Zum Hauptinhalt springen

Zwei Zürcherinnen scheitern an Trumps Einreisepraxis

Sie wollten sich eine sechsmonatige Auszeit in den USA und Kanada gönnen. Die Reise endete abrupt bei der Homeland Security in Seattle.

Verhör, Knast, begleitete Rückreise: Vor dem Abflug in Zürich-Kloten wussten Deborah Breiter (l.) und Svenja Stolz noch nicht, was sie erwartete.
Verhör, Knast, begleitete Rückreise: Vor dem Abflug in Zürich-Kloten wussten Deborah Breiter (l.) und Svenja Stolz noch nicht, was sie erwartete.
zvg

Der Reiseblog war erstellt, die Jobs gekündigt, schon 132 Personen hatten ihre Facebook-Seite «Z'zweit Underwägs» abonniert: Für mindestens ein halbes Jahr wollten die beiden Freundinnen Svenja Stolz und Debora Breiter abhauen, reisen, die Welt sehen. Jetzt hocken die Zürcherinnen schon wieder in der Schweiz. Die beiden sind der strengeren Einreisepraxis unter US-Präsident Donald Trump zum Opfer gefallen. Sie können jetzt noch nicht ganz fassen,was ihnen passiert ist.

Debora und Svenja am 5. Juni beim Abschied am Flughafen Zürich-Kloten.
Debora und Svenja am 5. Juni beim Abschied am Flughafen Zürich-Kloten.

Vier Stunden Verhör mit der Homeland Security

Die 26-jährige Svenja passierte die Passkontrolle bei der Einreise in Seattle noch problemlos: «Holidays», sagte sie schlicht. Bei Debora (27) begannen die Fragen: «Work?!». Die jungen Frauen aus Mettmenstetten und Obfelden hatten geplant, nach zwei Nächten im Hotel weiter nach Alaska zu reisen und bei einer Familie, die Debora von einer früheren Reise kannte, unterzukommen. Im Gegenzug zu Kost und Logis hätten die beiden der Familie ein wenig ausgeholfen. Danach wollten sie nach Kanada weiterreisen. Das mit dem Arbeiten, hätte Debora wohl lieber für sich behalten.

Die Homeland Security nahm die beiden ins Verhör, vier Stunden, nach zwölf Stunden Flug. «Es geht nicht darum, dass sie uns Fragen gestellt haben, sondern wie sie uns behandelt haben», sagt Svenja, «wie Schwerverbrecher!» Kaum einer habe sie angeschaut, ihr Gepäck sei beschlagnahmt, ihre Bitten seien ignoriert worden. Dass sie eine Esta-Genehmigung im Rahmen des Visa-Waiver-Programms hatten, war den Beamten egal. Normalerweise reicht eine Esta-Genehmigung für Schweizer Touristen.

Die Polizisten glaubten nicht, dass die beiden Touristen sind. «Wir spürten, dass sie uns kein Wort abnahmen, egal, was wir sagten», sagt Svenja. Nach einem Telefonat mit der Familie in Alaska wurden die Beamten noch härter. «Wie viel hätten Sie gearbeitet?», «Warum haben Sie gekündigt?», «Was wollten Sie in den USA?».

Verdacht auf Immigration

«Irgendwann war klar, dass sie uns zurückschicken würden», sagt Svenja. Sie mussten die Verhörprotokolle unterschreiben. Darauf steht: «Haben Sie verstanden, dass Sie als unzulässig für eine Einreise in die USA befunden wurden, da es Ihnen nicht gelang, den Verdacht zu entkräften, dass Sie die Absicht haben, zu immigrieren?» – «Ja», antwortete Svenja protokollgemäss. «Ich war müde und total verunsichert», erklärt sie. «Die waren einfach überzeugt, dass wir uns in den USA eine Zukunft aufbauen wollten.»

Die beiden wurden in Handschellen abgeführt, für die Nacht kamen sie in ein reguläres Gefängnis in Seattle. «Wir schliefen auf einem Betonklotz, in der Zelle neben Schwerverbrechern.» Um vier Uhr morgens wurden die beiden geweckt, um für ein Polizeifoto in einer gelben Gefängnisweste zu posieren. Eine Stunde später gab es Frühstück: «Beim Anblick verging uns der Appetit.» Nach Stunden ahnungslosen Wartens durften die beiden endlich ihre Familien informieren. Dann wurden sie in ein Flugzeug begleitet: Mit Icelandair zurück nach Zürich. So, wie sie gekommen waren. Ihre Pässe bekamen sie erst bei der Landung wieder.

«Aussergewöhnlicher Fall»

Beim Zürcher Reiseberater «Travel America» zeigt man sich überrascht. «Das ist ein aussergewöhnlicher Fall, der bei uns noch nie so vorgekommen ist», sagt Reiseberaterin Sophie Renevey. Klar sei, dass man ein Visum brauche, wenn man in den USA arbeiten wolle. «Wenn man gratis aushilft, muss man das bei der Passkontrolle nicht zwingend erwähnen, wenn man nicht danach gefragt wird», sagt sie. «Und sonst lieber auf dem offiziellen Weg ein Visum beantragen.»

Obwohl es keine offiziellen Änderungen gab, seien gewisse Prozesse seit der Trump-Regierung komplizierter geworden. «Wir bemerken beispielsweise, dass Schweizer viel länger auf Arbeitsvisa warten müssen», sagt Renevey. Im Normalfall reiche für Touristen nach wie vor ein noch mindestens sechs Monate gültiger biometrischer Pass sowie eine Esta-Bewilligung gegen eine Gebühr von 14 Dollar.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) will den Fall nicht kommentieren. «In der Regel informieren andere Staaten die Schweiz nicht über die Personalien von Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die ausgeschafft wurden oder denen die Einreise verweigert wurde», sagt ein EDA-Pressesprecher. Dem Vater einer der beiden jungen Frauen hat der Konsul in Seattle ebenfalls geraten, solche Arbeitseinsätze nicht zu erwähnen. Es sei komplizierter geworden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch