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Rentnern steht mehr Geld zu, als sie erhalten

Menschen mit geringer AHV haben Anspruch auf zusätzliche Gelder – allerdings wissen das nicht alle. Pflegende im Bezirk fordern, dass die Gemeinden nun offensiver informieren.

Lieber alleine auf dem Weg: Nicht alle Rentner wollen den Staat um Ergänzungsleistungen bitten.
Lieber alleine auf dem Weg: Nicht alle Rentner wollen den Staat um Ergänzungsleistungen bitten.
Esther Michel

Personen mit einer geringen AHV- oder IV–Rente haben Anspruch auf zusätzliche Gelder, sogenannte Ergänzungsleistungen. Dessen war sich Hans Kummer* aus Stäfa nicht bewusst. Der 68-Jährige lebte während drei Jahren von seiner AHV und weiteren Rentenleistungen und kam knapp über die Runden. Erst als ihm ein Freund vor Kurzem sagte, dass er allenfalls Anspruch auf zusätzliche Gelder hat, erkundigte sich Kummer beim Sozialamt der Gemeinde. Dort musste er seine Bankverbindungen, sein Mietverhältnis, seinen Versicherungs- und Steuerausweis sowie seine Erbschaften offenlegen. Das Sozialamt hat seinen Antrag schliesslich gutgeheissen, und Hans Kummer erhält seit September nun auch Ergänzungsleistungen. Ergänzungsleistungen werden als Differenz zwischen den Rentenzahlungen und den anrechenbaren gesetzlich anerkannten Ausgaben ausgerichtet. Der Mindestansatz für Alleinstehende liegt bei 35 000 Franken und setzt sich aus Lebensbedarfskosten (18'140 Franken), Versicherungsprämien (3660 Franken) und Mietzinsen (maximal 13'200 Franken) zusammen. Angenommen, jemand verfügt über eine Rente von jährlich 26'000 Franken, dann erhält er Ergänzungsleistungen von rund 9000 Franken pro Jahr. Allerdings müssen in den Berechnungen allfällige Vermögensanteile miteinbezogen werden, sodass die Ergänzungsleistungen sehr individuell ausfallen.

Ergänzungsleistungen keine Almosen

Ergänzungsleistungen können direkt beim Sozialamt der Gemeinde beantragt werden – bei allen Gemeinden im Bezirk. Allerdings wurde in Uetikon, Zumikon Zollikon und Hombrechtikon das Verfahren ausgelagert und wird nun bei der Sozialversicherungsanstalt (SVA) in Zürich durchgeführt. Grund waren Kosteneinsparungen und die Kompetenzen der SVA.

Die SVA und die Gemeinden informieren die Rentner regelmässig auf verschiedenen Kanälen über Ergänzungsleistungen, etwa mit amtlichen Publikationen, Merkblättern oder per Internet. Verschiedenen Pflegenden im Bezirk ist das zu wenig. «Viele Rentner wissen nichts von ihren Anspruchsmöglichkeiten», sagt Susanne Meier, Leiterin der Spitex Meilen-Uetikon.

Sie und ihre Mitarbeiterinnen erklären den Klienten jeweils, dass sie sich für Fragen an die Gemeinde oder direkt an die SVA wenden müssten. Es sei keine Kernkompetenz der Spitex, ausführlich darüber zu informieren. Dafür seien eigentlich die Gemeinden zuständig. «Und diese müssten offener mit dem Thema umgehen», sagt Meier. Nur so könne das Stigma abgebaut werden, dass es sich bei Ergänzungsleistungen nicht um Almosen, sondern um einen gesetzlichen Anspruch für öffentliche Gelder handle. Ähnlicher Ansicht ist Marta Ammann. Die Leiterin der Spitex Zollikon, wünscht sich, dass die Gemeinde offen kommuniziert und die Rentner auf die Möglichkeit der Ergänzungsleistungen hinweist. Die Spitex macht das mittels Tarifblatt. Allerdings, so hat Ammann beobachtet, reagieren die Betroffenen erst, wenn es nicht mehr anders geht. «Das wäre nicht nötig.» Die Spitex-Leiterin ist deshalb froh, dass sich im Rahmen des neuen Alterskonzepts Möglichkeiten für eine intensivere Kommunikation auftun. Bis Ende Jahr soll eine Beratungsstelle für ältere Menschen im Quartiertreff Zollikerberg eröffnet werden.

Direkte Information in den Heimen

Beratung erhalten die AHV- und IV-Rentner auch, wenn sie ins Alters- oder Pflegeheim möchten. Dort werden sie vor ihrem Eintritt auf allfällige Ergänzungsleistungen hingewiesen – was im Interesse der Heimleitung liegt. Schliesslich geht es um die Finanzierung eines Heimplatzes. Beim Alters- und Pflegheim Allmendhof in Männedorf sind es allerdings über die Hälfte der Interessenten, die nicht wissen, dass sie Anspruch auf Ergänzungsleistungen haben, wie Barbara Scherwey sagt. Die Assistentin der Heimleiterin führt Besichtigungstermine für potenzielle Heimbewohner und ihre Angehörigen durch und informiert sie über deren finanziellen Ansprüche. Die meisten seien froh um diesen Hinweis, sagt Scherwey. Einzelne wehren sich dennoch gegen die staatlichen Beiträge. Scherwey zieht dann den Vergleich zur AHV, «das hilft den Leuten zu zeigen, dass Ergänzungsleistungen legitim sind».

In den Gemeinden und bei der SVA ist man der Meinung, dass genügend informiert werde. «Wir nutzen jede Gelegenheit, um die AHV- und IV-Rentner auf die Ergänzungsleistungen aufmerksam zu machen», sagt Ruedi Pauli, Leiter der Ausgleichskasse SVA. «Der Antrag ist eine Holschuld» Ähnlich tönt es von Katharina Schlegel, Leiterin der Sozialabteilung Stäfa. Die Mitarbeiter des Sozialamts würden immer wieder zu Veranstaltungen der Kirche oder des Vereins für Altersfragen eingeladen. «Zudem ist der Antrag für Ergänzungsleistungen eine Holschuld.» Sie habe eher den Eindruck, dass sich vor allem die ältere Generation der Rentner aus Scham vom Staat Gelder zu beziehen, nicht beim Sozialamt melden würden. Es sei auch schon vorgekommen, sagt Schlegel, dass Betroffene wirsch reagiert und sich beklagten hätten, «dass sich der Staat in private Angelegenheiten einmischt.» * Name geändert

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