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Zürcher Ständerat wieder Männersache

Trotz des Rücktritts von Verena Diener setzt im Wahlkampf nicht einmal die SP auf eine weibliche Kandidatur.

Seit gestern deutet alles darauf hin, dass die Zürcher Frauen im Ständerat Ende Jahr nicht mehr vertreten sein werden, erstmals seit fast drei Jahrzehnten. Ausschlaggebend ist der Rücktritt der Grünliberalen Verena Diener, den diese gestern angekündigt hat. Den Sitz ihrer Partei soll Martin Bäumle sichern. «Frau sein ist noch kein Programm», kommentierte Diener diese Wahl. Der Kampf der aussichtsreichsten Kandidaten wird damit im Oktober zur Männerveranstaltung.

Weil neben Diener auch Felix Gutzwiller (FDP) abtritt, gibt es eine Doppel­vakanz. Diese besondere Chance wollen die Parteistrategen nutzen, indem sie ihre fähigsten Leute aufstellen – und das sind offenbar fast durchs Band Männer. SP-Kantonalpräsident Daniel Frei etwa wirbt für eine Kandidatur von Rechtsprofessor Daniel Jositsch, weil dieser über die Parteigrenzen hinaus profiliert sei. Deshalb sei er erste Wahl. «Das ist für uns keine Geschlechterfrage.» Man habe Jositsch zugesichert, ihm auch bei einem Abgang Dieners keine Frau vor die Nase zu setzen. Jositsch selbst sagt, entscheidend sei das Geschlechterverhältnis im Ständerat, nicht jenes in der Zürcher Vertretung.

Widerstand kommt in der SP nicht einmal von Nationalrätin Chantal Galladé, obwohl diese im Wahlkampf 2007 zugunsten von Verena Diener verzichtet hat, um den SVP-Kandidaten Ueli Maurer zu verhindern. Sie sagt zwar, dass jetzt der Moment für eine Frauenkandidatur gekommen wäre. Dennoch trete sie nicht erneut an. «Ich stelle mich voll hinter die Kandidatur von Jositsch.»

Den idealen Moment lassen auch die SVP-Frauen Natalie Rickli und Rita Fuhrer verstreichen, die aus persönlichen Gründen verzichten. Laut Parteipräsident Alfred Heer wird mangels anderer Kandidatinnen für die SVP nun voraussichtlich ein Mann antreten. Für die FDP, die auf Nationalrat Ruedi Noser setzt, ist es trotz Dieners Rücktritt kein Thema, zusätzlich eine Frau aufzustellen.

«Rückschlag in Frauenfragen»

Interne Konflikte bahnen sich derweil bei den Grünen an. «Nur weil die anderen keine Frau bringen, heisst das nicht, dass wir eine bringen müssen», sagt Kantonalpräsidentin Marionna Schlatter. Gefragt seien die Kandidaten mit den besten Chancen. Dazu zählen für sie die grünen Nationalräte Balthasar Glättli und Bastien Girod. Für die frühere Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber, die selbst kandidieren will, sind diese Aussichten unerträglich. «Wir erleben derzeit einen Rückschlag in Frauenfragen.» Als Sprecherin für Gleichstellungsfragen bei den Grünen verlangt sie, dass Zürich im Ständerat mit beiden Geschlechtern vertreten ist. Damit steht sie bei den Grünen nicht allein.

Die einzige Partei, die derzeit explizit auf eine Frauenkandidatur setzen will, ist die kleine CVP. «Die Hälfte der Wählerschaft im Kanton hat ein Recht auf Vertretung im Ständerat», sagt Präsidentin Nicole Barandun. Bringen möchte sie Nationalrätin Barbara Schmid-Federer.

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