Ziviler Fliegerei in Dübendorf droht lange Verzögerung

Der Bund hat festgestellt: Etliche Grundstücke in der Nähe des Flugplatzes würden so tief überflogen, dass die Rechte der Anwohner verletzt wären.

Parkierte Privatflugzeuge in Dübendorf während des WEF. Bild: Heinz Diener

Parkierte Privatflugzeuge in Dübendorf während des WEF. Bild: Heinz Diener

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Es mutet ein wenig kurios an. Jahrelang donnerten Militärjets über die Häuser der Anwohner am Flugplatz Dübendorf, ohne dass sich die Besitzer der betroffenen Liegenschaften hätten wehren können. Der Business-Flugverkehr, der in Zukunft dort geplant ist, ist deutlich leiser – und doch sind die rechtlichen Hürden nun so hoch, dass sich die Zivilfliegerei um Jahre verzögern könnte. Das zeigt ein Rechtsgutachten, das Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) in Auftrag gegeben hat, und das nun vorliegt.

Der Grund: Für zivile Flugplätze gelten andere Rechtsgrundlagen. Überfliegen die Maschinen die Grundstücke in niedriger Höhe, so verletzen sie die Eigentumsrechte der Besitzer. Als der Bundesrat im Jahr 2014 der Flugplatz Dübendorf AG die Betriebsbewilligung für die zivile Fliegerei erteilt hatte, ging er noch davon aus, dass die Überflüge hoch genug erfolgen. Inzwischen hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt diese Einschätzung aber korrigiert.

Zwei Lösungen – beide kosten Zeit

Um trotzdem fliegen zu können, sind zwei Wege denkbar. Entweder handelt die Flugplatz Dübendorf AG mit jedem betroffenen Liegenschaftenbesitzer eine Vereinbarung aus. Oder der Bund erteilt der Flugplatz Dübendorf AG eine Konzession. Damit erhielte die AG das Recht, die Anwohner formell zu enteignen, sprich: gegen eine Entschädigung das Überflugsrecht durchzusetzen. Bisher verfügt die AG nur über eine Betriebsbewilligung, und die berechtigt nicht dazu, Enteignungsverfahren zu führen.

So oder so, beide Wege führen ziemlich sicher zu einer längeren Verzögerung. Und ohne Konzession wäre es durchaus möglich, dass ein einzelner Anwohner den Flugplatz blockiert.

Wird der Flughafen zu stark tangiert?

Die Überflüge sind aber nicht das einzige Problem. Das geht aus einer Medienmitteilung von Sommarugas Departement, dem Uvek, hervor. Auch die Koordination des Flugverkehrs mit dem Flughafen Zürich ist schwieriger als erwartet, weil sich die Lufträume von Dübendorf und Zürich überlappen.

Das Uvek will nun eine weitere Studie in Auftrag geben, welche die Grundsatzfrage klären soll, ob der geplante Flugbetrieb in Dübendorf überhaupt möglich ist, ohne die Kapazitäten in Zürich zu verringern. Denn eines ist klar: Der Flughafen Zürich hat Priorität.

Der Innovationspark ist nach Angaben aus Bern nicht gefährdet. Der Kanton Zürich teilte mit, die Arbeiten daran liefen wie geplant weiter.

Erstellt: 28.11.2019, 10:22 Uhr

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