Zürich trauert um Beat Richner

An die Abdankung kamen am Mittwochnachmittag hunderte, die den Kinderarzt kannten und bewunderten. Sie schauten zurück auf sein bemerkenswertes Werk.

Ein Leben für die Kinder Kambodschas: Abdankungsfeier im Grossmünster und Stationen des im September verstorbenen Beat Richner. Video: Tamedia/SRF/SDA.

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25 Jahre lang hat Beat Richner jedes Jahr im Grossmünster Cello gespielt, in seiner Kirche. Als Beatocello seine Botschaften unter die Leute gebracht. Geld für sein Lebenswerk gesammelt.

Heute Mittwoch nahm Zürich, nahm das Grossmünster Abschied von Beat Richner, dem Kinderarzt, der in Kambodscha zuerst ein Spital und dann noch viel mehr aufgebaut hat, ein Pionierprojekt für das Gesundheitswesen eines ganzen Landes. Der zum persönlichen Berater des kambodschanischen Gesundheitsministers berufen wurde, der posthum vom König mit dem höchsten Orden des Landes ausgezeichnet wurde.

Der Geist soll weiterklingen

Am 9. September ist Beat Richner im Alter von 71 Jahren gestorben. Beato ist gegangen, das Cello ist geblieben. Es steht etwas abseits unter der Kanzel des Grossmünsters. Die Stiftung Kinderspital Kantha Bopha wird das Instrument begabten Künstlerinnen und Künstlern zur Verfügung stellen – «damit der Geist Beatocellos weiterklingt», wie es René Schwarzenbach, der Stiftungsratspräsident, im gut gefüllten Grossmünster formulierte.

Die Gedenkfeier war die Gelegenheit, nochmals auf Beat Richners Leben zurückzuschauen. In sehr persönlichen Worten tat dies etwa Alfred Löhrer, mit dem Richner 1978 seine eigene Praxis am Römerhof eröffnete. Ebenso Peter Studer, selber Kinderarzt und heute Stiftungsrat der Stiftung Kantha Bopha. Sie alle wiesen darauf hin, dass Richner in Kambodscha ein Held sei: The God Doctor werde er dort genannt.

«Gefangener meines Gewissens»

Im Hintergrund wurden Filmbilder aus Kambodscha eingespielt: Wie die Leute Schlange stehen, um Beat Richner die letzte Ehre zu erweisen, wie unzählige Menschen Blumen niederlegen und für Beatocello trauern. Wie wichtig Richner in Kambodscha war, wie wichtig seine Arbeit bis heute ist, unterstrichen die Reden des kambodschanischen Konsuls sowie des Chefarztes der Klinik in Phnom Penh.

Richner hatte sich 25 Jahre lang seiner Mission verschrieben, 25 Jahre in stetem Heimweh gelebt, ziemlich alleine und isoliert. Er sei ein «Gefangener meines Gewissens», hat er einmal über sich selber gesagt. Im Frühjahr 2017 kehrte Richner krankheitsbedingt zurück in die Schweiz. Begraben wird seine Asche dort, wo Beatocello gewirkt hat: Am 6. Dezember in einer buddhistischen Stupa vor seinem Kinderspital in Siem Reap. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.10.2018, 17:13 Uhr

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