Zürcher Unternehmer wegen Pferdehanf verurteilt

Das Bezirksgericht Meilen hat die Strafe für den Pferdehanfbauern René Hammerbauer verschärft.

Strafe verschärft: Das Bezirksgericht Meilen verurteilt einen Pferdehanfbauer.

Strafe verschärft: Das Bezirksgericht Meilen verurteilt einen Pferdehanfbauer. Bild: Keystone

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«Ich bin grad ein bisschen stolz, dass ich vor vier Jahren damit angefangen habe», beendete René Hammerbauer vor zwei Wochen vor dem Bezirksgericht Meilen sein Schlusswort. Wenn man bedenkt, dass der Grund für sein Stolzsein gleichzeitig auch der Grund ist, weshalb er als Beschuldigter vor Gericht steht, ist auch gleich klar, dass sich der 62-Jährige für komplett unschuldig hält.

Das sieht Agroscope anders. Das Schweizer Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung hatte Strafanzeige gegen den Zürcher Oberländer eingereicht. Hammerbauer soll – was er gar nicht bestreitet und wofür er in farbigen Broschüren wirbt – über seine Website Pferdehanf verkauft haben, also Futtermittel mit einem geringen THC-Gehalt. Dafür fehle ihm die Registrierung als Futtermittel-Unternehmer. Und überhaupt stehe im Gesetz, im Anhang der Futtermittelbuch-Verordnung, «Hanf oder Produkte davon in jeder Form oder Art» dürften weder für die Futtermittelproduktion noch für die Fütterung von Nutztieren verwendet noch generell in Verkehr gebracht werden.

Gesetzesänderung tritt in Kraft

Das alles ficht Hammerbauer nicht an. Der 62-Jährige, der gemäss Selbstdeklaration mit Pferdehanf 1000 Franken netto pro Monat verdient, will vor drei Jahren ein Registrierungsformular ausgefüllt und sich dann nicht mehr um die Sache gekümmert haben. Aber vor allem: Er verkaufe Pferdehanf nur an Besitzer, die Pferde als Heimtiere halten. Und für Heimtiere gelte das Verbot nicht. Sein Verteidiger setzt noch einen obendrauf. Was jetzt verboten sei, die Abgabe von Pferdehanf an Nutztiere, sei ab dem 1. Januar 2018 erlaubt. Denn Mitte Oktober verabschiedete der Bundesrat das landwirtschaftliche Verordnungspaket 2017, mit dem 20 Verordnungen angepasst werden, unter anderem auch der Anhang der Futtermittelbuch-Verordnung. Danach ist die Verwendung von «Hanf oder Produkten davon» nur noch für sogenannt laktierende Tiere verboten, also für Tiere, «deren Milch zum menschlichen Verzehr bestimmt ist». Neu dürfen Hanfsamen und Produkte davon aber an andere Nutztiere verfüttert werden.

Für einen Freispruch hat das aber nicht gereicht. Laut dem erst in unbegründeter Form vorliegenden Urteil wurde Hammerbauer zu einer unbedingten Busse von 600 Franken verurteilt. Der Einzelrichter ging aber noch einen Schritt weiter als das Meilemer Statthalteramt in seinem Strafbefehl. Der 62-Jährige soll darüber hinaus aus dem durch den Verkauf von Pferdehanf unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil 19'000 Franken an die Staatskasse abliefern.

Ob der Bauer das Urteil ans Obergericht weiterzieht, ist noch nicht bekannt.


Video: Die weltweit ersten Hanf-Zigaretten aus der Schweiz

Wie und wo diese Weltneuheit produziert wird.


Erstellt: 04.12.2017, 08:51 Uhr

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