Zürich soll ein Zeichen gegen den Lehrermangel setzen

Nur die Arbeitszeiten zu verlängern, ist kurzsichtig. Es geht nicht ohne bedeutende Investitionen.

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Den Schulen stehen unruhige Zeiten bevor: Bald wird es zu wenig Lehrerinnen und Lehrer geben. Obwohl man im Moment noch nicht von Mangel sprechen kann, warnt das Zürcher Volksschulamt und legt den Schulen vorbeugende Massnahmen nahe. Sie sollen Lehrpersonen motivieren, mehr und übers Pensionsalter hinaus zu arbeiten. So stellt man sich vorausschauendes Handeln vor.

Die kantonalen Behörden machen es sich zu einfach, wenn sie das Problem nach unten delegieren. Sie könnten selber einiges beitragen, um einen Lehrermangel zu meistern. Das fängt schon bei den Kindergärtnerinnen an. Weshalb sind sie trotz Volksschul­reform immer noch eine Lohnklasse tiefer eingereiht als Primarlehrpersonen? Immerhin wurde der Zugang zum Kindergartenstudium erschwert, und der Kindergarten untersteht wie die Schule dem Lehrplan 21. Gleich viel verdienen wie Primarlehrer würden die Kindergärtnerinnen auch mit einer Beförderung um eine Lohnklasse noch nicht. Wegen der tieferen Arbeitszeiten haben sie nur Anspruch auf 87 Prozent eines vollen Lohnes.

Dass Lehrpersonen in Zürich besonders viel arbeiten, ist nicht erstaunlich: Nirgends sind die Klassen grösser.

Unbedingter Handlungsbedarf besteht bei der Arbeitszeit. Eine neue Studie belegt einmal mehr, dass Lehrpersonen erheblich Überzeit leisten, besonders im Kanton Zürich. Erhebungen, die auf Selbstdeklaration beruhen, sind zwar mit Vorsicht zu geniessen. Aber dass Zürcher Lehrpersonen besonders viel arbeiten, ist nicht erstaunlich: Nirgends in der Schweiz sind die Klassen grösser. Gleichzeitig wird den Lehrpersonen vergleichsweise wenig Zeit für die Unterrichtsvorbereitung eingeräumt. Es ist Zeit, dass der Kanton hier grosszügiger wird.

Aber soll man sich eine solche Millioneninvestition leisten angesichts der Tatsache, dass die Zürcher Schule schon heute eine der teuersten überhaupt ist? Die Antwort ist Ja. In Zürich sind schliesslich nicht nur die Schulen teurer als anderswo, sondern die Finanzlage ist so gut, dass der Kanton im nächsten Jahr die Steuern senken kann. Vor allem wird mit einer solchen Massnahme aber die Qualität des Unterrichts verbessert und ein Zeichen gegen den Lehrermangel gesetzt.

Erstellt: 26.05.2019, 21:56 Uhr

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