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Wohnen in einem 2,60-Meter-Würfel

In Erlenbach, hoch über dem Zürichsee, steht ein Haus, das so klein ist, wie es nur geht. Und trotzdem irgendwie luxuriös.

Vom Architekten selbst als Büro genutzt: Eines von 15 bisher ausgelieferten Micro Compact Homes steht in einem Garten in Erlenbach.
Vom Architekten selbst als Büro genutzt: Eines von 15 bisher ausgelieferten Micro Compact Homes steht in einem Garten in Erlenbach.
PD
Das Kompakthaus in Erlenbach im Sommer.
Das Kompakthaus in Erlenbach im Sommer.
PD
Hier haben der Architekt und seine Studenten während Jahren gelebt: Mikrohaus-Siedlung in München.
Hier haben der Architekt und seine Studenten während Jahren gelebt: Mikrohaus-Siedlung in München.
PD
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Was wäre, wenn Apple statt des iPhone ein Haus entwickelt hätte? Ein durchgestyltes Konsumprodukt, maximale Funktionalität auf minimalem Raum. Einfach auspacken und einstecken. Zudem sieht es verführerisch aus und verspricht, dein Leben zu verändern.

Ein solches Haus steht in Erlenbach, hoch über dem Zürichsee. Ein bronzefarbener Würfel von nur 2,60 Metern Seitenlänge. Nur ist es nicht von Apple. Entwickelt hat dieses «Micro Compact Home» der englische Architekt Richard Horden mithilfe von 200 Studenten aus aller Welt.

Ein Jux ist das nicht, das Haus ist serienreif: Für 100'000 Franken wird es per LKW geliefert und auf einen Stahlrahmen gehievt, sofort bezugsbereit. Eine Mietwohnung auf Zeit für Studenten oder Geschäftsleute, die meist bei der Arbeit sind oder beim Sport, hochmobil, mit Laptop und Handy als einzigem Besitz. Eine Zelle für die weltlichen Wandermönche des globalen Digitalzeitalters.

Inspiriert von Auto- und Flugzeugbau

Meist leben Architekten von den verschwenderischen Raumwünschen ihrer Kunden und von dem, was Horden «Lippenstift» nennt: schöne Form als Selbstzweck. Beim Kompakthaus setzte er anders an. Er orientierte sich an modernster Technik aus Auto- und Flugzeugbau, übernahm die Farbgebung von Cockpits, die Lichtführung von Flugzeugkabinen. Er analysierte das japanische Teehaus, das ohne Stühle auskommt. Vertraute auf den Goldenen Schnitt, der dem Auge seit der Antike schmeichelt. Und verdichtete all das in einem Würfel. Das ergab unorthodoxe Lösungen: Man betritt das Haus durch die Nasszelle, setzt sich unters Bett in eine Kuhle an den Tisch. Und hat doch ein Gefühl von Luxus.

Das Eigenheim en miniature, umgeben von etwas Grün, ist ein alternativer Zukunftsentwurf zu Verdichtung und kollektivem Wohnen. Horden der es jahrelang testete, sagt, sein Leben habe sich dabei gewandelt. Den Konsum reduziert, den Geist fokussiert. Die Metamorphose des Menschen mittels des Hauses – ein alter Architektentraum.

Das logische Pendant zum Smartphone

Im Prinzip wäre das Mikrohaus das logische Komplementärprodukt zum Smartphone. Das eine dehnt die Sinne aus auf die Welt, macht uns vom Ort des Körpers unabhängig. Das andere zurrt das traute Heim zusammen, verbannt allen Ramsch, mit dem wir uns umgeben, um uns vorzutäuschen, einen festen Platz im Universum zu haben. Es bleibt eine Designer-Wohnmaschine für basale Körperfunktionen. Und ein Fahnenmast auf dem Dach, der sagt: Hier bin ich. «Lippenstift», wie Horden gesteht.

Diese Zürcher Häusergeschichte ist eine von über sechzig, die im Rahmen der TA-Kolumne «Bauzone» bereits erschienen sind. Jeden Donnerstag kommt eine dazu. Eine vollständige Übersicht mit allen Texten finden Sie hier auf der interaktiven Karte.

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