Zürich braucht mehr Ausländer

Die Zürcher Wirtschaft hat den Frankenschock besser überstanden als befürchtet. Sie hat aber ein anderes Problem.

«Wir brauchen die besten Leute aus der ganzen Welt»: Carmen Walker Späh vor den Medien.

«Wir brauchen die besten Leute aus der ganzen Welt»: Carmen Walker Späh vor den Medien. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Damit Zürich in Zukunft ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleibt, sind viele Unternehmen auf qualifizierte Fachkräfte aus Drittstaaten ausserhalb der EU angewiesen. Das sagte die kantonale Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) heute Freitag vor den Medien. «Wir brauchen die besten Leute aus der ganzen Welt.» Namentlich innovative Firmen mit hohen Beiträgen an Forschung und Entwicklung müssten zeitgerecht ausreichend Arbeitskräfte rekrutieren können.

Das Problem dabei: Der Bund hat die Drittstaatenkontingente für die ganze Schweiz in den letzten Jahren um 20 bis 30 Prozent gekürzt. Das bremst das Land laut Walker Späh im internationalen Wettbewerb und führt zu einem Standortnachteil.In diesem Jahr seien die Kantonskontingente bereits Ende April aufgebracht gewesen. Seither könnten zwar beim Bund noch Bewilligungen beantragt werden, doch würden nicht alle bewilligt.

Für die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin gibt es auch keinen Grund, im Hinblick auf die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative die Drittstaatenkontingente zu senken. Erstens stehe im Initiativtext, die gesamtwirtschaftlichen Interessen müssten gewahrt werden. Und zweitens bleibe der Inländervorrang bei den Arbeitsbewilligungen für Leute aus Drittstaaten gewährleistet.

Die Rezession blieb aus

Neben solchen Bedenken gab es heute auch positive Neuigkeiten von der Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin: Die Frankenaufwertung vor anderthalb Jahren hat die Zürcher Wirtschaft weniger stark getroffen als andere Regionen der Schweiz. Die von einigen vorausgesagte Rezession ist ausgeblieben.

Ende 2015 wurde noch ein Wirtschaftswachstum von 1 Prozent fürs Jahr 2016 prognostiziert, aktuell rechnet man mit 1,5 Prozent. Trotz Frankenschock hat die Beschäftigung insgesamt zugenommen. Die Grossregion Zürich verzeichnet nach dem Tessin die zweithöchste Zunahme. Die Arbeitslosenquote im Kanton Zürich lag allerdings im Juni mit 3,5 Prozent über dem Schweizer Durchschnitt.

Tourismus läuft überdurchschnittlich gut

Positive Nachrichten gibt es laut Walker Späh überraschender Weise aus der Zürcher Hotellerie. Der Tourismus läuft in Zürich – wie auch in anderen Städten – überdurchschnittlich gut. Seit Anfang Jahr habe er neuen Elan erhalten. Die Zahl der Logiernächte nahm in den ersten drei Monaten im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des Vorjahres um 1,7 Prozent zu. In der gesamten Schweiz gab es einen Rückgang von 0,7 Prozent.

Für die Industrie dagegen ist die Situation laut Walker Späh «ungebrochen anforderungsreich». Doch auch hier gebe es «einen kleinen Silberstreifen am Horizont». Vor allem Unternehmen des Maschinen- und Fahrzeugbaus vermeldeten mehr Bestellungen.

Ausgezahlt hat sich gemäss der Volkswirtschaftsdirektorin, dass sich die Zürcher Wirtschaft in den letzten Jahren diversifiziert hat. Die aufstrebenden Bereiche wie Informations- und Kommunikationstechnologie oder die Life Sciences machten es möglich, Krisen besser überstehen zu können und Arbeitsplätze zu sichern. (hub/sda)

Erstellt: 08.07.2016, 14:46 Uhr

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