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Riesenkrach beim Roten Kreuz - wegen Blutspenden

Das Schweizerische Rote Kreuz will nicht weiter mit Blutspende Zürich zusammenarbeiten. Grund: Die Zürcher halten Abgaben in Millionenhöhe zurück.

Zürich - Der Blutspendedienst des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) hat mit dem regionalen Blutspendedienst Zürich «unüberbrückbare Differenzen». Der Vertrag mit den Zürchern werde darum auf Ende 2010 gekündigt. Die Zürcher hätten seit 2007 Abgaben zurückgehalten und verlangten eine «massive Ausdehnung ihres Einzugsgebiets zulasten von anderen Blutspendediensten», teilte das SRK gestern mit. Mit der Kündigung wird Blutspende Zürich ab 2011 nicht mehr der Gesamtorganisation angehören und darf auch das Emblem des Roten Kreuzes nicht mehr verwenden.

Laut Rudolf Schwabe, Direktor des SRK-Blutspendedienstes, sind die Zürcher seiner Organisation über eine Million Franken schuldig. Geld, das sie auf ein Sperrkonto einbezahlt haben. Es geht um eine Abgabe von 6.20 Franken pro Blutspende, die 2005 eingeführt wurde. Der Blutspendedienst SRK in Bern verwendet das Geld zur Sicherstellung der Blutreserven in der Schweiz. Wie Schwabe weiter erklärt, können die Zürcher die 6.20 Franken wie die anderen Blutspendedienste der Schweiz auf die Abnehmer des Blutes überwälzen.

«Zürcher bewegen sich nicht»

Die Verhandlungen zwischen dem SRK-Blutspendedienst und Blutspende Zürich dauern schon lange. Auch ein Schlichtungsverfahren unter der Leitung des Luzerner Regierungsrates Markus Dürr (CVP) brachte nichts. Zuletzt haben die Parteien am Dienstag versucht, sich endlich zusammenzuraufen - erfolglos. Schwabe: «Wir haben unseren Teil zu einer Einigung beigetragen, doch die Zürcher bewegen sich nicht.»

Die Schlichtungskommission hatte vier Empfehlungen abgeben. Drei davon richteten sich an die Blutspende-Dachorganisation. Diese ist gemäss Schwabe bereit, sowohl die Höhe der Abgabe zu überprüfen wie auch die Forderung der Zürcher nach einer Ausdehnung des Einzugsgebietes. Die Zürcher hätten bis Ende August den Millionenbetrag ans SRK überweisen müssen, doch das sei nicht passiert. «Wir sehen keinen Verhandlungsspielraum mehr», sagt Schwabe. Dennoch hofft er auf einen späten Durchbruch.

Doch was, wenn Blutspende Zürich nicht einlenkt? «Dann ist alles offen», sagt Rudolf Schwabe. Man habe ausgerechnet, dass man den Bedarf an Blutkonserven auch ohne Blutspende Zürich knapp decken könnte. Auf Zürcher Spender könne man aber auf keinen Fall verzichten. Abzusehen ist darum, dass das SRK eine neue Organisation beauftragen müsste, den Zürcherinnen und Zürchern Blut abzunehmen. Womöglich müsste diese dann Blutspende Zürich konkurrenzieren. Das wäre schwierig, denn die fünf Blutspendezentren in der Stadt Zürich, Winterthur, Schlieren, Uster und Wetzikon gehören den Zürchern.

Zürich gegen den Rest?

Heinrich Hofacker, Stiftungsratspräsident von Blutspende Zürich bestätigte gestern den schriftlichen Eingang der Kündigung. Gründe würden darin allerdings keine genannt. Für ihn sind die «ausserordentlichen Abgaben», die für die Zürcher jedes Jahr 500 000 Franken ausmachen, nicht rechtmässig. Zürich bekomme dafür weder eine Gegenleistung, noch bringe die Abgabe in Zürich einen Nutzen. Laut Hofacker sind die Zürcher die Einzigen, die Abgaben zurückhalten. Der Blutspendedienst SRK hält den Kooperationsvertrag seit Einführung der Abgabe in den Augen von Hofacker nicht mehr ein: «Leider haben das die anderen 12 Blutspendedienste akzeptiert.» Heinrich Hofacker beschwert sich auch, dass einzelne Blutspendeorganisationen von der Dachorganisationen bevorzugt behandelt würden. Die Zürcher gehörten nicht dazu. Dennoch zeigte sich auch Hofacker zuversichtlich, dass die Differenzen noch bereinigt werden können.

Wenn nicht, werde Blutspende Zürich weitermachen. Man habe vom Roten Kreuz des Kantons Zürich den Auftrag, die Blutversorgung im Kanton sicherzustellen, und den werde man weiter erfüllen - mit oder ohne Emblem des Roten Kreuzes. Daniel Schneebeli Der Blutspendedienst des Schweizerischen Roten Kreuzes kann auf keinen Fall auf Zürcher Spender verzichten. Foto: Gesa Lüchinger

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