Zürcher SVP und SP vereint gegen Velo-Rowdys

Ihre Parteien sind Lieblingsfeinde. Trotzdem haben sich zwei Zürcher Gemeinderäte verbündet – gegen E-Bike-Fahrer.

Beliebt, benutzt, umkämpft: Auf dem Fischerweg im Kreis 5 kommen sich Velofahrerinnen und Spaziergänger immer wieder sehr nahe.

Beliebt, benutzt, umkämpft: Auf dem Fischerweg im Kreis 5 kommen sich Velofahrerinnen und Spaziergänger immer wieder sehr nahe. Bild: Urs Jaudas

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Stefan Urech und Urs Helfenstein könnten politisch nicht unterschiedlicher sein. Urech, SVP-Gemeinderat, setzt sich für Gratisparkplätze in der Adventszeit ein und hinterfragt die städtische Sozialpolitik. Helfenstein, SP-Gemeinderat, weibelt für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Im Stadtparlament bekämpfen sie und ihre Parteien sich, einig sind sie sich praktisch nie.

Doch nun spannen die beiden Gemeinderäte aus den Wahlkreisen 4 und 5 zusammen. Ihr Anliegen: E-Bike-Fahrer sollen nicht mehr mit vollem Karacho über den Fischerweg blochen können. Ihre Forderung: Die Stadtregierung solle prüfen, wie sie den Weg sicherer machen kann. Sie haben einen Vorstoss eingereicht.

Die beiden Stadtpolitiker haben auch schon eine Idee für eine mögliche Lösung. Elemente könnten aufgestellt werden, bei denen man die Geschwindigkeit drosseln muss. Für diesen Zweck gebe es beispielsweise geeignete Kunststoffflächen, sagt SP-Mann Urs Helfenstein. Es gehe ihnen dabei nicht um die Einschränkung von langsamen Velofahrerinnen, Senioren, die mit einem Rollator unterwegs sind, oder Vätern, die Kinderwagen schieben. «Allein die E-Biker sollen nicht mehr derart rasen können wie heute», sagt er.

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Der Fischerweg ist eigentlich eine schöne Strecke entlang der Limmat, ein Kiesweg. Er führt von der Nähe des Escher-Wyss-Platzes an den Bernoulli-Häusern und der Werdinsel vorbei stadtauswärts. An sonnigen Wochenenden seien dort alle unterwegs, sagt SVPler Stefan Urech – Spaziergänger mit und ohne Kinderwagen, Joggerinnen, Hundehalter und langsame Velofahrerinnen. «Es ist wie eine Völkerwanderung.»

Diese Idylle wird aber durch rasende E-Bike-Fahrer gestört. Sie würden den Weg unsicher machen, sagt Urech. Er selbst wohnt im Quartier und sitzt im Vorstand der IG Hardturmquartier. Mütter hätten ihm erzählt, dass sie auf dem Fischerweg ihre Kinder nicht mehr gerne aus den Augen liessen. Dieser sei an verschiedenen Stellen viel zu unübersichtlich und gefährlich, insbesondere an Kreuzungen und bei engen Kurven. So gebe es beispielsweise bei der Einmündung des Ampèrestegs keinen Spiegel, der die Übersicht gewährleisten würde.

Joggerin schubst Velofahrerin vom Sattel

Das Problem schwelt im Quartier, Anwohnerinnen und Anwohner des Fischerwegs ärgern sich über den ungewollten Velo-Highway, und in der IG Hardturmquartier ist er ein grosses Thema. Vor rund einem Jahr eskalierte die Situation: Eine Joggerin schlug auf dem Fischerweg eine 73-jährige Rentnerin auf ihrem E-Bike so, dass die Seniorin fiel und sich verletzte. Die Sportlerin rannte weiter. Da die Rentnerin Anzeige erstattete, wurde der Fall publik und warf hohe Wellen.

Quartierbewohner zum Problem auf dem Fischerweg

«Velofahrer gehören nicht hierher»: So der Tenor aus dem Quartier im Herbst 2017. Video: Nicolas Fäs

Auch SP-Gemeinderat Urs Helfenstein wohnt im Quartier. Deshalb haben sich die beiden Gemeinderäte zu einem gemeinsamen politischen Vorstoss entschieden – im Wissen, damit anzuecken. Die Zusammenarbeit brachte ihnen einige kritische Fragen aus ihren Parteien ein. Da es sich um ein Quartieranliegen handle, hätten sich die Zweifel jedoch rasch gelegt, sagt Urech.

Für Urech und Helfenstein könnte der Fischerweg zu einer allgemeinen Lösung des Problems «rasende E-Bikes» in Zürich beitragen. An verschiedenen Orten in der Stadt kommt es nämlich ebenfalls zu Konflikten zwischen E-Bike-Fahrerinnen und Fussgängern, zum Beispiel auf der Sihlpromenade. Für diese könnte eine Lösung aus dem Kreis 5 wegweisend sein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.09.2018, 11:06 Uhr

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