Zürcher Schiffsfünfliber – «So kann es nicht weitergehen»

Nachdem Gastro-Mitarbeiter entlassen wurden, reagieren Politiker auf die Krise bei der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft.

Höhere Preise, weniger Passagiere: Die Zürichseeschifffahrt leidet unter dem Schiffsfünfliber.

Höhere Preise, weniger Passagiere: Die Zürichseeschifffahrt leidet unter dem Schiffsfünfliber. Bild: Urs Jaudas

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Die Zürcher Schifffahrtsgesellschaft hat diesen Sommer massiv weniger Passagiere befördert. Im Juli und im August betrug der Einbruch im Vergleich zum Vorjahr 35 Prozent. Wie ZSG-Direktor Roman Knecht in der «Zürichsee-Zeitung» bekannt hab, musste das auf den Schiffen verantwortliche Gastro-Unternehmen bereits einen Viertel seines Personals entlassen. Grund für die Krise ist die Einführung des Schiffszuschlags, mit dem der Regierungrat die Rechnung um 3 Millionen Franken verbessern will.

Die Hiobsbotschaft vom Zürichsee hat nun auch Zürcher Politiker hellhörig gemacht. SP-Kantonsrat Jonas Erni (Wädenswil) spricht von «Geisterschiffen» auf dem See. Die Stimmung im Personal sei auf dem Tiefpunkt. Erni hat mehrfach gesehen, wie Angestellte wegen des Zuschlags angeschnauzt wurden. Besonders ausserkantonale Besitzer von Generalabonnements seien verärgert, weil sie oft erst beim Einsteigen vom Zuschlag erfahren.

Bericht angekündigt

Für SVP-Kantonsrat und Fraktionschef Jürg Trachsel (Wädenswil) ist klar: «Der Schiffsfünfliber ist gut gemeint, aber so kann es nicht weitergehen.» In der Fraktion wird er das Thema traktandieren. Er ist persönlich wie sein Amtskollege aus der SP dafür, dass man den Zuschlag schon 2018 streicht. SP-Kantonsrätin Rosmarie Joss, die auch Präsidentin der Verkehrskommission ist, will am Montag im Kantonsrat Verbündete für die Abschaffung des Fünflibers suchen.

Video: Kantischüler protestieren gegen Schiffsfünfliber

Gehörten schon früh zu den Gegnern: Schüler bezahlen den Seezuschlag mit Fünfräpplern. Video: Tina Fassbind/TA-Video (Dezember 2016)

Auch FDP-Fraktionschef Thomas Vogel zeigte sich gestern erstaunt. Man müsse aber zuerst Bilanz ziehen. Der Regierungsrat habe schliesslich mit einem Rückgang bei den Passagieren gerechnet. Auch die Probleme des Gastrobetriebes, so Vogel, könnten noch andere Gründe als den Schiffsfünfliber haben. Vogel ist deswegen gegen eine sofortige Abschaffung. CVP-Fraktionschef Philipp Kutter (Wädenswil) meint: «Wir sollten erst die Jahresrechnung abwarten.» Dass der Regierungsrat «über die Bücher» müsse, sei aber klar.

Die zuständige Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP) kündigte gestern am Freitag «20 Minuten» einen Bericht über die Ursachen der Entlassungen beim Gastrounternehmen an. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.09.2017, 22:43 Uhr

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