneller und kürzer mit der Nordwestschweiz verbunden werden, sagt Bocion. Sein Konzept für die Neuauflage der Regionallinie hat er bereits diversen Politikern, den SBB und dem Bundesamt für Verkehr unterbreitet.

Um das Bild zu vergrössern, bitte anklicken.

Letzte Woche hat der Zürcher SP-Nationalrat Thomas Hardegger das Thema aufgegriffen und beim Bundesrat eine Anfrage eingereicht. Er spricht von einer «spannenden Sache». Jetzt gehe es darum, die Durchführbarkeit und Nachfrage der Linie abzuklären. Für die Ostschweiz, Winterthur und Bülach wären kürzere Fahrzeiten und günstigere Tickets zu gewinnen, sagt Hardegger. Eine stündliche Verbindung von der Ostschweiz nach Basel via Winterthur/Bülach könnte zudem die stark ausgelastete Linie Zürich–Basel über Olten entlasten.

Winterthurer Stadtrat ist skeptisch

Wenig ermutigend für die Wiba-Promotoren fällt allerdings die Reaktion der Winterthurer Stadtregierung aus. Stadträtin Barbara Günthard-Maier (FDP) zweifelt am Erfolg der Direktlinie, wie aus einem Schreiben an Bocion hervorgeht. Die Reisezeiten Winterthur–Basel hätten sich in den letzten Jahren stark verbessert – trotz der Route über Zürich, schreibt Günthard-Maier. Heute gebe es zwei schnelle Verbindungen pro Stunde mit Umsteigen in Zürich und Fahrzeiten von 84 Minuten.

Zusätzlich gebe es noch zwei bis drei langsamere Verbindungen pro Stunde, davon eine ohne Umsteigen mit 105 Minuten Fahrzeit. Bis zum Start der S-Bahn 1990 gab es laut Günthard-Maier vier Schnellzüge pro Tag von Winterthur nach Basel über Bülach und Koblenz – mit elf Zwischenhalten und einer Reisezeit von 96 Minuten. Fraglich ist laut der Stadträtin auch die technische Machbarkeit. Die Strecke sei weitgehend einspurig. Auf den Abschnitten Winterthur–Bülach und Zurzach–Koblenz gebe es den Halbstundentakt und teils beträchtlichen Güterverkehr wegen der Kieszüge von Zweidlen und ins Rafzerfeld.

Genügend Nachfrage?

«Es dürfte schwierig bis unmöglich sein, zusätzliche beschleunigte Trassen für Schnellzüge zu finden», gibt sie zu bedenken. Unklar sei auch die Nachfrage: Bei dem sehr dichten und deutlich schnelleren Angebot via Zürich dürfte es schwierig sein, die Fahrgäste von Winterthur nach Basel auf eine langsamere Strecke zu lenken.

Auch die SBB äussern sich zurückhaltend. Zwischen Koblenz und Laufenburg verkehrten seit 1994 keine Personenzüge mehr, sagt Sprecher Oli Dischoe. Die Reaktivierung dieser Strecke für den Personenverkehr sowie die Wiedereinführung einer Direktverbindung Winterthur–Basel wäre letztlich ein politischer Entscheid. Zudem weist er darauf hin, dass der einstige «Eilzug» nur unregelmässig gefahren sei und länger als die heutigen Verbindungen gebraucht habe.

«Stets auf Zürich fixiert»

Bocion ist nicht überrascht, «dass der Mut zum Risiko fehlt», wie er sagt. Aus Erfahrung wisse er, «dass es Geduld braucht, bis es im Stadtrat von Winterthur dämmert». Er ist überzeugt, dass der Direktzug eine Verkürzung der Reisezeit brächte.

Zudem wären kaum Investitionen in die Infrastruktur notwendig, der Betrieb der Linie könnte etwa mit wenigen Stadler-Rail-Zügen aufgenommen werden. «Aber die Winterthurer waren, sind und werden stets auf Zürich fixiert sein», sagt er. Und hofft wenigstens noch auf den Vorstoss im Nationalrat.

Erstellt: 03.10.2018, 12:37 Uhr

Artikel zum Thema

Das herzliche Brooklyn von Zürich

Winterthur verpasst sich ein neues Logo. Die Stadt will mit einem Herz überraschen und zieht den Vergleich zu Amerika. Mehr...

Oben drüber statt unten durch

Video Wer beim Bahnhof Altstetten die Geleise queren will, muss in den nächsten zwei Jahren mehr Zeit einplanen. Die Unterführung wird umgebaut. Mehr...

Passagier steigt zu früh aus – Flixbus muss Busse zahlen

Ein Passagier fuhr mit Flixbus von Zürich nach Basel. Das verstösst gegen das Kabotageverbot. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Mit CallDoc clever und flexibel versichert

Lassen Sie sich rund um die Uhr medizinisch beraten – und sparen Sie dabei! Profitieren Sie vom Prämienrabatt der Grundversicherung. Jetzt Offerte anfordern.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Reparaturen am Schiff: Ein Mann arbeitet auf einer Werft entlang des Buriganga Flusses am südlichen Rand der Stadt Dhaka in Bangladesch. (15. Oktober 2019)
(Bild: Zakir Hossain Chowdhury/NurPhoto/Getty Images) Mehr...