Zürcher Firmen von falschem CEO abgezockt

Die Zahl der Betrugsfälle in der Region Zürich ist stark angestiegen. Die grosse Schwachstelle in Unternehmen: die eigenen Mitarbeiter.

Schaden von 25,7 Millionen Franken: Die Kantonspolizei Zürich muss sich mit immer mehr Fällen von Wirtschaftskriminalität befassen.

Schaden von 25,7 Millionen Franken: Die Kantonspolizei Zürich muss sich mit immer mehr Fällen von Wirtschaftskriminalität befassen. Bild: Dominique Meienberg

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Die Finanzbuchhaltung einer Firma erhält eine E-Mail vom CEO. Darin bittet er sie, einen Betrag auf ein Konto einzuzahlen. Es sei dringend und geheim. Die Angestellten vertrauen ihrem vermeintlichen Vorgesetzten, zahlen – und schon ist das Geld in den Händen von Kriminellen.

«CEO Fraud» nennt sich diese Masche. Und sie ist eine von vielen Betrugsvariationen, mit denen die Abteilung Wirtschaftskriminalität konfrontiert ist. Jährlich gibt es mehr Betrugsfälle, sagt Andrea Höhener, die zuständige Abteilungsleiterin der Kantonspolizei Zürich. 2014 waren es noch 2400 Delikte, 2017 schon 3300, und für 2018 sei im Kanton Zürich mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. Da viele Fälle nicht angezeigt werden, ist die Dunkelziffer gross.

Viele Unternehmen gehen nicht auf die Polizei zu, weil sie einen Reputationsverlust fürchten. «Es ist wichtig, dass sie eine Anzeige machen», sagt Andrea Höhener. Nur so könne die Kantonspolizei Zürich gegen die Täter vorgehen und wenn möglich Geld zurückerstatten. Diskretion sei das oberstes Gebot der Abteilung. «Wir kommen angemeldet und nicht in Uniform», sagt Höhener.

Um Betrugsfälle zu vermeiden, müsse ausserdem eine offene Unternehmenskultur herrschen. Sonst trauen sich Mitarbeitende nicht, beim CEO nachzufragen, ob sie ihm Geld wirklich überweisen sollen.

Täter sind oft Mitarbeitende

Bei Betrugsfällen bauen die Täter ein Lügengebäude auf, um an Geld zu kommen. «Digital ist das einfacher und anonymer, deshalb gibt es immer mehr Delikte», sagt Höhener. Die grösste Gefahr für die Unternehmen sind die eigenen Mitarbeitenden. Sie nützen schwache interne Kontrollen und das hohe Vertrauen aus. «Eher Kaderleute als Schalterangestellte sind die Täter», sagt Höhener. Beim «CEO Fraud» geht die Abteilung Wirtschaftskriminalität von einer Täterschaft in Afrika aus.

2018 hat es auch mehr Fälle von Geldwäscherei gegeben. Die Banken seien mittlerweile stark reguliert. Aber die Verbrecher finden andere Wege. So werde das Geld beispielsweise mit Kryptowährungen gewaschen. Das Beratungsunternehmen KPMG, das gestern eine Statistik zur Wirtschaftskriminalität veröffentlicht hat, bezifferte den gesamten Schaden in der Region Zürich für 2018 auf 25,7 Millionen.

Die neuen Technologien helfen nicht nur den Betrügern, sondern auch den Ermittlern. Die 53 Mitarbeitenden der Abteilung Wirtschaftskriminalität können die riesigen Datenmengen an Beweismaterial mit Tools effizient analysieren. Aus vielen E-Mails generieren die Systeme rasch ein Beziehungsnetz. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.02.2019, 17:14 Uhr

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