Wo der Kanton Zürich am Strassennetz baut

Nach jahrelanger Blockade sieht es für manche Strassenprojekte nun endlich besser aus. Ein Überblick über die Bauvorhaben.

Viele Zürcher Strassenbauprojekte liegen auf Eis. Am Gubrist hingegen wird eifrig für die dritte Tunnelröhre gebohrt.

Viele Zürcher Strassenbauprojekte liegen auf Eis. Am Gubrist hingegen wird eifrig für die dritte Tunnelröhre gebohrt. Bild: Keystone

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Autofahrer haben vor allem im Sommer das Gefühl, die Bauerei auf den Strassen sei uferlos. Doch sie täuschen sich. Oder sehen es zu einseitig. Denn während der Unterhalt boomt, verzögern sich neue Strassenprojekte zum Teil um Jahrzehnte. Beispiele sind die Oberlandautobahn oder die Umfahrung von Eglisau. Gerade in den letzten Jahren war eine richtige Blockade festzustellen. Gründe waren Rekurse, Pirouetten bei der Planung oder Gerichtsentscheide.

Die Knoten scheinen sich etwas zu lösen, wie dem kürzlich vom Regierungsrat publizierten Bauprogramm für Staatsstrassen 2019–2021 zu entnehmen ist. Das kantonale Amt für Verkehr bestätigt: «Im Vergleich zu den vergangenen Jahren ist grundsätzlich eine tolerantere Haltung gegenüber Strassenbauprojekten feststellbar», sagt Sprecher Markus Gerber. Was bedeutet das konkret?

Hier wird gebaut

Gebaut wird derzeit vor allem nördlich des Gubristtunnels und im Limmattal. Die Nordumfahrung wird auf sechs Spuren vergrössert, für die dritte Tunnelröhre wird bereits gebohrt. Zudem ist endlich alles klar mit dem Südportal bei Weiningen, das eine Überdeckung erhält. Im Raum Dietikon/Schlieren wiederum wird die Autoroute von der Badener-/Zürcherstrasse auf die neue Achse Bern-/Überlandstrasse verlagert, um die Stadtzentren zu entlasten und Platz für die Limmattalbahn zu schaffen.

Zumindest Vorarbeiten sind auf der Autobahn zwischen Winterthur und der Verzweigung Zürich-Ost sowie in Schwamendingen im Gange. Auf der A1 wird die Nutzung des Pannenstreifens als Fahrspur Entlastung bringen, bis zwei Zusatzspuren definitiv gebaut werden. Letzteres wird allerdings kaum vor 2035 der Fall sein. Die Einhausung der Ausfallachse in Zürich-Nord hingegen sollte bis 2024 fertig sein.

Wo die Strassen ausgebaut werden: Karte zum Vergrössern anklicken (Bild: Kanton Zürich)

Deblockiert ist die Situation im Zentrum Dietlikon Süd, wo rund um den Jumbo und die Ikea oft ein Verkehrschaos herrscht. Nachdem das Verwaltungsgericht diverse Beschwerden abgelehnt hat, kann ab Frühling 2019 das neue Regime mit Einbahnstrasse und Busspur eingerichtet werden.

Befreiungsschlag für heikle Umfahrungen?

Konkreter geworden ist die Miniautobahn im Bülacher Hardwald. Der Ausbau der Schaffhauserstrasse auf vier Spuren könnte ab Ende 2020 realisiert werden, was aber noch mit Unsicherheiten behaftet ist. Frühestens 2025 sollte die A4 zwischen Kleinandelfingen und Winterthur-Nord auf vier Spuren ausgebaut sein – wenn eine Lösung mit den Lärmschutzwänden gefunden wird.

Nun zu den Evergreens. Die 40-jährige Geschichte des Projekts Lückenschliessung der Oberlandautobahn wird sicher noch ein paar Kapitel hergeben. Noch nie aber war man so weit wie heute: Die Linienführung ist bereinigt, und es ist klar, dass vor allem Tunnels gebaut werden. Der Kanton ist bestrebt, dem Bund 2020 ein möglichst fortgeschrittenes Vorhaben zu übergeben. Nun finden Sondierbohrungen statt, um mehr über das Grundwasser in der Gegend zu erfahren.

Die grossen Umfahrungsprojekte sind unterschiedlich weit. Die Westtangente, um Wetzikon vom Durchgangsverkehr zu entlasten, muss noch vom Bundesgericht beurteilt werden – wie bei der Oberlandautobahn ist auch hier der Moorschutz ein Thema. Für die landschaftlich heikle Umfahrung des Grüninger «Stedtli» wiederum ist ein Befreiungsschlag gelungen. Stararchitekt Santiago Calatrava hat eine kurze und elegante Brücke entworfen, die das Aabachtobel etwas tiefer als bisher geplant überqueren würde. Die Idee könnte auch als Vorbild dienen für die Umfahrung von Eglisau, wo die Situation seit Jahren verkachelt ist. In den Startblöcken ist der Kanton bei der Umfahrung von Ottenbach und Obfelden. Der 2012 vom Volk genehmigte A4-Zubringer ist aber noch durch zwei von ursprünglich fünf Beschwerden blockiert.

406 statt 211 Millionen

Eine ganz grosse (und ebenfalls alte) Kiste wird bald im Kantonsrat zu reden geben. Das Tunnel- und Tramprojekt am Zürcher Rosengarten ist von den vorberatenden Kommissionen gutgeheissen und um 70 auf 1100 Millionen Franken verteuert worden. Das letzte Wort wird hier wohl das Volk haben.

Weniger zu reden geben andere Projekte, die aber trotz bedeutend niedrigeren Kosten viel zur Verflüssigung des Verkehrs beitragen können. «Regionale Verkehrssteuerung» lautet das Zauberwort. Gerade im Limmattal und im Glattal soll mit ausgeklügelten Steuerungen von Ampeln sowie Busbeschleunigungen dafür gesorgt werden, dass die bestehende Infrastruktur besser ausgenutzt wird. Kostenpunkt: 29 Millionen für 34 Massnahmen.

Insgesamt will der Kanton in den Jahren 2019 bis 2021 406 Millionen für den Strassenbau ausgeben. Die hohe Investitionssumme ist Ausdruck der Erwartung, dass vieles realisiert werden kann. Vor einem Jahr budgetierte der Regierungsrat noch 211 Millionen für die Jahre 2018 bis 2020.

Erstellt: 23.10.2018, 18:31 Uhr

Uferweg am Zürichsee kommt sehr harzig voran

Blockiert waren in den letzten Jahren nicht nur Strassenbauprojekte. Auch der Zürichsee-Uferweg, für den jährlich 6 Millionen Franken gesetzlich gesichert sind, kommt nicht voran. Eigentlich war 2016 ein Gegenvorschlag zur Initiative «Zürisee für alli» verabschiedet worden, worauf die Volksinitiative zurückgezogen wurde. Doch dann kam es zu einem Hin und Her wegen möglicher Enteignungen. Das Bundesgericht musste den Kantonsrat zurückpfeifen, der zu eigentümerfreundlich legiferiert hatte.
Jedenfalls ist bis anhin kein zusätzlicher Meter Seeuferweg verwirklicht worden. Am weitesten ist ein Projekt in Wädenswil. Der Abschnitt zwischen dem Seeplatz und der Halbinsel Giessen soll auf einem festen Steg auf Pfählen realisiert werden. Doch das Vorhaben soll mit einem lokalen Hafenprojekt koordiniert werden, zudem muss die Stadt noch ihren 20-prozentigen Anteil an der Finanzierung beschliessen.
Andere Projekte sind nicht bekannt. Allenfalls könnte sich im Raum Stäfa etwas tun. (pu)

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