Zürich nervt sich über neuen Veloverleih

Kaum verteilt, lösen die Fahrräder des Start-ups oBike Unmut aus. Täglich wird bei der Stadt reklamiert.

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Beim Sechseläutenplatz, am Hauptbahnhof, auf dem Werdmühleplatz, beim Landesmuseum, sie stehen in Zürich überall: die grau-gelben Velos von oBike. Die Fahrräder gehören zum neusten, mobilen Veloverleih Zürichs. Diesen hat vor wenigen Tagen das gleichnamige Singapurer Start-up lanciert – und seine Velos stören die Zürcher.

Das städtische Tiefbauamt erhalte zurzeit täglich Reklamationen wegen der oBikes, sagt Pio Sulzer, Kommunikationschef des Departements. Zürcherinnen und Zürcher würden sich beschweren, weil zu viele davon herumstünden. Und weil sie die Veloständer an wichtigen Orten verstopften.

Zürich sucht das Gespräch

Einer, der sich über die oBikes ärgert, ist der Stadtzürcher GLP-Gemeinderat Sven Sobernheim. Aufgefallen sind ihm die Bikes am Bahnhof Oerlikon, weil dort «gut zehn Stück stehen, wo das Abstellen von Velos verboten ist» und der Weg frei sein müsste für die Fussgängerinnen und Fussgänger. Er befürchtet, dass die Velos dort auch eine Zeit lang stehen bleiben werden: «Ich habe noch nie jemanden gesehen, der sie benützt.»

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Sobernheim fordert von der Stadt, dass sie nun handle. Entweder solle sie von der Firma eine Gebühr einziehen für das Benützen von öffentlichem Grund oder die Velos von ungünstigen Orten entfernen. Zuständig dafür ist Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger (FDP).

Departementssprecher Pio Sulzer sagt, man habe versucht, mit der Firma Kontakt aufzunehmen, habe Mails geschrieben. Bevor man ein Gespräch habe führen können, würden keine Velos entfernt. «Das wäre für uns Ultima Ratio, die letzte Möglichkeit.» Eine Gebühr zu erheben, sei nie ein Thema gewesen.

London und Taiwan machen kurzen Prozess

Das Start-up zu erreichen, ist nicht ganz einfach – zumal unklar ist, wo es sich überhaupt befindet. Angeblich ist der Hauptsitz in Singapur, die Telefonnummer einer Frau, die für den Schweizer Markt verantwortlich ist, führt jedoch nach China und wird von einem netten Herrn beantwortet, der kaum Englisch spricht. Per Mail klappt es schliesslich doch. Auf die Probleme in Zürich angesprochen, schreibt Raquel Schegg, die Zuständige von oBike, dass es Sammeltouren gebe, bei denen die Velos umverteilt würden. Sie kann aber nicht sagen, inwiefern die Firma mit der Stadt Zürich in Kontakt ist.

Andere Städte gehen mit oBike rabiater um. London hat die Firma aufgefordert, die Bikes zu entfernen, und angekündigt, sie sonst von der Polizei abtransportieren zu lassen. Auch in Taiwan ist die Polizei hinter oBikes her und stellt Bussen aus für Velos, die falsch parkiert sind.

Jubel-Einträge aus China

Während sich Zürich überlegt, wie die Stadt die Velos ordnen könnte, rührt oBike die Werbetrommel – zurzeit mit Gratisvelofahrten. Wer sich die App aufs Handy lädt und den Dienst nützen will, muss aber trotzdem erst eine Kaution von fast 130 Franken einzahlen.

Gemeinderat Sobernheim wollte die oBikes zwar ausprobieren. Einen derart hohen Betrag mochte er dann aber doch nicht zahlen. Tester des oBikes fällen ein hartes Urteil. Auf der Facebook-Seite von oBike finden sich viele kritische Voten. Grundtenor: Die Bikes sind zu schwer und die Fahrt zu mühsam, weil das Velo nur einen Gang hat. Dazwischen sind die Kommentare gespickt mit englischen Jubel-Einträgen, die meisten von asiatisch klingenden Namen oder von solchen in chinesischer Schrift.

Video: Das offizielle Zürcher Veloverleihsystem

Stadtrat Filippo Leutenegger stellt das für 2018 geplante Zürcher Verleihsystem vor. Video: SDA (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.07.2017, 13:32 Uhr

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