«Wir hatten 100'000 Franken, brauchten aber drei Millionen»

Zahn-Imperium, Glamour-Etikette und goldene Zahnpasta: Die Zürcher Schwestern Haleh und Golnar Abivardi im grossen Interview.

«Als wir im Shopville begonnen hatten, waren wir froh, dass wir alles irgendwie auf die Reihe kriegten»: Golnar (links) und Haleh Abivardi in ihrer Praxis am Bellevue. Foto: Thomas Egli

«Als wir im Shopville begonnen hatten, waren wir froh, dass wir alles irgendwie auf die Reihe kriegten»: Golnar (links) und Haleh Abivardi in ihrer Praxis am Bellevue. Foto: Thomas Egli

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Die Abivardi-Schwestern gibt es nur zu zweit. Wie kommt es, dass Sie alles zusammen machen?
Golnar Abivardi: Wir hatten das nie so geplant. Als wir mit dem Studium abschlossen, war Zürich die Stadt mit der höchsten Zahnarztdichte. Hier eine Praxis zu kaufen, war schwierig bis unmöglich. Haleh ist deshalb in den Thurgau ausgewichen und hat dort eine Praxis eröffnet. Mein Plan war es, mich in Zürich weiterzubilden. Dann brauchte Haleh Unterstützung – und ich konnte sie nicht hängen lassen.

Haleh Abivardi: Wir sind jeweils mit dem ersten Zug nach Amriswil gependelt und am Abend spät zurück. Was uns auffiel: Wenn wir nach Zürich zurückkehrten, war alles geschlossen – mit Ausnahme des Shopville. Das brachte uns denn auch auf die Idee eines Kompetenzzentrums für Zahnmedizin mit allen Spezialisten am Bahnhof.

Zweifelten Sie nie am Vorhaben, ein Unternehmen mit der ­Schwester aufzubauen?
Golnar Abivardi: Nein, Zweifel hatte ich nie. Auch weil wir das nicht geplant hatten, sondern weil es sich ergeben hat, weil es funktionierte.

Weshalb funktioniert es?
Golnar Abivardi: Wir ergänzen uns.

Haleh Abivardi: Wir sind zwar sehr verschieden, verfolgen aber gemeinsam dasselbe Ziel.

Streiten Sie oft?
Haleh Abivardi: Natürlich haben wir Diskussionen. Das sind wir uns seit unserer Kindheit gewohnt. Wir tun dies aber hinter verschlossenen Türen, bis wir einer Meinung sind. Wenn wir herauskommen, . . .

Golnar Abivardi: . . . dann sind wir wie eine Person. Das ist unser Geheimnis.

Worüber streiten Sie?
Golnar Abivardi: Nur über Geschäftliches. Privat streiten wir uns nicht. Jeder hat sein Privatleben. Geschäftlich haben wir nicht immer die gleichen Ansichten.

Erfolgreiche Geschäftsfrauen

Ist das Teil Ihres Erfolgs?
Haleh Abivardi: Wenn man mit Geschwistern diskutiert, in der Familie, dann nimmt man kein Blatt vor den Mund. Man sagt alles unumwunden und widerspricht sich direkt. Bei uns hat das zum Erfolg beigetragen.

Sie sagten, wenn Sie eine Sache ausdiskutiert hätten, seien Sie quasi eine Person. Ist das ­wichtig?
Haleh Abivardi: Zu Beginn war das sogar nötig. Wir bauten unser Unternehmen auf, vieles war noch nicht detailliert geregelt. Sehen Sie: Es ist mit Mitarbeitern wie mit Kindern. Kommen sie beim ­Vater nicht zum Ziel, dann vielleicht bei der Mutter. Inzwischen haben wir uns angeglichen. Das geht so weit, dass ich mir ein Kleidungsstück kaufe – und sie sich unabhängig davon dasselbe.

Werden Sie oft für Zwillinge ­gehalten?
Haleh Abivardi: Ja. Für mich ist das gut, schliesslich bin ich vier Jahre älter als Golnar.

Golnar Abivardi: Als wir neulich in die Praxis an der Bahnhofstrasse gingen, stand im Lift eine ältere Dame. Sie war etwas wacklig auf den Beinen. Wir fragten sie, ob alles in Ordnung sei. Sie sagte, ihr sei schwindlig gewesen – und dann habe sie auch noch eine Frau ­doppelt gesehen. Das sei ihr dann etwas zu viel geworden.

Sie sind zwei erfolgreiche Unter­nehmerinnen und zwei attraktive Frauen. War das ein Vor- oder ein Nachteil?
Golnar Abivardi: Beides.

Wann ist es ein Vorteil?
Haleh Abivardi: Ich bin mir nicht sicher, ob es konkrete Vorteile gab.

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Wie war es bei den Verhandlungen zu Beginn? ­Immerhin brauchten Sie ziemlich viel Geld.
Haleh Abivardi: Wir waren zwei junge und geschäftlich noch unerfahrene Frauen. Ich war 32, Golnar 28. Das machte es noch etwas schwieriger, alle zu überzeugen. Wir hatten 100'000 Franken Eigenkapital, brauchten jedoch drei Millionen.

Golnar Abivardi: Es war eine grosse ­Herausforderung, eine Bank zu überzeugen, unsere neue Idee zu finanzieren. Bei den Schlussverhandlungen war ich zudem hochschwanger. Beim letzten ­Gespräch ging ich lieber nicht mehr mit, um Zweifel zu vermeiden. Hier war es bestimmt kein Vorteil, Frau zu sein.

Ein Zahnarzt-Zentrum mit langen Öffnungszeiten und Terminen sogar am Wochenende: Ihre Idee hat die Branche auf den Kopf gestellt. Wie hat die Konkurrenz auf Sie reagiert?
Haleh Abivardi: Auf den Kopf gestellt trifft es gut. Es gab bei uns plötzlich eine andere Art von Zahnmedizin. Alles, was neu ist, stösst auf Abwehr, das ist nicht nur in der Zahnmedizin so.

Golnar Abivardi: Man nahm uns schon als Konkurrenz wahr, unterschätzte uns aber womöglich auch. Das kann ein Vorteil sein.

Wie spürten Sie die Ablehnung?
Golnar Abivardi: Wir wurden direkt ­kritisiert, weil Zahnärzte befürchteten, ­Patienten an uns zu verlieren. Weil wir keinen freien Nachmittag kannten und auch am Wochenende geöffnet hatten. Man kann leider nicht allen gefallen.

Haleh Abivardi: Man muss allerdings auch sagen: Es gab Zahnärzte, die unser Konzept begrüssten. Sie sprachen unsere Telefonnummer auf das Band, wenn sie in den Ferien oder am Wochenende weg waren.

Inzwischen haben Sie ein ­Zahnarzt-Imperium aufgebaut. Wie viel Glück gehörte dazu?
Haleh Abivardi: Viel, das begann schon bei der Idee, am HB eine Praxis zu er­öffnen. Ich rief bei der Stadt an und fragte nach einer freien Fläche. Es war etwas frei – aber die Anmeldefrist für ­Interessenten lief am selben Tag aus. Die Frau am Telefon fand unsere Idee super. Sie sagte, wir sollten sie schnell aufschreiben und faxen. Die hat uns richtig gepusht.

«Uns ist es ein ­Anliegen, dass man uns als Frauen und Mütter sieht.»Golnar Abivardi

Wie meinen Sie das?
Haleh Abivardi: Die Fläche war viel zu gross, ich sagte ihr, das käme nicht infrage. Sie meinte nur: «Dann warten Sie aber 20 Jahre, bis etwas frei wird.» Dafür bin ich der Stadt dankbar.

Die Stadt hat offen auf Sie reagiert?
Haleh Abivardi: Zürich ist eine offene Stadt.

Das Klischee geht anders.
Haleh Abivardi: Den Zürchern wird oft vorgeworfen, sie seien verschlossen. Das stimmt nicht: Die Zürcher sind sehr höflich und zurückhaltend. Das wird ihnen dann als Verschlossenheit ausgelegt. Dabei will der Zürcher eines auf keinen Fall: stören. Wie der Schweizer auch.

Golnar Abivardi: Der Anstand ist etwas, das ich an Zürich sehr schätze. Man spürt Respekt, pflegt einen guten ­Umgang.

Eine Zeit lang mussten Sie dann einstecken. 2009 machten Sie Schlagzeilen mit ­ausstehenden AHV-Zahlungen.
Haleh Abivardi: Die vermittelten einen falschen Eindruck. Fakt ist: Wir sind zu Beginn so schnell gewachsen, dass die Administration nicht mithalten konnte. Hinzu kam, dass wir beide eher dem ­Medizinischen als dem Administrativen zugewandt sind. Wir befanden uns also inmitten einer extremen Wachstumsphase, mit etlichen neuen Angestellten – und erhielten plötzlich eine AHV-Rechnung von über einer Million Franken. Für die haben wir umgehend eine Ratenzahlung vereinbart. Die Schlagzeile lautete trotzdem «Puff mit der AHV».

Golnar Abivardi: Aufgrund dieser eigenen Erfahrung haben wir für unsere ­Patienten sofort eine neue Zahlungsmöglichkeit entwickelt – Teilzahlungen für Zahnbehandlungen. Sie wird heute noch sehr geschätzt.

Ihre nächsten Schwierigkeiten hatten Sie mit der Expansion ins Ausland.
Golnar Abivardi: Ja, obwohl die hohe Qualität unserer Kompetenzzentren im Ausland sehr geschätzt wurde. Wegen der Finanzkrise in London und der hohen wirtschaftlichen Instabilität haben wir uns dann entschieden, uns eine Weile auf die Schweiz zu konzentrieren.

Haleh Abivardi: Es stellte sich als einfacher heraus, die Produkte zu internationalisieren als die Kliniken. Unsere Produktelinie wird hier produziert und auf fast allen Kontinenten verkauft.

Wie Ihre Gold-Zahnpasta!
Haleh Abivardi: Sie ist eines davon und vor allem in den Emiraten und China ein Renner. Die Schweizer stehen natürlich eher auf unsere Herbal- und Whitening-Zahnpasta.

Ihre erste Auslandfiliale in London mussten Sie nach kurzer Zeit ­verkaufen.
Haleh Abivardi: Sie müssen sich vorstellen, wir hatten zu Beginn nicht im Sinn, nach London zu gehen. Wir sind mit der rasanten Nachfrage gewachsen. Den Standort London haben wir nicht strategisch ausgewählt, sondern weil sich die Anfragen von Kunden aus London häuften. In dieser Zeit in London eine Klinik aufzumachen, war aber wahrscheinlich ein Fehler.

Würden Sie es rückblickend anders machen?
Haleh Abivardi: Als Unternehmen sollte man nicht zu schnell ins Ausland gehen. Für die Bekanntheit der Marke in der Schweiz war die Filiale in London aber dennoch sehr wichtig. Erst wenn man im Ausland ist, glauben die Schweizer an den Erfolg einer heimischen Firma.

Warum haben Sie Swiss Smile an die Jacobs-Holding verkauft?
Haleh Abivardi: Wir sind weiterhin in Swiss Smile investiert und aktiv engagiert. Wir halten Anteile an der Schweizer Gesellschaft und sind neu auch an der europäischen Dentalgruppe beteiligt. Mit der Jacobs-Holding haben wir uns mit einem langfristig orientierten Partner zusammengetan, damit unser Unternehmen erfolgreich ausgebaut und weiterentwickelt werden kann. Uns hat überzeugt, dass der einzige Nutzniesser der Jacobs-Holding die gemeinnützige Jacobs-Stiftung ist.

Geschäftlich und privat erfolgreich: Die Schwestern Abivardi. Foto: Thomas Egli

War es immer Ihr Plan, ein ­internationales Unternehmen ­aufzubauen?
Golnar Abivardi: Als wir im Shopville begonnen hatten, waren wir froh, dass wir alles irgendwie auf die Reihe kriegten. Als wir drei Jahre später an die Bahnhofstrasse expandierten, wurde uns bewusst, dass wir mit Swiss Smile ­etwas gefunden hatten, das auch grösser funktionieren könnte. Wir erhielten ­Anfragen nach Partnerschaften und von Patienten aus aller Welt.

Wurden Sie von Ihren Eltern zu Unternehmerinnen erzogen?
Haleh Abivardi: Wir haben beide neben der Schule immer gearbeitet. Ich habe Mathe-Nachhilfe gegeben, und in den Ferien sassen wir an der Kasse im Supermarkt.

Waren Ihre Eltern die treibende Kraft, oder haben Sie aus eigenem Antrieb gehandelt?
Haleh Abivardi: Etwas dazwischen. Wir bekamen einen Franken Taschengeld, später im Gymnasium fünf. Wollten wir mehr, mussten wir uns darum bemühen.

Golnar Abivardi: Wir waren stolz, dass wir etwas selber verdient hatten. Und ich glaube, das hat uns viel gebracht.

Ihre Welt hat sich extrem ­gewandelt. Von der ­Supermarktkasse in den Jetset.
Haleh Abivardi: Unser Geschäftsleben hat sich verändert, klar. Früher war es die Strecke mit der S-Bahn von Zürich nach Amriswil. Wenn ich mir die Agenda der letzten Wochen anschaue, waren es Tokio, Barcelona, Madrid, Florenz, New York und London. Die Termine fanden aber in Sitzungsräumen statt, und die Reisen dauerten je höchstens zwei bis drei Tage. Ob Sie das Jetset-Leben nennen möchten, können Sie selber entscheiden.

Aber Sie waren doch eine Zeit lang Teil des Jetsets, oder?
Golnar Abivardi: Unser Privatleben war nie Jetset. Dafür haben wir keine Zeit. Wir sind bodenständig, verbringen viel Zeit mit unserer Familie. Was wir opfern, ist Zeit für uns selbst.

Opfern als Wort tönt drastisch.
Golnar Abivardi: Wir lieben unsere Arbeit. Das ist alles.

Haleh Abivardi: Wir haben immer versucht, perfekt zu sein – im Unternehmen wie auch als Mutter. Wonder Women gibt es aber leider nur im Film.

Wie haben Sie es geschafft, neben der Unternehmerin auch Mutter zu sein?
Haleh Abivardi: Vor allem mit der Unterstützung unserer Mutter. Als meine Kinder klein waren, spielte sie oft bis in die Nacht mit ihnen.

Golnar Abivardi: Man muss es wollen. Es war nicht immer einfach. Ich habe per Kaiserschnitt geboren. Eine Woche später musste ich wieder voll arbeiten.

«Wenn man eine Vision hat, dann sollte man dafür kämpfen.»Haleh Abivardi

Die Presse hat eine Zeit lang ­Stil-Ikonen und Glamour-Girls aus Ihnen gemacht. Wie war das für Sie?
Haleh Abivardi: Komisch, denn so haben wir uns nie gefühlt. Wir sind bodenständig aufgewachsen und so geblieben.

Golnar Abivardi: Uns ist es ein Anliegen, dass man uns als Unternehmerinnen sieht, als Frauen und als Mütter. Wir wollen nicht in eine andere Ecke gedrängt werden. Es gab eine Zeit, als wir uns so fühlten.

Welches Bild von sich möchten Sie vermitteln?
Golnar Abivardi: Unser Ziel war und ist es, Frauen Mut zu machen und Junge zu motivieren, unternehmerisch tätig zu sein. Das ist das, was wir als Unternehmerinnen vermitteln wollten.

Haleh Abivardi: Unsere Mutter sagte: Es gibt nichts, das leicht geht. Und: Wenn man es wirklich will, kann man alles erreichen. Das ist auch unsere Botschaft: Wenn man eine Vision hat, dann sollte man dafür kämpfen.

Golnar Abivardi: Man muss allerdings auch die Konsequenzen tragen, damit rechnen, dass man hinfällt.

Haleh Abivardi: In diesem Punkt gibt es Unterschiede zwischen den Ländern. In manchen wird das Unternehmertum stark gefördert – und da ist Hinfallen ein integraler Bestandteil.

Wie ist es in der Schweiz?
Haleh Abivardi: Die Schweiz fördert das Unternehmertum nicht speziell.

Golnar Abivardi: Es gibt sehr wenige Frauen, die Unternehmerinnen sind.

Woran liegt das?
Haleh Abivardi: Es beginnt beim Schulsystem. Ich sehe das bei meinen Kindern. Da ist manchmal am Nachmittag frei, am Morgen beginnt die Schule mal um 8, und dann wieder um 10 Uhr. In anderen Ländern ist die Betreuung immer von morgens bis abends organisiert.

Golnar Abivardi: So, dass Mütter eben auch arbeiten können.

Wie frauenfreundlich ist Ihr ­Unternehmen?
Haleh Abivardi: Wir beschäftigen 90 Prozent Frauen. Einerseits, weil Dentalassistentin ein typischer Frauenberuf ist, aber auch, weil wir Teilzeitmodelle anbieten. Bei uns arbeiten viele Zahnärz­t­innen, der Betrieb mit zwei Schichten bietet eine gewisse Flexibilität.

Was halten Sie von einer ­Frauenquote?
Golnar Abivardi: Man kann das nicht erzwingen. Entweder sind da Frauen, die das wollen – oder eben nicht. Quoten halte ich nicht für sinnvoll. Die Qualität und das Fachliche sollten im Vordergrund stehen.

Was fasziniert Sie am ­Zahnarzt-Handwerk?
Haleh Abivardi: Das Medizinische natürlich. Die Möglichkeit, gleichzeitig handwerklich tätig zu sein und Menschen helfen zu können. Ärztin zu werden, wäre mir zu verantwortungsvoll ­gewesen. Ich will nicht für Leben oder Tod zuständig sein.

Golnar Abivardi: Mir gefällt, dass man sofort ein Ergebnis sieht. Im Idealfall ist der Patient danach gesund, schmerzfrei und fühlt sich selbstsicherer. Das ist sehr erfüllend.

Haleh Abivardi: Ein schönes Erlebnis war für mich, als wir Bedürftigen die Zähne sanierten. Einige dieser Patienten haben danach wieder eine Arbeitsstelle gefunden und die Akzeptanz in ihrer ­Familie zurückgewonnen.

Wann haben Sie zuletzt als ­Zahnärztinnen gearbeitet?
Haleh Abivardi: Das ist eine Weile her. Uns fehlt die Zeit. Wir haben heute Top-Zahnärzte und Spezialisten; lieber überweise ich denen meine Mutter, als sie selber zu behandeln.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.08.2017, 06:50 Uhr

Golnar und Haleh Abivardi

Familienunternehmerinnen

Haleh (48) und Golnar Abivardi (44) wuchsen in St. Gallen und Basel auf und besuchten in Zürich das Gymnasium. Später studierten sie Zahnmedizin an der Universität Zürich. Beide sind verheiratet und haben vier respektive zwei Kinder. Haleh lebte in der Villa Mooser in Wollishofen, Golnar wohnt in Zürich. (TA)

Swiss Smile wird global

1998/2001

Studium. Haleh und Golnar Abivardi schliessen ihr Studium als Zahnärztinnen an der Universität Zürich ab.

2003

Praxis. Haleh Abivardi arbeitet in Amriswil in einer Zahnarztpraxis, die sie 2001 übernehmen kann. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Golnar entsteht die Praxis Abivardi & Abivardi. 2003 verkaufen sie die Praxis.

26. September 2002

Gründung Swiss Smile. Die Geschichte der ersten Praxis – damals noch Zahnarztzentrum genannt – geht so: Haleh Abivardi ruft bei der Stadt an und informiert sich nach leeren Flächen im Shop-Ville. Soeben sind die Räumlichkeiten der UBS freigeworden; eher zu viel Fläche. Für die Finanzierung brauchen die Schwestern Abivardi 3 Millionen, sie bringen 100'000 Franken Eigenkapital mit: Einen Tag, bevor ihre Frist abläuft, erhalten sie den Kredit. Von der Migros-Bank, die sie erst anfragten, als sie in der Zeitung lasen, dass keine Migros-Filiale mehr Umsatz pro Quadratmeter macht als jene am HB. Abivardis beginnen mit 20 Mitarbeitern, die in zwei Schichten arbeiten. Die Idee schlägt ein wie eine Bombe.

2007

Unternehmerpreis. Die beiden Schwestern erhalten den Prix Veuve Clicquot als Unternehmerinnen des Jahres.

Ende 2007

Expansion. Swiss Smile expandiert nach St. Moritz und ins Ausland. Gleichzeitig lancieren die Schwestern ihre eigene Swiss-Smile-Produkte-Linie. Haleh und Golnar Abivardi eröffnen eine Filiale in London. Anfang 2010 verkaufen sie das Geschäft wieder; laut «Bilanz» hat das London-Abenteuer das Unternehmen 10 Millionen gekostet und ihm beinahe das Genick gebrochen. Später kommt eine Klinik im indischen Bangalore hinzu, 2012 eine Filiale in Moskau. Letztere ist die einzige verbleibende Auslandklinik.

2010

Pfarrer Sieber. Abivardis lancieren das Pfarrer-Sieber-Projekt. Es ermöglicht bis heute Obdach- und Arbeitslosen oder sonst in Not geratenen Menschen eine kostenlose Zahnbehandlung.

2011

Strategiewechsel. Nach der erfolg­reichen Neueröffnung in Baden konzen­trierern sich Abivardis auf die Schweiz. Sie übernehmen bestehende Praxen und führen sie unter Swiss Smile weiter oder eröffnen neue. Ihr Label hat in Zürich einen Marktanteil von 15 Prozent.

2015

Vize-Miss-Schweiz. Die Schwestern gewinnen Xenia Tchoumitcheva als neues Werbegesicht für ihre Produktelinie.

2017

Verkauf. Die Jacobs Holding erwirbt Swiss Smile. Das Label betreibt ­inzwischen in der ganzen Schweiz elf Zahnarztzentren, fünf allein in der Stadt Zürich. Mit der Übernahme von Swiss Smile gehören über 140 Kliniken mit mehr als 650 Zahnärzten zur Gruppe in Europa. Abivardis bleiben in Swiss Smile investiert und aktiv engagiert. Über die finanziellen Konditionen wurde Stillschweigen ­vereinbart.

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