Scheitert das neue Gymi am linken Zürichseeufer?

Eigentlich sollen einst 1000 Schüler in die Kanti Zimmerberg gehen. Doch alles hängt nun vom Wädenswiler Stimmvolk ab.

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Zu gross und gleichzeitig zu klein. Das ist die scheinbar widersprüchliche Argumentation der Gegner des privaten Gestaltungsplans für das Projekt Au-Park in Wädenswil. Zu gross und vor allem zu dicht geraten ist in ihren Augen der Wohn- und Gewerbeteil des Vorhabens und zu klein der Schulteil. Ein perfekter Kompromiss ist es, der Platz für 1500 Schüler, 250 Wohnungen, einen Park und Läden schafft, sagen hingegen die Befürworter.

Doch von vorn: Bekanntlich steigt die Zahl der Mittelschülerinnen und -schüler stark. Deshalb hat der Kanton zwei neue Mittelschulen lanciert, eine am rechten Zürichseeufer und eine am linken. Die Kanti Uetikon ist als Provisorium mit inzwischen 240 Schülern bereits seit über einem Jahr mitten im Dorf in Betrieb. Die definitive Schule kommt direkt an den See – dort, wo einst die Chemie Uetikon produzierte.

20-Millionen-Deal mit Ebner

Auf der anderen Seeseite ist man noch nicht so weit. Der Start des provisorischen Betriebs erfolgt mit 100 Schülern im nächsten August im Stadtteil Au von Wädenswil. Der Kanton hat sich in einem früheren Industriegebäude weit über dem See gleich neben der berühmten Fischer Bettwarenfabrik eingemietet. Es wird damit gerechnet, dass die Maximalkapazität von 500 Schülern im Jahr 2025 erreicht wird.

Das Provisorium für bis zu 500 Schülerinnen und Schüler am Berg von Au/Wädenswil entsteht in einem alten Gewerbegebäude. Foto: Michael Trost

Das neue Schulhaus soll weiter unten, an der Seestrasse entstehen – genau gegenüber Uetikon und je 250 Meter vom S-Bahnhof Au und vom See entfernt. Auf dem riesigen Gelände arbeiteten einst 2000 Menschen für die Telekombranche, heute ist das Au-Center ziemlich verwaist. Der Boden gehört der Intershop AG von Financier Martin Ebner. Er hat 11'000 Quadratmeter für 19,8 Millionen Franken an den Kanton verkauft für die Kanti Zimmerberg.

Offen für Bevölkerung

Sie wird für 1000 Schüler gebaut – mit einer Reserve für weitere 500 Schüler. Ein 4000-Quadratmeter-Park mit Spielplatz, die Aula, die Mensa und Cafeteria sowie zwei Turnhallen werden für die Bevölkerung und die Vereine geöffnet.

Fast leer, wo früher 2000 Menschen arbeiteten: Das Au-Center an der Seestrasse soll abgerissen werden. Foto: Pascal Unternährer

Bezugsjahr soll 2028 sein, im selben Jahr wie der Neubau in Uetikon. Der Kanton rechnet aufgrund der Prognosen damit, dass im Jahr 2033 900 Schüler die Kanti Zimmerberg besuchen. Heute pendeln 1600 Schüler aus dem Bezirk Horgen in die Mittelschulen in Zürich und 40 nach Pfäffikon SZ.

Bauherr reagierte auf Kritik

Auf dem Rest der jetzigen Gewerbefläche will Intershop Wohnungen bauen, Läden ansiedeln und einen Park sowie einen Garten einrichten. Dafür hat Intershop in Abstimmung mit dem Kanton und der Stadt Wädenswil einen Gestaltungsplan entworfen. Zuerst plante man mit einer Maximalhöhe von 30 Metern und einer Ausnützungsziffer von 140 Prozent. Das bedeutet, dass recht hoch und dicht gebaut wird.

Weil es während des Auflageverfahrens Kritik hagelte und aus Anwohnerkreisen gar eine Gegen-Volksinitiative angedroht wurde, gingen die Bauherren und die Stadt über die Bücher. Nun ist eine Höhe von maximal 25 Metern festgelegt, wobei nur 23 Meter ausgeschöpft werden. Und die Ausnützung wurde leicht auf 133 Prozent gesenkt. Zudem kippte die Stadt einen Richtplaneintrag, wonach die Gegend zur Hochhauszone werden sollte.

20 Millionen Gewinn durch Umzonung

Ein weiterer Deal sollte die Gegnerschaft besänftigen. So wurde der Anteil günstiger Wohnungen von ursprünglich 12,5 auf 20 Prozent erhöht, also auf rund 50 der 250 Wohnungen. Bezahlt wird der Mietzinsabschlag mit der Mehrwertabgabe in der Höhe von 5 Millionen. Das sind 25 Prozent des errechneten 20-Millionen-Gewinns durch die Umzonung des Gebiets von einer Industrie- zu einer Mischzone Wohnen/Gewerbe. Die 50 Wohnungen sollen an einen gemeinnützigen Wohnbauträger gehen, welcher für eine 100-Quadratmeter-Wohnung maximal 2080 Franken im Monat verlangen darf.

Rechts die Schule, links Läden und Wohnungen: Das Au-Park-Projekt. Visualisierung: PD

Der Kantonsrat hatte 2018 einstimmig den Grundsatzentscheid gefällt, in Wädenswil eine Mittelschule zu bauen. Letzten Juli genehmigte das Wädenswiler Parlament den Gestaltungsplan mit 21:7 Stimmen. Doch die Grünen und die GLP ergriffen das Behördenreferendum, weshalb das lokale Stimmvolk am 17. November zum Zug kommt.

Was geschieht bei einem Nein?

Im Abstimmungskampf engagieren sich der Stadtrat und alle Parteien abgesehen von den Grünen und Grünliberalen für den Au-Park. Dieser sei quartierverträglich und bringe der Au Mehrwert und Ausstrahlung. Die Gegner, die vor allem in der Nachbarschaft zuhause sind, betonen, dass sie nicht gegen die Kanti sind. Doch das Projekt erinnere an die Europaallee, sei «masslos», die Schule «mickrig» und der Gewinn für die Intershop «maximal». Sie fordern einen redimensionierten Gestaltungsplan.

«Dann beginnen wir
wieder bei Null.»
Hans Jörg Höhener
Kantonale Bildungsdirektion

Was aber geschieht im Fall der Ablehnung an der Urne? «Dann beginnen wir wieder bei Null», sagt Hans Jörg Höhener, stellvertretender Chef des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamts. Der Vertrag des Kantons mit der Intershop sei dann hinfällig, sagt er. Mit anderen Worten: Ebners Firma kann mit dem Areal wieder machen, was sie will. Ist sie bereit, erneut mit dem Kanton in Verhandlung zu treten und einen neuen Gestaltungsplan zu entwerfen, werde es fünf bis zehn Jahre dauern, bis ein neues Projekt steht. Der Kanton könnte aber auch einen anderen Standort suchen. Wird Horgen wieder aktuell, das bis zum Schluss im Rennen war? «Horgen ist keine Rückfallposition», stellt Höhener klar.

Erstellt: 05.11.2019, 22:48 Uhr

«Diese Zahlen sind falsch»

In einem Leserbrief in der Zürichsee-Zeitung behauptet Julia Gerber Rüegg, aus der SP ausgetretene Ex-Kantonsrätin, dass in der Kantonsschule Zimmerberg mit 7 Quadratmetern pro Schüler gerechnet werde. Als Vergleichszahlen führt sie 33 Quadratmeter in der Kanti Freudenberg und 32 Quadratmeter in der geplanten Kanti Uetikon an. Hans Jörg Höhener von der Bildungsdirektion widerspricht: «Diese Zahlen sind falsch.» Das bestellte Raumprogramm für die Kantonsschulen Zimmerberg und Uetikon sei dasselbe und vergleichbar mit jenem der Kantis Wiedikon, Stadelhofen, Hohe Promenade und Hottingen in Zürich sowie Büelrain in Winterthur. Auf eine Quadratmeterzahl kann er sich nicht festlegen, da die Bauprojekte noch nicht detailliert ausgearbeitet sind. Höhener räumt aber ein, dass der Platz in Schulhäusern wie das Freudenberg oder Rämibühl, welche in den 1960er-Jahren gebaut wurden, grosszügiger bemessen wurde. (pu)

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