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Zwei Zürcher erleichtern die letzte Reise

Die Idee kam Fotoreporter Fabian Biasio, als er zu wenig Zeit hatte, um sich um seinen schwer kranken Vater zu kümmern.

Im Kanton Zürich befinden sich die meisten palliativen Einrichtungen: Die Palliativstation im Heim Sonnweid in Wetzikon.
Im Kanton Zürich befinden sich die meisten palliativen Einrichtungen: Die Palliativstation im Heim Sonnweid in Wetzikon.
Reto Oeschger

«Sterben möchten die meisten Menschen zu Hause», sagt Monika Obrist, Präsidentin palliative.ch und Geschäftsleiterin Palliative Care Zürich und Schaffhausen. Meistens geht ihr Wunsch aber nicht in Erfüllung. 70 Prozent der Menschen sterben in Spitälern, Alters- oder Pflegezentren oder in einem Hospiz. «Das Angebot an spezialisierten Palliative-Care-Einrichtungen in Spitälern ist genügend», sagt Obrist. «Wenn Schwerkranke nach einem Spitalaufenthalt stabilisiert worden sind, stellt sich aber oft die Frage: Wohin verlegen wir sie?»

Fotoreporter und Videojournalist Fabian Biasio und der IT-Programmierer Andreas Ley haben für diese Frage eine Lösung geschaffen: eine palliativkarte.ch als Website. Auf einer interaktiven Karte sind 49 palliative Einrichtungen in der Schweiz zu sehen. Im Kanton Zürich befinden sich die meisten. Auf der Karte sind sie unterteilt in Pflege zu Hause mit auf Palliative Care spezialisierter Spitex oder mit dem mobilen Team des GZO Spitals Wetzikon, in Langzeitpflege in Alters- und Pflegeheimen, Akutspitälern und Hospizen.

So wird die interaktive Karte aussehen: Screenshot einer Testversion.
So wird die interaktive Karte aussehen: Screenshot einer Testversion.

Jede Institution kann in einer einheitlichen Detailansicht erkundet werden. Stimmungsbilder zeigen die Räume und die Umgebung, listen auf, ob Angehörige dort übernachten können. Video-Testimonials vermitteln einen persönlichen Eindruck der darin arbeitenden Personen. «Wir wollen damit Betroffenen und ihren Angehörigen ermöglichen, diejenige Institution zu finden, die ihren Wünschen und Anforderungen am besten entspricht», sagt Biasio.

Sich schneller und einfacher informieren

Am Anfang der Onlineplattform palliativkarte.ch stand Biasios Vater. Schwer krank kam er im Sommer 2015 aus Guadeloupe zurück, wo er die letzten sieben Jahre seines Lebens verbracht hatte. Nach einem Aufenthalt im Stadtspital Waid und auf der Palliative-Care-Abteilung des Universitätsspitals Zürich wurden die Angehörigen darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich für ihren Vater um einen neuen Ort umsehen müssten. Die Fallpauschale erlaube es nicht, dass er länger als 14 Tage im Spital bleiben könne, wurde ihnen beschieden. Anstatt Zeit zu haben für den schwer kranken Vater, mussten sich die Angehörigen damit beschäftigen, einen neuen Ort für ihn zu finden. Das wird nun einfacher und schneller dank der neuen Website.

Dort werden nur Institutionen aufgelistet, die definierte Qualitätsstandards erfüllen. «Wir haben fast nur zertifizierte Palliative-Care-Angebote erfasst», sagt Biasio. Unterstützt wurde er dabei von einem kompetenten Team: Roland Kunz, Pionier und Chefarzt der Universitären Klinik für Akutgeriatrie im Stadtspital Waid, und Stefan Obrist, Leiter des Kompetenzzentrums Palliative Care am Universitätsspital Zürich, sowie Monika Obrist.

Doch die Liste ist noch nicht vollständig. Es fehlen etwa Mehrsprachigkeit oder Suchfunktionen. Wie schnell das umgesetzt werden kann, hängt nicht zuletzt vom Geld ab: Biasio und Ley haben das Projekt bis jetzt weitgehend selber finanziert: «Das Projekt hat uns ziemlich an unsere Grenzen gebracht», sagt Ley. Doch die beiden sind im Gespräch mit Fachpersonen, um palliativkarte.ch langfristig auf eine stabile Basis zu stellen.

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