Zürcher Ständeratsrennen: Die GLP will sich nicht entscheiden

Marionna Schlatter oder Ruedi Noser? Die Grünliberalen bleiben neutral.

Nicola Forster und Corina Gredig, das Co-Präsidium der GLP des Kantons Zürich. Foto: Fabienne Andreoli

Nicola Forster und Corina Gredig, das Co-Präsidium der GLP des Kantons Zürich. Foto: Fabienne Andreoli

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Einfache Entscheide gehen anders. Am Donnerstagabend mussten die Grünliberalen zwischen den zwei Teilen ihres Parteinamens wählen. Wollen sie, dass die Grüne Marionna Schlatter die zweite Ständerätin für den Kanton Zürich wird? Oder doch lieber der liberale Ruedi Noser?

Innerhalb des gut 25-köpfigen kantonalen Parteivorstandes waren alle Positionen vertreten. Schlatter, Noser, Stimmfreigabe. Nach einer rund zweistündigen Diskussion beschloss eine Mehrheit, Stimmfreigabe zu empfehlen. Beide Kandidatinnen würden nur einzelne Aspekte einer grünliberalen Politik vertreten, heisst es in einer Mitteilung.

Ruedi Nosers offene Wirtschafts- und Aussenpolitik stehe der GLP nahe. Noser habe in klimapolitischen Anliegen auch mehrfach erfolgreich mit der GLP zusammengearbeitet, heisst es weiter. In anderen umweltpolitischen Fragen, etwa bei der Biodiversität oder beim Kampf gegen Pestizide, gebe es jedoch klare Differenzen.

Die Begründung

Mit Schlatter stimme die Partei in Umweltfragen überein, zusätzlich würde sie den Frauenanteil im Ständerat heben, schreibt die GLP. Aber auch mit ihr bestünden deutliche Meinungsverschiedenheiten vor allem bei der Sozialpolitik, etwa der Finanzierung der AHV.

Auch der kantonale Co-Präsident Nicola Forster setzte sich für eine Stimmfreigabe ein. Das sei die beste Lösung, die GLP könne sich eine Zusammenarbeit sowohl mit Noser als auch mit Schlatter gut vorstellen. Den Vorwurf der Unentschiedenheit lässt Forster nicht gelten. «Es ist klar, dass es für uns schwierig wird, wenn wir zwischen zwei Kandidaten entschieden müssen, von denen die eine vor allem grün und der andere vor allem liberal ist.»

Vorteil Noser

Im zweiten Ständeratswahlgang vom 17. November stehen sich die Grüne Newcomerin Schlatter und der bisherige FDP-Ständerat Noser gegenüber. Schlatter holte im ersten Wahlgang 95'100 Stimmen, Noser 141'700. Die Grüne wird in der zweiten Runde durch SP und AL unterstützt. Noser empfehlen CVP, BDP, verschiedene Wirtschaftsverbände und – widerwillig – auch die SVP zur Wahl. Die grösste Zürcher Partei hat mit Roger Köppel ihren eigenen Kandidaten zurückgezogen, sie nennt Noser «das kleinere Übel». Die EVP hat Stimmfreigabe beschlossen. Bereits gewählt wurde der SPler Daniel Jositsch mit 216'700 Stimmen.

Die Stimmfreigabe der Grünliberalen hilft wohl eher Ruedi Noser. Gemessen an der Stärke der ihn unterstützenden Parteien hat er nun mehr Stimmen hinter sich.

Erstellt: 31.10.2019, 21:17 Uhr

Kommentar: Ein mutloser Entscheid

Die Grünliberalen haben für den zweiten Wahlgang Stimmfreigabe beschlossen. Für sie ist es also egal, ob der Freisinnige Ruedi Noser oder die Grüne Marionna Schlatter den Kanton Zürich im Ständerat vertritt. Es ist ein mutloser Entscheid, der ratlos lässt. Er zeigt aber auch das Dilemma einer Partei, die zwischen grün und liberal hin- und hergerissen ist. Offensichtlich setzt die GLP hier keine Prioritäten, obwohl sie ihren Wahlsieg vom 20. Oktober vorwiegend ihrer grünen Ausrichtung zu verdanken hat. Auch die Frauenförderung scheint keine zentrale Bedeutung mehr zu haben. Diese Wahlempfehlung wird die Sympathisanten der Partei nicht motivieren, am 17. Mai nochmals an die Urne zu gehen. Freuen wird sich darüber Ruedi Noser, dem der Sieg kaum mehr zu nehmen ist.

Daniel Schneebeli

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