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«Zwei Kapitäne führen einen Privatkrieg gegen mich»

Ein Seeanwohner aus Stäfa führt seit einem Jahr einen einsamen Kampf gegen die Hornstösse der Kursschiffe. Nun erzählt er erstmals seine Version der Geschichte.

Hupen oder nicht? In Stäfa ist dieses Thema ein heisses Eisen.
Hupen oder nicht? In Stäfa ist dieses Thema ein heisses Eisen.
Tina Fassbind

Am Zürichseeufer von Stäfa tobt eine Seeschlacht. Territorialansprüche feindlicher Lager werden zwar keine gemacht, es geht aber um ein ebenso wichtiges Gut: Ruhe. Wie gestern Dienstag bekannt wurde, stört sich ein Anwohner derart am Hornen der Kursschiffe der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG), dass er deswegen insgesamt sechs Anzeigen erstattet hat.

Damit hat er mittlerweile so viel Unmut in der Gemeinde auf sich gezogen, dass er seinen Namen* nicht in den Medien lesen möchte. Er war es nämlich auch, der mit seiner Meldung beim Bundesamt für Verkehr (BAV) erwirkt hat, dass die Kursschiffe seit Juli 2017 vor dem An- und Ablegen am Steg nur noch bei Gefahrensituationen hupen dürfen. Aber die Situation hat sich dadurch noch nicht entspannt.

Faxen bei der Wegfahrt

Der Stäfner begründet seine Anzeigen damit, dass die Signale nun mit Absicht und unnötigerweise abgegeben würden. «Zwei Kapitäne decken uns nun jedes Mal beim Wegfahren konsequent mit Hornlärm ein», sagt er auf Anfrage. Sie würden geltend machen, dass sie die Hafeneinfahrt unmittelbar neben dem Kursschiffsteg nicht überblicken könnten und deshalb präventiv hupten. «Die Schiffe sind dort aber mit gerade mal 5 Kilometern pro Stunde unterwegs. Da kann es nicht zu gefährlichen Situationen kommen.»

Er geht davon aus, dass die beiden Kapitäne einen «Privatkrieg» gegen ihn führen. Sie hätten zeitweise bei der Wegfahrt sogar Faxen gemacht, wenn sie sein Haus am Seeufer passierten. «Es sind wirklich nur diese beiden. Alle anderen Schiffsführer verhalten sich vorbildlich. Ich bewundere sie sogar, mit welch Präzision und Umsicht sie die Kursschiffe manövrieren.»

«Wir haben hier rund 50 Schiffsbewegungen pro Tag.»

Anwohner, der sich in Stäfa gegen die Hornstösse der Kursschiffe wehrt

Der Anwohner wehrt sich auch gegen den Vorwurf, er hätte grundsätzlich etwas gegen die Schiffe oder die ZSG. «Ich habe nie eine Lärmklage eingereicht, sondern mich lediglich beim Bundesamt für Verkehr mit der Frage gemeldet, ob die bisherige Huppraxis dem geltenden Recht entspricht.»

Dass die Schiffe nun wie in der Binnenschifffahrtsverordnung festgehalten vier Sekunden lang hupen statt wie bisher nur kurz vor dem An- und Ablegen, findet er völlig berechtigt. «Bei Gefahr haben sie das früher schon getan», sagt der Pensionär, der am Zürichsee aufgewachsen ist. «Weil sie nun aber nicht mehr jedes Mal hupen, ist die Lärmbelastung heute viel kleiner. Sie müssen wissen, dass wir hier rund 50 Schiffsbewegungen pro Tag haben.»

8000 Unterschriften für das Hornen

In Stäfa weht ihm trotzdem eine steife Brise entgegen, seit er sich gegen den Schiffslärm zur Wehr gesetzt hat. Dort hängt man offenbar an der 50-jährige Tradition der kurzen Hornstösse beim An- und Ablegen der Schiffe. 8000 Personen haben sich in einer Petition dafür ausgesprochen, dass sie wieder eingeführt wird. Beim BAV zeigte man dafür aber kein Gehör. Auf den Schweizer Seen dürfe grundsätzlich nur gehupt werden, wenn dazu ein Anlass bestehe, heisst es dort, und die entsprechenden erlaubten Schallzeichen seien je nach Situation klar definiert. Ein generelles Kurzsignal an einem Steg sei nicht vorgesehen.

An diese geltende Gesetzgebung halten sich laut ZSG-Direktor Roman Knecht alle Schiffsführerinnen und Schiffsführer – auch die Kapitäne, die angezeigt wurden. «Unabhängig von angeblichen Beobachtungen von Passanten, sei es vom Ufer aus oder auf den Schiffen», wie Knecht auf Anfrage betont. Sie seien gemäss Binnenschifffahrtsverordnung dazu verpflichtet, alle Vorsichtsmassnahmen zu treffen, um die Gefährdung und Belästigung von Menschen sowie die Beschädigung anderer Schiffe zu vermeiden. «Um dies zu gewährleisten, werden unter anderem Schallzeichen abgegeben.»

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