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Zürichs Linke fällt Anti-Kongress-Entscheid

Auf dem Carparkplatz gleich neben dem Zürcher HB darf vieles entstehen – nur kein Kongresszentrum, wie es etwa Uni und ETH gerne hätten. Das hat der Gemeinderat beschlossen.

Ein umstrittenes Areal mitten in der Stadt: Der Carparkplatz in Zürich. Bild: Sabina Bobst
Ein umstrittenes Areal mitten in der Stadt: Der Carparkplatz in Zürich. Bild: Sabina Bobst

Der Entscheid fiel gestern mit 63 zu 42 Stimmen bei 8 Enthaltungen deutlich und soll vor allem eines verhindern: ein neues Kongresszentrum mitten in Zürich. Der Carparkplatz soll oder kann für vieles andere benutzt werden, von Kongresstourismus mit Sälen und zwei Hotels an bester Lage hält der Gemeinderat aber nichts. Er hat eine Motion überwiesen, die einen offenen Mitwirkungsprozess für die zukünftige Entwicklung des Carparkplatzes verlangt; er sei ein städtebaulich wichtiger Standort mit einem grossen Potenzial. Für die Motionäre Urs Helfenstein (SP) und die Stadtratskandidatin Karin Rykart (Grüne) sowie acht Mitunterzeichner hat dort ein Kongresszentrum jedoch keinen Platz.

Die Geschichte um ein Kongresszentrum und das Kongresshaus in Zürich ist lang und leidig. Da wurde ein Projekt am See in einer Volksabstimmung abgelehnt, weil es zu gross war; es wurden Standorte evaluiert. Und nun wird schliesslich das alte Kongresshaus erneuert. Private ergriffen die Initiative, um ein Kongresszentrum auf privater Basis beim Carparkplatz – einem der evaluierten Standorte – zu bauen. Dabei handelt es sich um die IG Kongress-Stadt Zürich, die mit Mobimo das Vorhaben vorwärtsgetrieben hat. Aus dem Kreis 5 kam schon bald Opposition, die sich nun über den politischen Weg im Gemeinderat durchgesetzt hat.

Ärger über «Verhinderungspolitik»

CVP-Präsident und Stadtratskandidat Markus Hungerbühler enervierte sich gestern im Rat: «Das ist typische linksgrüne Verhinderungspolitik.» Der Vorstoss sei, kurze Zeit nachdem die Pläne am Carparkplatz öffentlich geworden waren, eingereicht worden. «Ihnen geht es nur darum, subventionierten Wohnraum an bester Lage hinzustellen», warf er der Ratslinken vor.

Michael Baumer, Stadtratskandidat der FDP, sagte, das alte Kongresshaus werde nicht zu einem richtigen Kongresszentrum umgebaut, ETH und Uni monierten schon heute, es gebe zu wenig Kongressinfrastruktur in der Stadt. Und Michael Schmid, ebenfalls von der FDP, meinte, die Motionäre würden mehr Mitsprache bei der Entwicklung des Areals verlangen, aber mit dem Kongresszentrum ein Projekt davon ausschliessen. Mit diesem könnte man schliesslich in die Diskussion einsteigen.

«Opportunistische Gelüste»

Motionär Helfenstein betonte in seinem Votum denn auch gerade diesen Punkt: «Die Mitbestimmung der Quartierbevölkerung, das ist hier das Wichtigste.» Zudem gebe es keine Stadt, in der sich ein Kongresszentrum gleich im Stadtkern beim Bahnhof befinde. Rykart fand zudem, dass in letzter Zeit «schon unheimlich viele Hotels» im Kreis 5 entstanden seien. Man dürfe sich nicht auf opportunistische Gelüste von Privaten ausrichten, sagte Christine Seidler (SP).

Der Stadtrat tat sich schwer mit dem Vorstoss. Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) war bereit, ihn als weniger verbindliches Postulat entgegenzunehmen. Das Areal verführe immer wieder zu Ideen und Fantasien, meinte er. Einen Bedarf für ein Kongresszentrum sah aber auch er nicht. Er forderte etwas mehr optimistische Geduld – vergebens.

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