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Zürichs gefährliche Mutproben

Der Sprung von einem Kran in Wollishofen hat für einen Mann tödlich geendet. In Zürich gibt es mehrere Orte, an denen unter Gefahr ins Wasser gesprungen wird.

Ja nicht springen! Der Lastkran der Firma Kibag im Hafen Tiefenbrunnen.
Ja nicht springen! Der Lastkran der Firma Kibag im Hafen Tiefenbrunnen.
Doris Fanconi

Es ist kein Ort, an dem man normalerweise baden geht: Es braucht Mut, um auf den Lastkran in Wollishofen zu klettern und die zehn Meter in den Zürichsee zu springen. Trotzdem ist der Kran als Sprungturm beliebt. Doch wer springt, unterschätzt, wie gefährlich das sein kann. Am Sonntagabend ist ein Mann nach dem Wagnis gestorben.

Der Lastkran in der Nähe der Roten Fabrik gehört der Baustofffirma Kibag. Sie nützt ihn, um Material wie Kies auf Schiffe zu verladen. Das Gelände ist privat und als solches markiert. Der Kran sei kein Sprungturm, heisst es beim Unternehmen. Es sei verboten, hochzuklettern und zu springen. Trotzdem werde das gemacht. Das Unternehmen bedauert es sehr, dass es nun zu einem tödlichen Unfall gekommen ist. Laut der Stadtpolizei Zürich ist es an dieser Stelle zum ersten Mal zu einem Todesfall gekommen.

Auf Youtube inszenieren sich die waghalsigen Springer selbst.

Es gibt in Zürich mehrere sehr gefährliche Orte, an denen Waghalsige immer wieder ins Wasser springen. Dazu gehört auch ein weiterer Lastkran der Firma Kibag. Er befindet sich just auf der anderen Seeseite des Wollishofer Krans, im Hafen Tiefenbrunnen. Auch dort ist Springen verboten. Es wird aber trotzdem gemacht.

EWZ-Gebäude und Brücken locken

Bei beiden Kränen ist der See im Grunde zu seicht für einen Sprung aus zehn Meter Höhe. Vor dem Wollishofer Kran ist er zwischen drei bis vier Meter tief, vor jenem in Tiefenbrunnen wird es ähnlich sein. Nach den Richtlinien des Weltschwimmverbands muss ein Schwimmbecken unterhalb eines 10-Meter-Sprungturms eine Tiefe von 4,5 bis 5 Metern haben.

Von ziemlicher Höhe wird auch in die Limmat gesprungen. Bekannt und ebenfalls verboten ist der Sprung vom Gebäude der Elektrizitätswerke Zürich (EWZ) zwischen dem Unteren und dem Oberen Letten. Das Haus ist gegen 15 Meter hoch, das Wasser nur zwischen 3,4 bis 4 Meter tief.

Das EWZ hat am Haus bereits mehrfach Anpassungen gemacht, damit niemand mehr hochklettern kann. Trotzdem wagen es immer noch mehrere Menschen pro Saison. Laut Sprecherin Lena Harm waren es diesen Sommer rund ein Dutzend, die bemerkt worden sind. Sie sagt: «Wir raten dringend davon ab. Es ist zu gefährlich.»

Verletzt nach Viaduktsprung

Als Sprungtürme missbraucht werden auch die Limmatbrücken – wie die Kornhausbrücke oder der Letten-Viadukt oberhalb des Unteren Lettens. Die Brücke ist acht, der Viadukt zehn Meter hoch. In diesem Sommer verletzte sich ein 37-jähriger Mann nach einem Sprung vom Viadukt. Er wurde von einem Unbekannten gerettet und an Land gezogen.

Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft, die Rettungsschwimmer ausbildet, hält Kräne, Gebäude und Brücken für denkbar ungeeignete Sprungtürme. Kommunikationsleiter Philipp Binaghi sagt: «Man sollte nie ins Wasser springen, wenn man den Grund nicht sieht, es nicht gut kennt, oder es trüb ist.»

Wer aus der Höhe hinunterspringen wolle, solle zudem die offiziellen Sprungtürme zum Beispiel der öffentlichen Bäder nützen. Dort sei die Wassertiefe gewährleistet. Binaghi vermutet, dass sich Springer nicht bewusst sind, welches Risiko sie eingehen, wenn sie sich von einem Lastkran in den See fallen lassen.

Gefahr durch Strömung und Aufprall

Anita Wermelinger vom Verein Zürcher Wasserspringer bestätigt die Bedeutung der Wassertiefe für die Sicherheit. Sie betont, dass aber auch die Strömung unter Wasser entscheidend sein könne, wie gut man wieder aus dem Wasser kommt. Diese kann sich verändern. Sie sagt: «Wo es im einen Jahr problemlos war, kann im nächsten eine schwierige Strömung auftreten.» Sie würde deshalb nie in ein Gewässer springen, das sie nicht gut kennt, schon gar nicht, wenn die Sicht schlecht ist. Fast am meisten Bedeutung für ein gutes Gelingen sei jedoch, wie man springe und den Aufprall abfedern könne.

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