Zürcher Regierungspräsidentin trennt sich von Spitzenbeamtem

Monatelang rätselten Beobachter, was mit Bruno Sauter läuft. Jetzt ist es klar: Der machtbewusste Chef des kantonalen Amts für Arbeit muss die Volkswirtschaftsdirektion verlassen.

Scheidet unter ungeklärten Umständen aus dem Amt: Bruno Sauter, 14 Jahre lang Chef des Amt für Wirtschaft und Arbeit.

Scheidet unter ungeklärten Umständen aus dem Amt: Bruno Sauter, 14 Jahre lang Chef des Amt für Wirtschaft und Arbeit. Bild: Sophie Stieger

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Kurz vor Pfingsten wurde publik, dass Bruno Sauter nicht mehr bei der Arbeit erscheint. Offiziell war der Chef des Amts für Wirtschaft und Arbeit (AWA) krank geschrieben. Seine Chefin, Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP), hüllte sich in Schweigen. Auch die Mitarbeiter wurden im Unklaren gelassen.

Gerüchte kursierten, dass sich Walker Späh und der machtbewusste Amtschef überworfen hatten und sie sich von ihm trennen wollte. Nun ist immerhin klar, dass der 53-Jährige sein Amt nicht mehr übernehmen wird.

«Carmen Walker Späh und Bruno Sauter haben entschieden, das Arbeitsverhältnis von Bruno Sauter im gegenseitigen Einvernehmen aufzulösen», teilte der Regierungsrat heute Dienstagnachmittag mit. Über Gründe steht kein Wort. Ob es ein Zerwürfnis zwischen den Parteikollegen gab, bleibt offen.

Verweis des Regierungsrats

Sauter war seit 2005 Chef des AWA und damit für Tausende Arbeitslose oder Arbeitsbewilligungen zuständig. Gerne äusserte sich der Betriebsökonom, der lange auch Gemeindepräsident von Maur war, pointiert zu «seinen» Themen. 2013 kassierte er allerdings einen Verweis des Regierungsrats, weil er dem damaligen Justizdirektor Martin Graf (Grüne) öffentlich vorgeworfen hatte, der Wirtschaft zu schaden. Graf hatte im kantonalen Intranet Werbung für die 1:12-Initiative der Juso gemacht. Das konnte zwar auch dem bürgerlich dominierten Regierungsrat nicht gefallen. Die Bestrafung Sauters erfolgte aus prinzipiellen Gründen.

Vor zwei Jahren musste Sauter ein Verwaltungsratsmandat abgeben, als es publik wurde. Er hatte sich in einer IT-Beratungsfirma engagiert, welche mit dem Kanton geschäftet.

«Alles Gute»

Sauter war kein Beamter, wie er gerne und clichéhaft beschrieben wird. Er ist bekannt als zupackender und durchaus auch eigenständiger Chef. «Zusammen mit seinen Mitarbeitenden trug er zu einem günstigen Wirtschaftsklima für die Unternehmen bei», lobt der Regierungsrat in der Mitteilung.

«Regierungspräsidentin und Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh dankt Bruno Sauter für seine Arbeit und seinen langjährigen Einsatz für den Kanton Zürich. Sie wünscht ihm für seine Zukunft alles Gute», heisst es abschliessend.

Die interimistische Leitung des AWA übernimmt «bis auf weiteres» Sauters langjährige Stellvertreterin Andrea Engeler. Die Stelle werde nun ausgeschrieben.

(pu)

Erstellt: 03.09.2019, 14:57 Uhr

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