Zürcher Schule verteilt Ampelfarben statt Schulnoten

Grüne, orange und rote Punkte: Eine Primarschule in Winterthur verzichtet ab der vierten Klasse auf Noten.

Farben statt Zahlen: Neue Regelung im Schulhaus Zinzikon. Foto: Michele Limina

Farben statt Zahlen: Neue Regelung im Schulhaus Zinzikon. Foto: Michele Limina

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Die Information kam für viele Eltern überraschend. Vor einigen Tagen informierte die Primarschule Zinzikon in Oberwinterthur über eine Änderung im Benotungswesen. Das Schreiben liegt dieser Zeitung vor. Die Kinder bekommen bei Prüfungen keine Noten mehr als Rückmeldung. Stattdessen wird ab dem ersten Zeugnis der vierten Klasse ein «Ampelsystem mit Farbpunkten» eingeführt.

Das System gilt bis zum Ende der sechsten Klasse, also bis zum Übertritt in die Oberstufe. Die Regel gilt für die Fächer Mathematik, Deutsch, NMG (Natur Mensch Gesellschaft) sowie Französisch und Englisch.

Individuelle Zielnote

Im neuen System setzen sich die Schülerinnen und Schüler jeweils zu Beginn eines Semesters eine Zielnote, dies in enger Absprache mit der Lehrperson und auch mit den Eltern. Leistungsnachweise werden dann nur noch im Bezug auf diese Zielnote bewertet: Erreicht oder übertrifft das Kind die Note, erhält es einen grünen Farbpunkt auf die Prüfung. Wird die Zielnote knapp nicht erreicht, gibts einen orangen Punkt. Unterscheiden sich Ziel und Realität in negativer Weise deutlich, sieht das Kind rot.

Was bleibt, sind allerdings die halbjährlichen Zeugnisnoten. Dies ist im kantonalen Zeugnisreglement so festgeschrieben. Darüber hinaus sind die Schulen und Lehrpersonen aber laut dem Volksschulamt grundsätzlich frei, ob sie auch unter dem Jahr Noten verteilen wollen, oder eben eine Variante wie das Ampelsystem anwenden.

«Heute leiden Kinder»

Peter Fleischmann, Schulleiter der Schule Zinzikon, erklärt die Umstellung mit dem neuen Lehrplan 21, welcher sich durch eine Kompetenzorientierung auszeichne. «Das heisst, die Förderung der individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schulkinder sollen in den Fokus rücken.» Die reine Lernvermittlung werde auch auf die Lernbegleitung und die Lernberatung ausgeweitet. «Der Schule Zinzikon war es wichtig diesen pädagogischen Ansatz anzugehen, sagt Fleischmann.

«Heute leiden relativ viele Kinder in Schulen mit einem reinen Notensystem darunter, dass sie mit noch so viel Aufwand dennoch nie im Klassendurchschnitt zur besseren Hälfte gehören». sagt Fleischmann. «Dies demotiviert und verdirbt die Freude am Lernen. Wenn der Druck von innen kommt, also intrinsisch motiviert ist, macht er mehr Sinn und ist zielführender für den Lernerfolg eines Kindes.»

Die Schule Zinzikon habe das Ampelsystem zudem nicht erfunden. Bereits im Schuljahr 2017/2018 hätten erste Schulen das Ampelsystem erprobt, sagt Fleischmann.

Laut Kreisschulpflege-Präsident Christoph Baumann kam es zu einzelnen Reaktionen vonseiten der Eltern: «Vereinzelt ist eine gewisse Skepsis zu spüren, das System ist für die meisten Eltern ja auch ganz neu.» Deshalb werden die Eltern an den Elternabenden detailliert über das Ampelsystem informiert. Wichtig seien auch die Elterngespräche: «Die Auseinandersetzung mit der Selbstreflexion, den Zielen, der Motivation und den Leistungen ermöglicht einen differenzierten Austausch zum Lernen und Arbeiten der Schulkinder», sagt Baumann. So soll die sogenannte förderderorientierte Beurteilung ins Zentrum rücken.

Auch Wyden ist notenfrei

Klar ist auch, dass die Primarschule Zinzikon nicht die einzige Schule mit einem alternativen Benotungssystem ist. So werden etwa auch in der Wülflinger Schule Wyden keine Noten verteilt. Rückmeldungen auf Tests gibts mündlich oder schriftlich, und nicht in Form einer nackten Zahl. «Dadurch sind viel differenziertere Rückmeldungen möglich», sagt der dortige Schulleiter Felix Molteni. Farbige Punkte würden aber keine verteilt. Bekannt sind auf Stadtgebiet zudem einzelne Klassen, welche alternativ benoten.

Erstellt: 28.08.2019, 13:28 Uhr

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