Wo Zürcher am längsten im Stau stehen

Auf den Autobahnen rund um Zürich wird es enger und enger. Die grosse Frage ist: Bringt die Anti-Stau-Initiative Entlastung?

TA-Grafik kmh (Print), mfe (Online-Adaption) / Quelle: Astra, Amt für Verkehr, Amt für Statistik


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Die Zahlen zum Autoverkehr im Kanton Zürich sind eindrücklich: Sie steigen und steigen, bald muss das Strassenverkehrsamt siebenstellige Nummernschilder herausgeben. Dieses Wachstum hat zur Folge, dass es auf den Strassen enger wird. So stockt der Verkehr auf der Nordumfahrung fast täglich während mehrerer Stunden.

Diesem Ärgernis wollten SVP und Gewerbeverband mit einer Anti-Stau-Initiative ein Ende setzen. Sie verlangt, dass die Leistungsfähigkeit von kantonalen Strassen der Nachfrage angepasst werden müsse und dass die Kapazität dieser Strassen nicht reduziert werden dürfe.

Diese Forderung war der Mehrheit im Kantonsrat zu radikal. Zu gross wäre der Druck geworden, neue Strassen zu bauen, zu sehr hätte diese Forderung der eigenen Richtplanung widersprochen. Dennoch hat sich der Kantonsrat mit 120 zu 52 Stimmen auf einen Gegenvorschlag zur Initiative geeinigt, über den am 24. September abgestimmt wird. Die Initianten sind zufrieden und haben ihr Volksbegehren zurückgezogen.

Die Bedeutung des Privatverkehrs

Es geht bei der Abstimmung um einen Verfassungsartikel, der die Bedeutung des Privatverkehrs anerkennt – immerhin macht er zwei Drittel des Verkehrsaufkommens im Kanton Zürich aus. Konkret wird verlangt, dass die heutige Kapazität des überkommunalen Strassennetzes mindestens erhalten bleibe. Wenn die Leistungsfähigkeit einer Strasse vermindert wird, sei dies andernorts mit einer Kapazitätserweiterung zu kompensieren.

Die Gegner wehren sich gegen dieses Ansinnen. Für sie können Stauprobleme nicht mit neuen Strassen beseitigt werden. Dies belegen auch die hier ver­öffentlichten Zahlen. So gibt es heute mehr Stautage vor dem Bareggtunnel als vor dem Bau der dritten Tunnelröhre.

Für die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger stellen sich einige konkrete Fragen, die Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP) schriftlich beantwortet hat:

Könnte die Stadt Zürich, wie sie es auf der Birmensdorferstrasse getan hat, auch künftig eine Autospur in eine Busspur verwandeln?
Ja, die Umgestaltung der Birmensdorferstrasse stand im Zusammenhang mit dem Bau der Westumfahrung. Mit ihr wurde Kapazität geschaffen für den Durchgangsverkehr, der zuvor durch die Stadt floss. Die Kapazität des Strassennetzes wurde in dem Fall sogar erhöht.

Mit Temporeduktionen wird die Kapazität auf einer Kantonsstrasse vermindert. Wie müsste sie künftig kompensiert werden?
Dies müsste im Einzelfall beurteilt werden. Klar ist jedoch, dass übergeordnetes Bundesrecht wie der Lärmschutz auch nach Annahme der Verfassungsänderung mitberücksichtigt werden muss.

Wie können Zürich und Winterthur in den engen Innenstädten künftig durchgehende Velowege anlegen?
Auch dies muss im Einzelfall geprüft werden. Velorouten können auch über Nebenstrassen geführt werden. Für vortrittsberechtigte Velostrassen führt Zürich ja Pilotprojekte durch. Die Förderung des Veloverkehrs ist auch ein kantonales Anliegen.

Wäre der Spurabbau am Sechseläutenplatz noch möglich?
Es ist unmöglich, den Einfluss der neuen Bestimmung auf den damaligen Gerichtsentscheid abzuschätzen.

Würde Zürich die Gestaltungshoheit über Kantonsstrassen auf dem Stadtgebiet verlieren?
Nein. Diese Vorlage ändert nichts an der Zuständigkeit der Städte Zürich und Winterthur für Planung und Bau der Staatsstrassen auf ihrem Gebiet.

(Erstellt: 26.07.2017, 11:56 Uhr)

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