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Zürich diskutierte kontrovers, aber fair

Vergangene Woche fand die erste Zürcher Online-Debatte zur Stadtentwicklung statt. Stadtpräsidentin Corine Mauch zieht Bilanz.

Die Anwürfe zwischen Auto- und Velofahrern blieben aus. Unisono beklagt man Platzmangel für alle. Leidende Velofahrer fragen: «Warum hören die markierten Velowege an den gefährlichsten Stellen auf ?» «Wieso Geld für Velowege ausgeben», kams zurück, «die Velofahrer haben längst jedes Trottoir zum Veloweg erklärt.» Vielleicht gehts einfach, schlug einer vor: «Genereller Vortritt für Velos wie in Amsterdam.» Viele wünschen mehr Langsamverkehr, durchgehende, breitere Velowege. So wie es der bekennende Sportwagenfahrer Marc van Huisseling fordert, durch Zwang: «Kein Individualverkehr im Stadtzentrum. Der ÖV ist gut genug.» Andere regten Gratis-ÖV und Sammelfahrten an. Selbst eine U-Bahn wurde ins Spiel gebracht. «Der Mythos des Individualverkehrs ist überholt», meinte einer. «Die reale Erfahrung in der Stadt heisst: Stau, Wut, Gefahr, Rücksichtslosigkeit, Ressourcenverschleiss, Zeitverschwendung.» Der Ruf nach Roadpricing wurde laut – ohne klares Für und Wider. Alle scheinen zu ahnen, dass es Entscheide braucht: «Die Stadt kommt nicht darum herum, Prioritäten festzulegen, und da sollten der Langsamverkehr und der ÖV immer die besseren Karten haben.»
Die Anwürfe zwischen Auto- und Velofahrern blieben aus. Unisono beklagt man Platzmangel für alle. Leidende Velofahrer fragen: «Warum hören die markierten Velowege an den gefährlichsten Stellen auf ?» «Wieso Geld für Velowege ausgeben», kams zurück, «die Velofahrer haben längst jedes Trottoir zum Veloweg erklärt.» Vielleicht gehts einfach, schlug einer vor: «Genereller Vortritt für Velos wie in Amsterdam.» Viele wünschen mehr Langsamverkehr, durchgehende, breitere Velowege. So wie es der bekennende Sportwagenfahrer Marc van Huisseling fordert, durch Zwang: «Kein Individualverkehr im Stadtzentrum. Der ÖV ist gut genug.» Andere regten Gratis-ÖV und Sammelfahrten an. Selbst eine U-Bahn wurde ins Spiel gebracht. «Der Mythos des Individualverkehrs ist überholt», meinte einer. «Die reale Erfahrung in der Stadt heisst: Stau, Wut, Gefahr, Rücksichtslosigkeit, Ressourcenverschleiss, Zeitverschwendung.» Der Ruf nach Roadpricing wurde laut – ohne klares Für und Wider. Alle scheinen zu ahnen, dass es Entscheide braucht: «Die Stadt kommt nicht darum herum, Prioritäten festzulegen, und da sollten der Langsamverkehr und der ÖV immer die besseren Karten haben.»
Keystone
Stadtrat André Odermatt (SP) stellte Stadtverdichtung, Erneuerung von Genossenschaftswohnungen und Wohnformen im Alter zur Debatte. Viele wollen mehr Hochhäuser. Andere sehen den Charme der Stadt durch Türme zerstört. Einer notiert, der Prime Tower sei ein guter Anfang. Ein anderer schreibt, «Zürichs Schandflecken» Sihlhochstrasse und Hardbrücke sollen abgerissen werden. Dem entgegnet jemand, «Verkehr ist so wichtig wie die Blutzirkulation». Sollen Genossenschaftswohnungen geschleift und verdichtet neu gebaut werden, will Odermatt wissen. «Immer mehr günstiger Wohnraum wird zerstört», ist der Tenor. Beim Wohnen im Alter waren sich alle einig: Man findet nichts. Die Suche nach idealen Wohnformen im Alter erweist sich als schwierig und führt zu Absurdem: Man solle «Alte nach Italien und Thailand auslagern, als erweitertes Zürich sozusagen». Denkmalgeschützte Kirchen will man stehen lassen, andere in Bibliotheken, Konzerthallen und Bars umwandeln. «Vielleicht stellt sich einmal heraus, dass ‹Käfele›, Konsum und Street-Parade doch nicht der Lebenszweck sind, und dann sind Kirchenbänke ganz praktisch, einmal darüber nachzudenken.»
Stadtrat André Odermatt (SP) stellte Stadtverdichtung, Erneuerung von Genossenschaftswohnungen und Wohnformen im Alter zur Debatte. Viele wollen mehr Hochhäuser. Andere sehen den Charme der Stadt durch Türme zerstört. Einer notiert, der Prime Tower sei ein guter Anfang. Ein anderer schreibt, «Zürichs Schandflecken» Sihlhochstrasse und Hardbrücke sollen abgerissen werden. Dem entgegnet jemand, «Verkehr ist so wichtig wie die Blutzirkulation». Sollen Genossenschaftswohnungen geschleift und verdichtet neu gebaut werden, will Odermatt wissen. «Immer mehr günstiger Wohnraum wird zerstört», ist der Tenor. Beim Wohnen im Alter waren sich alle einig: Man findet nichts. Die Suche nach idealen Wohnformen im Alter erweist sich als schwierig und führt zu Absurdem: Man solle «Alte nach Italien und Thailand auslagern, als erweitertes Zürich sozusagen». Denkmalgeschützte Kirchen will man stehen lassen, andere in Bibliotheken, Konzerthallen und Bars umwandeln. «Vielleicht stellt sich einmal heraus, dass ‹Käfele›, Konsum und Street-Parade doch nicht der Lebenszweck sind, und dann sind Kirchenbänke ganz praktisch, einmal darüber nachzudenken.»
Keystone
«Wir verlieren immer mehr Gestaltungsmöglichkeiten.» Diese Ansicht teilen viele. Zürich ziehe immer mehr Menschen an und vertreibe diejenigen, die schon lange hier lebten. Es gehe bald allen wie denen im Seefeld. Eine Mehrheit findet, Zürich müsse vor allem durchmischte Zonen mit günstigeren und gewerbenahen Wohnungen schaffen. «Wie denn?», fragt einer, «wenn alle mehr Wohnraum beanspruchen und die Zuwanderung anhält?» Moderator Lukas Bärfuss streute den Vorschlag ein, Wohnfläche zu besteuern: «Sobald die beanspruchte Fläche einen gewissen Wert unterschreitet, kommt ein Steuerabzug zum Tragen.» Die Idee fand einige Anhänger. Lösen liessen sich die Platzprobleme auch mit verdichtetem Bauen: «Warum wird so wenig in die Höhe gebaut?», wollte einer wissen. «Keine Lösung», kam zur Antwort, «fünfzehngeschossige Wohnbauten müssen erschlossen werden, und das schafft Verkehr.» Vielen bleibe keine Wahl, lautete ein Kommentar, «man muss dorthin ziehen, wo es billiger ist, in die Vorstadt». Was wiederum Verkehr generiert. Auch dafür gabs im Internet eine Lösung: den «Home Office Day». Alle sollen einen Tag pro Woche zu Hause arbeiten können.
«Wir verlieren immer mehr Gestaltungsmöglichkeiten.» Diese Ansicht teilen viele. Zürich ziehe immer mehr Menschen an und vertreibe diejenigen, die schon lange hier lebten. Es gehe bald allen wie denen im Seefeld. Eine Mehrheit findet, Zürich müsse vor allem durchmischte Zonen mit günstigeren und gewerbenahen Wohnungen schaffen. «Wie denn?», fragt einer, «wenn alle mehr Wohnraum beanspruchen und die Zuwanderung anhält?» Moderator Lukas Bärfuss streute den Vorschlag ein, Wohnfläche zu besteuern: «Sobald die beanspruchte Fläche einen gewissen Wert unterschreitet, kommt ein Steuerabzug zum Tragen.» Die Idee fand einige Anhänger. Lösen liessen sich die Platzprobleme auch mit verdichtetem Bauen: «Warum wird so wenig in die Höhe gebaut?», wollte einer wissen. «Keine Lösung», kam zur Antwort, «fünfzehngeschossige Wohnbauten müssen erschlossen werden, und das schafft Verkehr.» Vielen bleibe keine Wahl, lautete ein Kommentar, «man muss dorthin ziehen, wo es billiger ist, in die Vorstadt». Was wiederum Verkehr generiert. Auch dafür gabs im Internet eine Lösung: den «Home Office Day». Alle sollen einen Tag pro Woche zu Hause arbeiten können.
Keystone
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«Der Stil und das Niveau der Diskussionen haben mir gefallen», sagt Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP). 60 Stunden dauerte die erste Onlinestadtdebatte Zürichs – die erste im deutschsprachigen Europa überhaupt. 3550 Teilnehmende haben von Donnerstagmorgen bis Samstagabend fast 2000 Beiträge und Kommentare eingebracht.

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