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Zürichs neuer Airport für Scheichs und Geschäftsleute

Ein Zürcher Architekturbüro hat den Wettbewerb für den geplanten Zivilflugplatz in Dübendorf gewonnen. Ein wichtiges Kriterium: Diskretion für die Nutzer der Privatjets.

Urs Brütsch, CEO Flugplatz Dübendorf AG, nimmt Stellung zum Abstimmungskampf um den Betrieb des Flugplatzes. (Video: Tamedia/Pascal Unternäher/Meier Hug Architekten)

In Dübendorf, Wangen-Brüttisellen und Volketswil tobt gerade der Abstimmungskampf um den künftigen Betrieb des Flugplatzes. Die Anrainergemeinden wollen den ehemaligen Militärflugplatz selber als Werkflugplatz betreiben und fragen ihre Stimmbürger am 26. November, ob sie bereit sind, die jährliche Defizitgarantie von 1,3 Millionen Franken zu tragen.

Dessen ungeachtet hat heute Donnerstag die Flugplatz Dübendorf AG ihre Pläne für das Business Aviation Center enthüllt. Geschäftsleiter Urs Brütsch begründet den Schritt folgendermassen: «Wir wollen transparent sein und der Bevölkerung zeigen, was wir auf dem Areal vorhaben.»

«Mr. Business-Airport»: Urs Brütsch ist CEO der Flugplatz Dübendorf AG.
«Mr. Business-Airport»: Urs Brütsch ist CEO der Flugplatz Dübendorf AG.
Pascal Unternährer
Der Flugplatz Dübendorf erstreckt sich über ein Gelände von 2,5 Quadratkilometern.
Der Flugplatz Dübendorf erstreckt sich über ein Gelände von 2,5 Quadratkilometern.
PD
Der Gewinner des Ideenwettbewerbs heisst «Dübenholz». Die Vision will den Militärflugplatz in ein «Waldgebiet als urbane Infrastruktur» verwandeln. Es bietet Fläche für Wälder, Felder, Wege, Sportmöglichkeiten und hölzerne Hochhäuser.
Der Gewinner des Ideenwettbewerbs heisst «Dübenholz». Die Vision will den Militärflugplatz in ein «Waldgebiet als urbane Infrastruktur» verwandeln. Es bietet Fläche für Wälder, Felder, Wege, Sportmöglichkeiten und hölzerne Hochhäuser.
zvg
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Der Bund, der auf dem Gelände das Sagen hat, erteilte der AG 2014 den Auftrag für einen zivilen Flugplatz und hat diesen Entscheid mehrmals bestätigt. Es besteht der feste Wille, die Geschäftsfliegerei von Kloten nach Dübendorf zu verlegen. Auch die Leichtaviatik, die Rega, der Helikopter der Kantonspolizei Zürich und jene der Armee sollen auf dem Gelände ihren Platz finden. Im Jahr sollen maximal 28’500 Flügeabgewickelt werden, vor allem Businessjets.

Aussen auffällig, innen diskret

Die Flugplatz AG hat einen Architekturwettbewerb veranstaltet und sechs Teams eingeladen. Gewonnen haben Meier Hug Architekten aus Zürich, die in der Stadt auch eine Grossüberbauung in der Manegg verantworten, das auffällige Züri-WC beim Stadthaus oder den Umbau des Danzas-Hauses am Bleicherweg.

Gemäss dem einstimmigen Juryentscheid überzeugte das Projekt von Meier Hug am meisten. Den Architekten seien eine «ebenmässige Gliederung und eine grosszügig wirkende städtebauliche Anordnung» gelungen. Begeistert ist die Jury von der schrägen metallische Verkleidung, die den «Anschein eines Kleids» erwecke. Den Laien erinnert sie an die Klinik Pyramide im Zürcher Seefeld.

Die Vergangenheit des Flugplatzes Dübendorf:

Der Bund machte Dübendorf 1914 zum Standort der neu geschaffenen Fliegertruppe. Das Militär richtete sich dort ein und erbaute am Pistenrand einen Kontrollturm.
Der Bund machte Dübendorf 1914 zum Standort der neu geschaffenen Fliegertruppe. Das Militär richtete sich dort ein und erbaute am Pistenrand einen Kontrollturm.
Keystone
...des Cheffluglehrers Oberleutnant Oskar Markus Bider. Hier posiert er mit seinem Hund neben seinem Flugzeug in Dübendorf (1919). Bider verunglückte in Dübendorf tödlich.
...des Cheffluglehrers Oberleutnant Oskar Markus Bider. Hier posiert er mit seinem Hund neben seinem Flugzeug in Dübendorf (1919). Bider verunglückte in Dübendorf tödlich.
Sammlung, Keystone
Ebenfalls dort zu Hause ist ein Stück Luftfahrtgeschichte: Die Ju-52.
Ebenfalls dort zu Hause ist ein Stück Luftfahrtgeschichte: Die Ju-52.
Keystone
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Weiter lobt die Jury, dass die betrieblichen Wege und jene der Passagiere schön getrennt sind, was für die «gewünschte Diskretion» sorge. Komfortabel soll es auch werden: Ein grosses Vordach des Centers sorgt dafür, dass die Scheichs und Geschäftsleute wetterunabhängig aus ihren Privatjets steigen können. Auf der Rückseite können die Kunden überdacht aus ihren Limousinen aussteigen. Dass die Rega im Westen des Areals einen neuen Vorplatz erhält, war für die Jury ebenfalls ein Pluspunkt.

Gemäss Fabio Hausammann, Verwaltungsratspräsident der Flugplatz AG, wurde tatsächlich Wert auf Diskretion und kurze Wege gelegt. Das sei auch im heutigen Business Aviation Center auf dem Flughafengelände in Kloten so, aber dieses muss einem Umrollungsweg weichen. Gemäss Hausammann wächst die Businessaviatik derart kräftig, dass der künftige Zivilflugplatz in Dübendorf den Bedarf nicht ganz wird decken können. Einige Privatjets werden in Kloten bleiben.

Gefragt war etwas Unverwechselbares

Der Auftrag an die Architekten war, ein «unverwechselbares und identitätsstiftendes städtebauliches Gesamtkonzept» zu entwerfen, das Kunden und Besucher des Business-Airports emotional abholt. Gefordert waren ein «Gesicht» für den Flugplatz (das Business Aviation Center als Terminal), ein Betriebszentrum, Hangars für die Flugzeuge, ein Tanklager, Büroflächen, Autoparkplätze und nicht zuletzt eine Zuschauerterrasse und Flächen für die Gastronomie.

Gebaut wird einen Kilometer lang auf der grünen Wiese nördlich der Überlandstrasse in Dübendorf. Neben einem neuen Rega-Center möglichst im Westen, also in der Nähe des Bahnhofs Dübendorf, gehörten auch Unterhaltbetriebe für die Business Aviation und ein General Aviation Center für die Leichtaviatik zum Auftrag.

Video: Das sagen Dübendorfer zu den grossen Plänen

«Eigentlich ein Eigengoal»: Strassenumfrage von 2014. Video: Jan Derrer, Anja Metzger

Die heute präsentierten Bauten werden rund 100 bis 120 Millionen Franken kosten. Die Flugplatz AG hat vom Bund eine Betriebsbewilligung und einen Baurechtsvertrag für 30 Jahre erhalten. Luftwaffe, Rega, Nostalgieaviatik und andere werden wohl eine ähnliche Summe auf dem Areal verbauen. Zusammen mit weiteren Tiefbauten wird es insgesamt um bis zu 250 Millionen Franken gehen.

Nun wird erst einmal weiterprojektiert. Geplant ist, dass das Umwelt-, Verkehrs-, Energie- und Kommunikationsdepartement (Uvek) von Doris Leuthard nach einer öffentlichen Anhörung im Frühling 2019 ein Objektblatt dem Bundesrat vorlegt. Ein Entscheid zu den Plangenehmigungsgesuchen ist gemäss Flugplatzchef Brütsch Ende 2019 zu erwarten. Es würde angesichts des Widerstands in Dübendorf nicht erstaunen, wenn es danach vor den Gerichten weitergeht. Take-off dürfte nicht vor 2022 sein.

Ein Spaziergang um das Areal:

Anflug auf Dübendorf: Die Piste wird nur noch selten fürs Starten und Landen gebraucht.
Anflug auf Dübendorf: Die Piste wird nur noch selten fürs Starten und Landen gebraucht.
Urs Jaudas
In zwei Stunden rund um den eingehagten Militär-Flugplatz Dübendorf - Platz für Bogenschützen am Rand des Flugfeldes
In zwei Stunden rund um den eingehagten Militär-Flugplatz Dübendorf - Platz für Bogenschützen am Rand des Flugfeldes
Doris Fanconi
Jets gibt es nur noch im Museum: Das Militär fliegt hier noch mit Helikoptern und Propellermaschinen.
Jets gibt es nur noch im Museum: Das Militär fliegt hier noch mit Helikoptern und Propellermaschinen.
Doris Fanconi
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