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Zürich wählt rot, tiefrot

Sensationelle Wende im Kampf um den Stadtrat: Alle Wahlarithmetik, alle strategischen Überlegungen und alle Mutmassungen sind geschmolzen wie der Aprilschnee. Und die SVP half der AL.

Im Nachhinein ist die Wahlanalyse einfach: Vor die Wahl gestellt, entweder einen bürgerlichen oder einen linken Kandidaten ins Stadthaus zu schicken, entscheidet sich Zürich eher für den linken. Alle Wahlarithmetik, alle strategischen Überlegungen und alle Mutmassungen darüber, welche Auswirkungen das Resultat auf die Neuwahlen nächstes Jahr haben werden, sind geschmolzen wie der Aprilschnee.

Offenbar spielt es dabei kaum eine Rolle, dass der Kandidat extrem weit links von den dominierenden Sozialdemokraten steht. Wer hier wohnt und lebt, sieht Zürich eben nicht als die Wirtschaftsmetropole, in der es keinen Linksalternativen im Stadtrat verträgt. Ein Freisinniger, auch wenn er im Wahlkampf sehr zur Mitte hin tendiert, hat es in einer Direktbegegnung mit einem Linken schwer, sehr schwer.

Dennoch ist es natürlich eine Sensation, dass die Alternative Liste, die gerade mal auf 4 Prozent Wähleranteil kommt, für ihren Kandidaten eine Mehrheit findet. Die Kleinpartei, die auch im linken Lager häufig aneckt, hat ihre Chance gepackt. Sie schickten Richard Wolff ins Rennen, einen wortgewandten, in Debatten oft souveränen Politiker, der im Wahlkampf nicht nachliess. Wolff war für die Alternativen auch darum ein idealer Kandidat, weil er mit der Zürcher Wohnungsknappheit ein Thema besetzte, das allen unter den Nägeln brennt – gerade auch mittelständischen Familien, die sonst mit alternativer Politik wenig am Hut haben.

Den Alternativen und ihrem Kandidaten profitierten aber auch von den Fehlern ihrer Gegner. FDP und SVP hatten ihre Gegensätze nur hauchdünn übertüncht. Von einem starken, geeinten Auftritt war im Wahlkampf nichts zu spüren.

Es war die SVP, die das böseste Etikett für den FDP-Kandidaten Marco Camin erfand: Er eiere herum. Die beiden bürgerlichen Parteien hatten die Alternativen und Wolff als Gegner unterschätzt. Das rächte sich: Gerade in der SVP-Hochburg Kreis 12 war die Wahlbeteiligung erbärmlich tief. Camins Vorsprung in den ihm gewogenen Wahlkreisen reichte nicht aus, um seinen Rückstand in den linken Kreisen wettzumachen.

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