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«Wir können nicht ausschliessen, dass Einzelne arbeitslos werden»

Dem Spital Affoltern droht das Aus. Stadtpräsident Clemens Grötsch sagt, weshalb das nötig ist.

Am 19. Mai wird abgestimmt: Der Stadtrat von Affoltern am Albis spricht sich für eine Schliessung des Spitals aus.
Am 19. Mai wird abgestimmt: Der Stadtrat von Affoltern am Albis spricht sich für eine Schliessung des Spitals aus.
Samuel Schalch

Der Stadtrat von Affoltern am Albis ist gegen den Beitritt zu einer neuen Aktiengesellschaft fürs Spital Affoltern. Warum dieser Meinungsumschwung?

Die Rahmenbedingungen im Zürcher Gesundheitswesen haben sich sehr stark geändert in letzter Zeit. Unter anderem wurden die Mindestfallzahlen erhöht, was ein kleines Spital wie Affoltern stark unter Druck setzt. Im Akutspital werden rote Zahlen geschrieben, und gemäss den Prognosen der Betriebskommission werden die Defizite weiter steigen. Zudem stehen sehr grosse Investitionen an im Spital.

Ein Ausstieg der Standortstadt Affoltern am Albis hätte wohl die Schliessung des Spitals zur Folge. Was bedeutet das für die Bevölkerung im Säuliamt?

Wenn das Spital schliessen muss, brauchen wir in Affoltern eine neue Grundversorgung für den Akutbereich. Wir denken hier an eine Permanence mit Rettungsdienst im Stadtzentrum von Affoltern. Operationen und andere grössere Eingriffe müssten in den umliegenden Spitälern erfolgen.

Was bedeutet Ihr Entscheid für die 700 Angestellten im Spital Affoltern?

Es würde wohl zu Entlassungen kommen, das bedauert der Stadtrat sehr. Wir sind aber zuversichtlich, dass die Angestellten aufgrund des Personalmangels im Gesundheitsbereich rasch neue Stellen finden. Trotzdem können wir nicht ausschliessen, dass einzelne Personen arbeitslos werden, das bedauern wir zutiefst. Wir würden uns aber selbstverständlich mit anderen Gemeinden an einem Solidaritätsfonds beteiligen, um Härtefälle zu vermeiden.

Der Stadtrat will auch die Weiterentwicklung des Pflegezentrums Sonnenberg nicht mittragen. Wie kommt er zu dieser Entscheidung?

Aufgrund unserer Grösse müssten wir bei den anstehenden Investitionen von allen Gemeinden am meisten Kapital einschiessen. Trotzdem wären unsere Mitsprachemöglichkeiten beschränkt. Viel mehr stört uns aber, dass man im Sonnenberg das betreute Wohnen einführen möchte. Das hätte zur Konsequenz, dass Senioren nach Affoltern ziehen würden, und die Stadt müsste für deren Pflegeleistungen bezahlen. Dies möchte der Stadtrat verhindern.

Würde Affoltern seine eigenen Pflegefälle an andere Gemeinden abschieben?

Wir haben gegenwärtig 135 pflegebedürftige Personen in Affoltern. Die meisten sind im stadteigenen Heim Seewadel untergebracht. Die anderen in einem privaten Pflegeheim und auch im Sonnenberg. Wir wollen aber auch in Zukunft jeder pflegebedürftigen Einwohnerin und jedem Einwohner behilflich sein, eine ideale Lösung zu finden, sei es mit der Spitex oder in der näheren Umgebung.

Was geschieht, wenn die Bevölkerung von Affoltern am 19. Mai trotzdem für ihr Akutspital und ihr Pflegezentrum Sonnenberg stimmt?

Wir sehen es als unsere Pflicht an, die Bevölkerung auf die Risiken hinzuweisen. Sollte Affoltern trotzdem für den Erhalt von Spital und Pflegezentrum stimmen, müssten wir die Lage neu analysieren. Ganz sicher müssten wir das Budget in anderen Bereichen kürzen. Und wir werden wohl relativ schnell eine Steuerfusserhöhung beantragen müssen.

Affoltern hat mit 124 Prozent schon heute einen höheren Steuerfuss als die Stadt Zürich.

Ja, nur wenige Gemeinden müssen mehr verlangen als wir. Ein Steuerprozent in Affoltern entspricht gegenwärtig rund 200'000 Franken. Allein die Verzinsung des Fremdkapitals für die geplanten Neubauten würde wohl in die Millionen gehen. Da können Sie selber ausrechnen, welche finanziellen Belastungen auf unsere Gemeinde zukommen werden.

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