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Zürcher Rettungsaktion für tonnenweise Biokartoffeln

Grosshändler verschmähen 23 Tonnen geniessbare «Härdöpfel» aus Küttigkofen. Nun sind sie in Zürich trotzdem der Renner.

Gute oder schlechte Kartoffel? Der Entscheid beruht häufig auf einem winzigen Detail.
Gute oder schlechte Kartoffel? Der Entscheid beruht häufig auf einem winzigen Detail.
Gaëtan Bally, Keystone

Es ist eine spezielle Fracht, die am Wochenende aus dem Solothurnischen nach Zürich kommt: Der Biobetrieb Küttigkofen liefert mit Bus und Anhänger drei Tonnen Kartoffeln in den Quartierhof Wynegg, oberhalb des Seefelds. Dort werden geschätzte 200 Zürcher Käuferinnen und Käufer ihre bestellte Ware abholen.

Die Fahrt aus Solothurn gehört zur Rettungsaktion von 23 Tonnen Biokartoffeln. Diese stammen von der jüngsten Ernte von Claudia und Matthias Zimmermann-Hildbrand. Ursprünglich hätten die Kartoffeln an den Auftraggeber Fenaco gehen sollen, der als Zwischenhändler unter anderem Coop und Migros mit Lebensmitteln beliefert. Doch Fenaco hat die 23 Tonnen abgelehnt – wegen fast unsichtbarer Mängel, zum Beispiel kleinen, leeren Löchern von Käferlarven.

Nach der Absage von Fenaco hätten die Kartoffeln üblicherweise als Kuhfutter geendet. Doch die Biolandwirte mochten die Lebensmittel nicht einfach so vernichten. Bäuerin Claudia Zimmermann-Hildbrand sagt: «Es tat uns weh. Vor allem, weil ein Grossteil davon einwandfrei ist.»

Innert Kürze 10 Tonnen verkauft

Die zündende Idee hatte die Praktikantin des Hofs: Sie schaltete Anfang Monat über Facebook einen Aufruf, man könne die Biokartoffeln für 1.50 Franken pro Kilogramm direkt beim Hof beziehen. Der Post verbreitete sich schnell, die Nachfrage war immens, die Reaktionen positiv, wie Claudia Zimmermann-Hildebrand erzählt. «Die meisten fanden es unglaublich, welche Lebensmittel da verfüttert werden sollten.» Inzwischen hat die Familie bereits 10 der 23 Tonnen Kartoffeln verkauft.

Vom Zwischenhändler abgelehnt: Kartoffeln aus Küttigkofen. Bild: Ian Rothwell
Vom Zwischenhändler abgelehnt: Kartoffeln aus Küttigkofen. Bild: Ian Rothwell

Dass die Bauern drei Tonnen nach Zürich liefern können, verdanken sie dem jungen Zürcher Verein Pura Verdura. Präsident Ian Rothwell hat vom Direktverkauf und dessen Gründen erfahren und war «empört über diesen Food Waste». Er organisierte über seine Mitglieder eine Sammelaktion für eine Lieferung nach Zürich und dachte: «Es wäre toll, wenn wir Bestellungen für 800 Kilogramm zusammenbekämen.»

Von der Nachfrage überwältigt

Die Rückmeldungen waren überwältigend: Innert Tagen gingen bei Pura Verdura 220 Bestellungen für drei Tonnen ein. Familien bestellten 25-Kilogramm-Säcke, Zürcher Gastrolokale schlossen sich an, erkundigten sich nach mehr. Für dieses Wochenende nimmt Rothwell deshalb keine Bestellungen mehr entgegen. Er sagt: «Sonst wird es zu viel für uns.» Er ist aber mit Leuten in Kontakt, die eine weitere Lieferung nach Zürich organisieren könnten.

Biobäuerin Zimmermann-Hildbrand freut sich über die Nachfrage. Aus wirtschaftlichen Gründen mache sie das nicht, sagt sie. «Am Schluss wäre es wohl günstiger, die Kartoffeln zu verfüttern.» Sie würden sich aber engagieren, um sich gegen das Wegwerfen von guten Lebensmitteln zu wehren. In ihrem Bekanntenkreis gebe es immer wieder Bauern, deren Ernte nicht abgenommen werde. Zurzeit wisse sie von einem Kollegen, dessen gesamte Rüebli-Ernte zurückgewiesen worden sei.

Fenaco bedauert, verweist auf Richtlinien

Die Grosshändlerin Fenaco bedauert, «dass im Einzelfall Kartoffeln wegen qualitativen Mängeln nicht übernommen werden konnten», wie Mediensprecherin Szilvia Früh sagt. Sie würden den Detailhandel aber mit einer breiten Palette an verschiedenen Produkten und Qualitäten in allen Preislagen beliefern. Im Bezug auf die Kartoffel-Qualität verweist Früh auf die Richtlinien des Branchenverbands der Kartoffel-Produzenten, Swisspatat.

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