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Zürichs neuer Airport für Scheichs und Geschäftsleute

Ein Zürcher Architekturbüro hat den Wettbewerb für den geplanten Zivilflugplatz in Dübendorf gewonnen. Ein wichtiges Kriterium: Diskretion für die Nutzer der Privatjets.

Pascal Unternährer
Urs Brütsch, CEO Flugplatz Dübendorf AG, nimmt Stellung zum Abstimmungskampf um den Betrieb des Flugplatzes. (Video: Tamedia/Pascal Unternäher/Meier Hug Architekten)

In Dübendorf, Wangen-Brüttisellen und Volketswil tobt gerade der Abstimmungskampf um den künftigen Betrieb des Flugplatzes. Die Anrainergemeinden wollen den ehemaligen Militärflugplatz selber als Werkflugplatz betreiben und fragen ihre Stimmbürger am 26. November, ob sie bereit sind, die jährliche Defizitgarantie von 1,3 Millionen Franken zu tragen.

Dessen ungeachtet hat heute Donnerstag die Flugplatz Dübendorf AG ihre Pläne für das Business Aviation Center enthüllt. Geschäftsleiter Urs Brütsch begründet den Schritt folgendermassen: «Wir wollen transparent sein und der Bevölkerung zeigen, was wir auf dem Areal vorhaben.»

«Mr. Business-Airport»: Urs Brütsch ist CEO der Flugplatz Dübendorf AG.
«Mr. Business-Airport»: Urs Brütsch ist CEO der Flugplatz Dübendorf AG.
Pascal Unternährer
Studie für den geplanten Innovationspark: Am 27. August 2014 präsentierten der damalige Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP) und Baudirektor Markus Kägi (SVP) die städtebauliche Studie, welche die Basis für den kantonalen Gestaltungsplan bildet.
Studie für den geplanten Innovationspark: Am 27. August 2014 präsentierten der damalige Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP) und Baudirektor Markus Kägi (SVP) die städtebauliche Studie, welche die Basis für den kantonalen Gestaltungsplan bildet.
Staatskanzlei Kanton Zürich
Überbauung mit «Säntisachse» im «Götterbogen»: Ausgangspunkt des Innovationspark-Projekt von Hosoya Schaefer ist der Eingang zum Flughafen an der Ecke Wangenstrasse/Rechweg – auch «Götterbogen» genannt. Die Aussicht in Richtung Säntis soll auf dem Flugplatz Dübendorf dauerhaft freigehalten werden.
Überbauung mit «Säntisachse» im «Götterbogen»: Ausgangspunkt des Innovationspark-Projekt von Hosoya Schaefer ist der Eingang zum Flughafen an der Ecke Wangenstrasse/Rechweg – auch «Götterbogen» genannt. Die Aussicht in Richtung Säntis soll auf dem Flugplatz Dübendorf dauerhaft freigehalten werden.
Staatskanzlei Kanton Zürich
Geht es nach FDP-Nationalrat Ruedi Noser, entsteht nach dem Abzug der Armee...
Geht es nach FDP-Nationalrat Ruedi Noser, entsteht nach dem Abzug der Armee...
TA-Archiv
... ein Innovationspark.
... ein Innovationspark.
zvg
Heikle Lage des Flugplatzes: Das Gelände liegt in der Landwirtschaftszone. Darin befinden sich zum Teil Fruchtfolgeflächen.
Heikle Lage des Flugplatzes: Das Gelände liegt in der Landwirtschaftszone. Darin befinden sich zum Teil Fruchtfolgeflächen.
gis.zh.ch
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind auf dem Gelände die Flieger zu Hause.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind auf dem Gelände die Flieger zu Hause.
PD
Ursprünglich war Dübendorf der Heimflughafen der Swissair. Noch heute befindet sich das historische Aufnahmegebäude am Pistenrand.
Ursprünglich war Dübendorf der Heimflughafen der Swissair. Noch heute befindet sich das historische Aufnahmegebäude am Pistenrand.
PD
Schon früh realisierten Pioniere in Dübendorf ihre Träume. Ein Beispiel dafür ist Auguste Piccard, der mit seinem Ballon vom Flugplatz aus in die Stratosphäre abhob.
Schon früh realisierten Pioniere in Dübendorf ihre Träume. Ein Beispiel dafür ist Auguste Piccard, der mit seinem Ballon vom Flugplatz aus in die Stratosphäre abhob.
PD
Der jüngste Rekordhalter von Dübendorf ist Carlo Schmid: Der Schweizer Pilot flog allein in 80 Tagen um die Welt.
Der jüngste Rekordhalter von Dübendorf ist Carlo Schmid: Der Schweizer Pilot flog allein in 80 Tagen um die Welt.
Keystone
Auch er hat mit seinem Solarflieger auf dem Flugplatz Dübendorf Geschichte geschrieben: Bertrand Piccard (r.) mit Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger.
Auch er hat mit seinem Solarflieger auf dem Flugplatz Dübendorf Geschichte geschrieben: Bertrand Piccard (r.) mit Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger.
Keystone
Ein Stück Luftfahrtgeschichte ist heute noch in Dübendorf heimisch: Die Ju-52.
Ein Stück Luftfahrtgeschichte ist heute noch in Dübendorf heimisch: Die Ju-52.
Keystone
Ebenfalls in Dübendorf stationiert ist die Rega.
Ebenfalls in Dübendorf stationiert ist die Rega.
Keystone
Der Flugplatz Dübendorf wird immer wieder als Veranstaltungsort genutzt. So auch 2006, als die Rolling Stones dort auftraten.
Der Flugplatz Dübendorf wird immer wieder als Veranstaltungsort genutzt. So auch 2006, als die Rolling Stones dort auftraten.
Keystone
Oder als Michael Albasini (l.) mit seinem Team Swiss Celebrity (hier im Gespräch mit Doppel-Olympiasieger Simon Ammann) an der Red-Bull-Jungfrau-Stafette 2010 teilnahm.
Oder als Michael Albasini (l.) mit seinem Team Swiss Celebrity (hier im Gespräch mit Doppel-Olympiasieger Simon Ammann) an der Red-Bull-Jungfrau-Stafette 2010 teilnahm.
Keystone
Jedes Jahr finden zudem die Biker des Love Ride den Weg zum Flugplatz Dübendorf.
Jedes Jahr finden zudem die Biker des Love Ride den Weg zum Flugplatz Dübendorf.
Keystone
Während des WEF nutzen die Staatsmänner den Flugplatz Dübendorf als Parkplatz für ihre Jets.
Während des WEF nutzen die Staatsmänner den Flugplatz Dübendorf als Parkplatz für ihre Jets.
Keystone
Radquer «Flüüger-Quer» in Dübendorf.
Radquer «Flüüger-Quer» in Dübendorf.
Gesa Lüchinger
Zukunftsvisionen hat aber nicht nur Nationalrat Ruedi Noser. Einer Architektengruppe schwebt die Glattalstadt vor.
Zukunftsvisionen hat aber nicht nur Nationalrat Ruedi Noser. Einer Architektengruppe schwebt die Glattalstadt vor.
PD
Der Thinktank Denk-Allmend für den Flugplatz Dübendorf hat zudem Zukunftsideen gesammelt. Die Juroren haben vier Visionen prämiert. Auf dem 3. Platz haben die Juroren die Vision «Flex» rangiert.
Der Thinktank Denk-Allmend für den Flugplatz Dübendorf hat zudem Zukunftsideen gesammelt. Die Juroren haben vier Visionen prämiert. Auf dem 3. Platz haben die Juroren die Vision «Flex» rangiert.
zvg
Auf den 2. Platz setzt die Jury das Projekt «Ein Moment Klarheit». Dieses will das gesamte Areal des Flugplatzes Dübendorf mit einer spiegelnden Fläche überziehen. Dadurch werde der Ort aufgehoben und gleichzeitig unendlich gross.
Auf den 2. Platz setzt die Jury das Projekt «Ein Moment Klarheit». Dieses will das gesamte Areal des Flugplatzes Dübendorf mit einer spiegelnden Fläche überziehen. Dadurch werde der Ort aufgehoben und gleichzeitig unendlich gross.
zvg
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Der Bund, der auf dem Gelände das Sagen hat, erteilte der AG 2014 den Auftrag für einen zivilen Flugplatz und hat diesen Entscheid mehrmals bestätigt. Es besteht der feste Wille, die Geschäftsfliegerei von Kloten nach Dübendorf zu verlegen. Auch die Leichtaviatik, die Rega, der Helikopter der Kantonspolizei Zürich und jene der Armee sollen auf dem Gelände ihren Platz finden. Im Jahr sollen maximal 28’500 Flügeabgewickelt werden, vor allem Businessjets.

Aussen auffällig, innen diskret

Die Flugplatz AG hat einen Architekturwettbewerb veranstaltet und sechs Teams eingeladen. Gewonnen haben Meier Hug Architekten aus Zürich, die in der Stadt auch eine Grossüberbauung in der Manegg verantworten, das auffällige Züri-WC beim Stadthaus oder den Umbau des Danzas-Hauses am Bleicherweg.

Gemäss dem einstimmigen Juryentscheid überzeugte das Projekt von Meier Hug am meisten. Den Architekten seien eine «ebenmässige Gliederung und eine grosszügig wirkende städtebauliche Anordnung» gelungen. Begeistert ist die Jury von der schrägen metallische Verkleidung, die den «Anschein eines Kleids» erwecke. Den Laien erinnert sie an die Klinik Pyramide im Zürcher Seefeld.

Die Vergangenheit des Flugplatzes Dübendorf:

Der Bund machte Dübendorf 1914 zum Standort der neu geschaffenen Fliegertruppe. Das Militär richtete sich dort ein und erbaute am Pistenrand einen Kontrollturm.
Der Bund machte Dübendorf 1914 zum Standort der neu geschaffenen Fliegertruppe. Das Militär richtete sich dort ein und erbaute am Pistenrand einen Kontrollturm.
Keystone
Bis November 1918 war das Flugplatzareal Eigentum von Privaten. Dann erwarb es die Landesregierung für 380'000 Franken.
Bis November 1918 war das Flugplatzareal Eigentum von Privaten. Dann erwarb es die Landesregierung für 380'000 Franken.
zvg
Im Juli 1932 händigten die Mitarbeiter der Fluggesellschaft Swissair die ersten Einsteigekarten an Passagiere aus.
Im Juli 1932 händigten die Mitarbeiter der Fluggesellschaft Swissair die ersten Einsteigekarten an Passagiere aus.
zvg
«Flugplatz Zürich» – diesen stolzen Namen trug das zweigeschossige Aufnahmegebäude während 16 Jahren.
«Flugplatz Zürich» – diesen stolzen Namen trug das zweigeschossige Aufnahmegebäude während 16 Jahren.
zvg
Ursprünglich war der Flugplatz der Heimflughafen der Swissair.
Ursprünglich war der Flugplatz der Heimflughafen der Swissair.
zvg
Ein heute unscheinbares Gebäude mit herrschaftlicher Vorfahrt war einst ein kleines Tor zur Welt.
Ein heute unscheinbares Gebäude mit herrschaftlicher Vorfahrt war einst ein kleines Tor zur Welt.
zvg
Das Aufnahmegebäude des einstigen Zivilflugplatzes von Dübendorf ist seit 2005 im Inventar der kantonalen Denkmalpflege.
Das Aufnahmegebäude des einstigen Zivilflugplatzes von Dübendorf ist seit 2005 im Inventar der kantonalen Denkmalpflege.
zvg
Die Restaurantbesucher blieben während des Zweiten Weltkrieges aus – eine Konsequenz des rationierten Benzins. Stammgäste waren die auf dem Flugplatz stationierten Truppen.
Die Restaurantbesucher blieben während des Zweiten Weltkrieges aus – eine Konsequenz des rationierten Benzins. Stammgäste waren die auf dem Flugplatz stationierten Truppen.
zvg
Schon früh realisierten Pioniere in Dübendorf ihre Träume. Ein Beispiel dafür ist Auguste Piccard, der mit seinem Ballon vom Flugplatz aus in die Stratosphäre abhob.
Schon früh realisierten Pioniere in Dübendorf ihre Träume. Ein Beispiel dafür ist Auguste Piccard, der mit seinem Ballon vom Flugplatz aus in die Stratosphäre abhob.
zvg
Der Flugplatz Dübendorf erstreckt sich heute über ein Gelände von 2,5 Quadratkilometern und ist das Revier der Luftwaffe.
Der Flugplatz Dübendorf erstreckt sich heute über ein Gelände von 2,5 Quadratkilometern und ist das Revier der Luftwaffe.
zvg
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Weiter lobt die Jury, dass die betrieblichen Wege und jene der Passagiere schön getrennt sind, was für die «gewünschte Diskretion» sorge. Komfortabel soll es auch werden: Ein grosses Vordach des Centers sorgt dafür, dass die Scheichs und Geschäftsleute wetterunabhängig aus ihren Privatjets steigen können. Auf der Rückseite können die Kunden überdacht aus ihren Limousinen aussteigen. Dass die Rega im Westen des Areals einen neuen Vorplatz erhält, war für die Jury ebenfalls ein Pluspunkt.

Gemäss Fabio Hausammann, Verwaltungsratspräsident der Flugplatz AG, wurde tatsächlich Wert auf Diskretion und kurze Wege gelegt. Das sei auch im heutigen Business Aviation Center auf dem Flughafengelände in Kloten so, aber dieses muss einem Umrollungsweg weichen. Gemäss Hausammann wächst die Businessaviatik derart kräftig, dass der künftige Zivilflugplatz in Dübendorf den Bedarf nicht ganz wird decken können. Einige Privatjets werden in Kloten bleiben.

Gefragt war etwas Unverwechselbares

Der Auftrag an die Architekten war, ein «unverwechselbares und identitätsstiftendes städtebauliches Gesamtkonzept» zu entwerfen, das Kunden und Besucher des Business-Airports emotional abholt. Gefordert waren ein «Gesicht» für den Flugplatz (das Business Aviation Center als Terminal), ein Betriebszentrum, Hangars für die Flugzeuge, ein Tanklager, Büroflächen, Autoparkplätze und nicht zuletzt eine Zuschauerterrasse und Flächen für die Gastronomie.

Gebaut wird einen Kilometer lang auf der grünen Wiese nördlich der Überlandstrasse in Dübendorf. Neben einem neuen Rega-Center möglichst im Westen, also in der Nähe des Bahnhofs Dübendorf, gehörten auch Unterhaltbetriebe für die Business Aviation und ein General Aviation Center für die Leichtaviatik zum Auftrag.

Video: Das sagen Dübendorfer zu den grossen Plänen

«Eigentlich ein Eigengoal»: Strassenumfrage von 2014. Video: Jan Derrer, Anja Metzger

Die heute präsentierten Bauten werden rund 100 bis 120 Millionen Franken kosten. Die Flugplatz AG hat vom Bund eine Betriebsbewilligung und einen Baurechtsvertrag für 30 Jahre erhalten. Luftwaffe, Rega, Nostalgieaviatik und andere werden wohl eine ähnliche Summe auf dem Areal verbauen. Zusammen mit weiteren Tiefbauten wird es insgesamt um bis zu 250 Millionen Franken gehen.

Nun wird erst einmal weiterprojektiert. Geplant ist, dass das Umwelt-, Verkehrs-, Energie- und Kommunikationsdepartement (Uvek) von Doris Leuthard nach einer öffentlichen Anhörung im Frühling 2019 ein Objektblatt dem Bundesrat vorlegt. Ein Entscheid zu den Plangenehmigungsgesuchen ist gemäss Flugplatzchef Brütsch Ende 2019 zu erwarten. Es würde angesichts des Widerstands in Dübendorf nicht erstaunen, wenn es danach vor den Gerichten weitergeht. Take-off dürfte nicht vor 2022 sein.

Ein Spaziergang um das Areal:

Anflug auf Dübendorf: Die Piste wird nur noch selten fürs Starten und Landen gebraucht.
Anflug auf Dübendorf: Die Piste wird nur noch selten fürs Starten und Landen gebraucht.
Urs Jaudas
In zwei Stunden rund um den Militär-Flugplatz Dübendorf - Wäsche-Trockner am Rand des Flugfeldes
In zwei Stunden rund um den Militär-Flugplatz Dübendorf - Wäsche-Trockner am Rand des Flugfeldes
Doris Fanconi
Idylle am Pistenrand: Anwohner haben sich ein kleines Paradies aufgebaut.
Idylle am Pistenrand: Anwohner haben sich ein kleines Paradies aufgebaut.
Doris Fanconi
An der Grenze: Entlang des Hags um den Flugplatz blühen die Wiesen.
An der Grenze: Entlang des Hags um den Flugplatz blühen die Wiesen.
Doris Fanconi
Unter der Wolke: Die Freiheit hat doch Grenzen - ein Teil des Flugplatzes ist militärisches Sperrgebiet.
Unter der Wolke: Die Freiheit hat doch Grenzen - ein Teil des Flugplatzes ist militärisches Sperrgebiet.
Doris Fanconi
Gras drüber wachsen lassen: Unter anderem aus Dübendorf kommt das Heu für die Elefanten im Zoo Zürich.
Gras drüber wachsen lassen: Unter anderem aus Dübendorf kommt das Heu für die Elefanten im Zoo Zürich.
Doris Fanconi
Lärmiger Ort: An einem normalen Werktag ist der Strassen- fast lauter als der Fluglärm.
Lärmiger Ort: An einem normalen Werktag ist der Strassen- fast lauter als der Fluglärm.
Doris Fanconi
Freie Sicht: Im Airforce-Center wird einem geradezu nostalgisch zu Mute. Vor allem, wenn unten noch JU-52 rangiert werden.
Freie Sicht: Im Airforce-Center wird einem geradezu nostalgisch zu Mute. Vor allem, wenn unten noch JU-52 rangiert werden.
Doris Fanconi
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