Zürich kämpft gegen Invasion aus dem Westen

Im Kanton Zürich ist eine fiese ausländische Mückenart angekommen. Doch es gibt Wege, ihr das Leben schwerzumachen.

Blutmahlzeit: Die Asiatische Buschmücke sticht auch am Tag.

Blutmahlzeit: Die Asiatische Buschmücke sticht auch am Tag. Bild: PD/Wikipedia

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Sie ist noch fieser als unsere einheimischen Mücken. Die Asiatische Buschmücke sticht auch tagsüber, und ihre Stiche sind schmerzhaft und hinterlassen oft grössere rote Flecken, die länger bleiben.

Der Plagegeist hat sich in den letzten paar Jahren vom Kanton Aargau kommend nun in Zürich ausgebreitet. Eine Untersuchung des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) hat ergeben, dass die ursprünglich nicht in der Schweiz heimische Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) mancherorts bereits häufiger vorkommt als die heimische Gemeine Hausmücke.

Tilgen geht nicht mehr

An eine Tilgung sei nicht mehr zu denken. Das ist die schlechte Nachricht, welche das Awel in der jüngsten Ausgabe des Magazins «Zürcher Umweltpraxis» verbreitet. Die ZUP ist eine Publikation der Baudirektion des Kantons Zürich. Die gute Nachricht ist: Man kann den Bestand mit relativ einfachen Massnahmen reduzieren, wie ein im letzten Jahr durchgeführtes Pilotprojekt gezeigt hat.

Sechs Gemeinden nahmen am Pilotprojekt teil. In Dietikon, Bubikon und Aeugst am Albis wurden Massnahmen ergriffen, welche zur Eindämmung dieser Mücken führen sollten. Als Kontrollgemeinden wählte man Schlieren, Dürnten und Hausen am Albis, die in der unmittelbaren Nachbarschaft der eigentlichen Testgemeinden liegen.

Sie warten auf den Regen

Bei dem Projekt orientierte man sich am Vorgehen der Tessiner Gesundheits- und Umweltbehörden im Umgang mit der noch problematischeren Tigermücke, die dort seit über zehn Jahren mit grösseren Beständen vorkommt. Dieses basiert auf einer engen Zusammenarbeit mit den Gemeinden und den Grundstückeigentümern.

Beim Kampf gegen die Asiatische Buschmücke machte sich das Awel zunutze, dass diese ihre Eier am Rande von künstlichen Gefässen wie etwa Blumentopf-Untersetzern, Dachkänneln oder Regentonnen legen. Sobald die Eier mit Wasser überdeckt werden, schlüpfen die Larven, die sich dann im Wasser weiterentwickeln. Gartenteiche oder Tümpel benutzen sie allerdings nicht zur Eiablage.

Regentonnen abdecken

In den Testgemeinden wurden Merkblätter an die Bevölkerung verteilt. Darauf und mittels anderen Infokanälen wurden die Grundstückbesitzer darum gebeten, Gefässe, die im Garten stehen und mit Wasser gefüllt sind, zu vermeiden, regelmässig zu leeren oder abzudecken. Auch behandelten die Testgemeinden die Dolen im öffentlichen Raum regelmässig mit einem biologischen Schädlingsbekämpfungsmittel, um die Larven abzutöten.

Vorher und nachher begab sich ein Team des Awel auf Mückenjagd. Sie sammelten und bestimmten Mückenlarven aus zufällig ausgesuchten Wassergefässen. Dabei stellte sich heraus, dass die Asiatische Buschmücke wählerisch ist. Am liebsten benutzt sie für die Eiablage mittelgrosse Gefässe wie Regentonnen. Diese sollten, so eine Erkenntnis dieser Aktion, wöchentlich ausgeleert und mit einem Deckel verschlossen werden.

Invasion von West nach Ost

Über 1200 Gefässe untersuchten die Awel-Mitarbeitenden in den sechs Pilotgemeinden, über 47'000 Eier der Buschmücke zählten sie. In vier der sechs Gemeinden enthielt die Mehrheit der Proben Larven des «Exoten». Im Limmattal, das an den Kanton Aargau grenzt, gab es am meisten. Im Zürcher Oberland wurden erst wenige Hundert Eier pro Gemeinde gefunden.

Rein geografisch lässt dies vermuten, dass die Invasion von West nach Ost voll im Gang ist. So hatte es in Bubikon und Dürnten noch mehr Proben mit Larven der heimischen Mücke als derjenigen der Buschmücke.

Volk und Gemeinden zogen mit

Verblüffender aber ist der Unterschied zwischen den Test- und den Kontrollgemeinden. In den Testgemeinden, in denen die Bevölkerung informiert wurde, fanden die Projektleiter zwanzig Prozent weniger von jenen Gefässen, welche die Asiatische Buschmücke zur Eiablage nutzt. Das heisst: Die Gemeinden und ihre Einwohner zogen mit.

Und die Massnahmen fruchteten: In den Testgemeinden wurden nur noch halb so viele Eier gefunden wie in den Kontrollgemeinden. Das lasse darauf schliessen, dass die Massnahmen Wirkung gezeigt haben, schreiben Sylvie Flämig und Barbara Wiesendanger in ihrem Beitrag in der ZUP.

Plagegeister im Vormarsch

Mücken waren seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Schweiz zwar lästig, aber nicht mehr bedrohlich, da sie keine schweren Krankheiten mehr übertrugen. Damals verschwand Malaria weitgehend aus der Schweiz. Experten warnen nun aber, dass sich das ändern könnte.

So verbreitet sich, unter anderem aufgrund der globalen Erwärmung, seit den 1990er-Jahren die Asiatische Tigermücke in Europa. Sie kann Trägerin des Zika- oder Dengue-Virus sein und kommt, wie oben erwähnt, auch in der Schweiz vor. Vereinzelt sind auch schon Koreamücken festgestellt worden. Erforscht wird derzeit, ob die Asiatische Buschmücke auch als Überträgerin gefährlicher tropischer Erreger infrage kommt.

Quelle: «Zürcher Umweltpraxis», April 2018, Seite 29f. Autorinnen: Sylvie Flämig/Barbara Wiesendanger, Sektion Biosicherheit (Awel). (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.04.2018, 10:56 Uhr

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