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Zürcher Kantonsrat will Schulpflegen entlasten

In grösseren Gemeinden stossen Schulpflegen an ihre Grenzen. Eine neue Hierarchiestufe an der Spitze der Schulen soll sie nun vom Stress befreien.

Sie versinken hinter einem Berg von Arbeit. Nun will der Kantonsrat Schulpflegen, Schulleiter und Verwaltungen entlasten.
Sie versinken hinter einem Berg von Arbeit. Nun will der Kantonsrat Schulpflegen, Schulleiter und Verwaltungen entlasten.
Johanna Bossart

Bildungsdirektorin Silvia Steiner kann mit diesem Montagmorgen zufrieden sein. Sie hat eine umstrittene Schulreform durch den Zürcher Kantonsrat gebracht. Das Parlament hat zwar an ihrem Vorschlag herumgekrittelt, ihn abgeändert, aber nur, um ihn am Schluss mit 147:27 Stimmen in eine weitere Runde zu schicken.

Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) kämpfte dafür, dass die Gemeinden in der Frage der Schulorganisation noch mehr Autonomie haben sollten. Bild: Marc Dahinden
Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) kämpfte dafür, dass die Gemeinden in der Frage der Schulorganisation noch mehr Autonomie haben sollten. Bild: Marc Dahinden

Mit der entsprechenden Gesetzesänderung erhalten die mittelgrossen bis grossen Gemeinden künftig die Möglichkeit, eine neue Hierarchiestufe im Schulsystem zu schaffen. Es soll eine Art Geschäftsleitung sein, die zwischen den Schulleitern und den Schulpflegen steht. Sie wird «Leitung Bildung» heissen und die Schulpflegen und -verwaltungen entlasten, ihnen als Dienstleister zur Seite stehen.

Lockere Zeiten vorbei

Die Schulpflegen haben je nach Grösse der Gemeinde inzwischen derart viel zu tun, dass sie häufig an ihre Grenzen stossen. Das bekräftigten in der Debatte am Montagmorgen verschiedene Kantonsrätinnen und Kantonsräte.

Hanspeter Hugentobler (EVP) aus Pfäffikon strich die Arbeitsbedingungen besonders hervor und gab sich gleich als befangen aus. Er ist selbst Schulpräsident und steht dem Verband der Zürcher Schulpräsidien vor. Er sagte: «Die Aufgabenlast der Schulpflegen hat massiv zugenommen.» Längst sei die Zeit vorbei, in der man die wichtigsten Traktanden einer Sitzung innert Minuten durchgearbeitet und die restliche Zeit mit fröhlichem Singen und Gitarrespielen verbracht habe.

Die Arbeitssituation für die Schulpflegerinnen und Schulpfleger hat auch die SVP davon überzeugt, dass eine neue Stelle notwendig ist. Allerdings mehr zähneknirschend als freudig, da sich die Volkspartei gegen mehr Bürokratie und die wachsende Verwaltung wehrt.

Kritisierte «Verwaltungsaufblähung»

Grundsätzlich entspreche der Vorschlag der Regierung einer reinen Verwaltungsaufblähung, sagte Rochus Burtscher aus Dietikon. Doch die Schulpfleger, die vom Volk gewählt werden und ihr Amt nicht hauptberuflich ausüben, sollten nicht übermässig belastet werden. Burtscher warnte jedoch, es bestehe die Gefahr, dass sich die neuen Leiter Bildung «Königreiche» aufbauen könnten.

Grundsätzlich dagegen sind nur die Grünen und die AL. Beide Parteien wollten auf den Vorschlag der Regierung schon gar nicht eingehen. Die Grüne Karin Fehr aus Uster nannte die wichtigsten Gründe: Mit der neuen Leitung werde der Einfluss der vom Volk gewählten Schulpflegen verkleinert, die neue Stelle bedeute in erster Linie mehr Hierarchie und mehr Bürokratie.

Nur für Gemeinden ab drei Schulen

Am umstrittensten war die Frage, ob alle Gemeinden eine Hierarchiestufe einführen dürfen – zumal sie diese selbst berappen müssen. Bildungsdirektorin Steiner findet Ja, damit die Gemeinde eine grösstmögliche Autonomie geniesse.

Doch der Kantonsrat hatte eine andere Meinung. Er beschloss, dass eine Gemeinde mindestens drei Schulen haben muss, wenn sie diese neue Stelle schaffen will. Ansonsten würde zwischen reichen und armen Orten eine Ungleichheit entstehen, die reichen würden sich allenfalls eher eine Leitung Bildung leisten, auch wenn sie klein sind.

Nur die FDP, die EVP und die CVP stimmten in dieser Frage mit Bildungsdirektorin Steiner. So oder so wird bald jede grössere Gemeinde selbst darüber entscheiden können, ob sie ihr Schulsystem dieser Organisationsreform unterziehen will. Und falls ja, muss sie dafür noch ihr eigenes Stimmvolk fragen.

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