Stadelhofen-Klage: Wie die Chancen für Calatrava stehen

Der Zürcher Stararchitekt könnte wegen des Urherberrechts dagegen klagen, dass er «seinen» Bahnhof nicht erweitern darf.

Hier würde der Umbau einiges verändern: Blick in die unterirdische Ladenpassage. Archivbild: TA

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Die Erweiterung des Bahnhofs Stadelhofen soll nicht von Santiago Calatrava durchgeführt werden. Der spanisch-schweizerische Stararchitekt und sein Zürcher Büro haben bereits nach Veröffentlichung des Projektwettbewerbs das Bundesverwaltungsgericht angerufen. Die Wettbewerbsvorgaben der SBB hätten «einen unweigerlich entstellenden Charakter» auf das bestehende Bauwerk. Calatravas «unübertragbare und unverzichtbare Urheberpersönlichkeitsrechte» würden verletzt.

Diese Beschwerde wurde später zurückgezogen, aber Calatravas Anwalt kündigte an, dass das Projekt eines Alternativteams genau geprüft würde, sollte der Stararchitekt nicht den Zuschlag bekommen. Falls ein solches Projekt umfangreich in den bestehenden Bau eingreifen würde, «würde das Urheberrecht verletzt.» Ob es nun, nach dem Wettbewerbsentscheid, zu einem Gerichtsverfahren kommt, ist offen. Sowohl das Büro Calatravas als auch der Anwalt, Felix Hollinger, wollten sich gestern Dienstag nicht dazu äussern (lesen Sie hier, wie der Bahnhof Stadelhofen umgebaut werden soll).

Stadelhofen steht unter Denkmalschutz

Wie steht es um das Argument mit dem Urheberrecht? Fest steht, dass dieses auch für Immobilien gilt, wenn es sich um sogenannte Werke der Baukunst handelt. Dass der Bahnhof Stadelhofen bereits heute unter Denkmalschutz steht, spricht für ein Werk der Baukunst. Ein Werk ist laut Bundesgericht schutzwürdig, wenn es «den Stempel der Persönlichkeit seines Urhebers trägt, unverkennbar charakteristische Züge aufweist und sich von Darstellungen der gleichen Werkgattung deutlich unterscheidet».

Wurde mit dem Bahnhof Stadelhofen berühmt: Architekt Santiago Calatrava. Bild: Esther Michel

Das Urheberrecht sagt aber auch: «Ausgeführte Werke der Baukunst dürfen vom Eigentümer geändert werden.» Gerade bei Werken, die für einen bestimmten Gebrauchszweck geschaffen wurden, muss der Urheber laut Bundesgericht aber wissen, «dass das Bauwerk auf Dauer angelegt und daher mitbestimmt ist, allenfalls geänderte oder erweiterte Bedürfnisse des Eigentümers, die sich während der Nutzungsdauer einstellen können zu befriedigen».

Ab wann ein Werk entstellt ist

Das Urheberrecht setzt dem Eigentümer aber Grenzen. Denn der Urheber des Werks kann sich «jeder Entstellung des Werk widersetzen, die ihn in der Persönlichkeit verletzt». Dazu muss es sich laut Bundesgericht aber um eine «grobe Entstellung» handeln, «eine als Verstümmelung in Erscheinung tretende Veränderung, eine einschneidende Verletzung der Persönlichkeit des Urhebers».

Mit der Frage hatte sich das höchste Gericht des Landes im Zusammenhang mit dem Ausbau der ETH auf dem Hönggerberg zu befassen. Architekt Albert H. Steiner, der in den Jahren 1964 bis 1973 die 1. Etappe realisiert hatte, klagte, die ersten beiden Phasen der 3. Ausbauetappe verletzten sein Urheberrecht. Das Bundesgericht konnte Steiners Sicht nicht bestätigen, dass das Projekt «Elementar» sein eigenes Werk derart verstümmele und entstelle, dass seine Ehre schwer verletzt sei.

Erstellt: 20.11.2019, 08:52 Uhr

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