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Ringen um Titel und um Perspektiven

Eishockeysaison?Der SCB droht zu dominieren – ein Trio den Anschluss zu verlieren. Von Simon Graf In den Tagen und Wochen vor dem Start in die Eishockeysaison ist die Welt noch in Ordnung. Es gibt noch keine Verlierer. Alle dürfen hoffen, dass die neuen Ausländer Trouvaillen sind, die Worte des Trainers ankommen, die Jungen sich weiterentwickeln. Trotzdem scheint die Ausgangslage an der Spitze so klar wie lange nicht mehr: Der SC Bern thront über allen. Eigentlich spielt er schon seit längerem in einer eigenen Liga. In den vergangenen fünf Jahren gewann er viermal die Qualifikation (einmal wurde er Zweiter), in dieser Zeit holte er im Schnitt elf Punkte mehr, aber zwei Meistertitel weniger als Davos. Nur der Playoff-Komplex des SCB hielt die Liga in der Balance. Doch den haben die Berner nun abgeschüttelt. Die Konkurrenz muss Zuversicht aus der jüngeren Geschichte schöpfen: In den letzten 13 Jahren gelang es nur den ZSC Lions (2001), den Titel erfolgreich zu verteidigen. Und deren Weg zum Triumph war damals ein wundersam verschlungener, auf dem sie im Final ein 1:3 gegen Lugano noch kehrten. Erfahrungsgemäss starten Meister selbstbewusst und gut in die nächste Saison und geraten erst dann in Probleme, wenn Schnee fällt und das Playoff trotzdem noch fern ist. Wahre Champions zeichnet aus, auch im Erfolg mit der gleichen Konsequenz an die Arbeit zu schreiten wie vorher. Diesen Test hat der SCB noch zubestehen. Zugs Investitionen, Genfs Geld Jedenfalls sind genügend Konkurrenten da, um von allfälligen Schwächen der Nummer 1 zu profitieren. Arno Del Curto ist in Davos wild entschlossen, den 2-Jahres-Rhythmus von Meistertiteln (2005, 2007, 2009) beizubehalten. Zug hat für den Einzug in die neue Halle kräftig investiert. In Genf spricht man nach zwei schmerzlich verlorenen Finals (2008 und 2010) offen vom Titel und hat dank dem Sukkurs der Stadt mehr finanzielle Möglichkeiten (zum Beispiel dafür, mit sechs Ausländern zu starten). Gottéron unterstrich seine Ambitionen mit der Verpflichtung von Stanley-Cup-Sieger Cristobal Huet.Und auch die ZSC Lions und die Kloten Flyers haben Grund zu glauben, dass die bevorstehende Saison besser wird als die letzte. Ist Flüeler eine Nummer 1? Die Stadtzürcher sind überzeugt, die defensiven Probleme, die zum Absturz in der zweiten Saisonhälfte geführt hatten, identifiziert und gelöst zu haben. Sie haben die Verteidigung verstärkt und fleissige Stürmer geholt. Entscheidend wird aber sein, ob Goalie Lukas Flüeler an der Herausforderung wächst, die Nummer 1 zu sein. Die Flyers haben zwar Roman Wick verloren, dafür sind sie breiter abgestützt. Und so viel Verletzungspech wie im letzten Winter werden sie kaum mehr haben. Für beide Zürcher Klubs ist ein Schritt vorwärts vonnöten: bei den ZSC Lions, weil die internationalen Sterne verblasst sind, sie nur noch an ihren Leistungen in der NLA gemessen werden. Bei den Flyers, um das finanzielle Sommertheater, das vor dem Friedensrichter endete, möglichst schnell vergessen zu machen. Man könnte die NLA in eine Dreiklassengesellschaft einteilen: den SCB, seine Verfolger und die Chancenlosen. Derweil sich Lugano und die Rapperswil-Jona Lakers wohl schon über einen ruhigen Winter freuen würden, sind die Perspektiven bei Ambri, Biel und den SCL Tigers düster. Das Trio kämpft um das Überleben in der Eliteklasse, vom Playoff als Ziel wird schon gar nicht mehr geredet. Die Frage ist, was die Liga mit den Abgeschlagenen vorhat. Biel hat immerhin die Aussicht auf ein neues Stadion, Ambri und die SCL Tigers kämpfen einen Kampf, den sie langfristig nicht gewinnen können. Und die Liga muss sich Gedanken darüber machen, wie wichtig ihr die Traditionsvereine sind und ob es Instrumente gibt – etwa im Sinne eines Finanzausgleichs – um sie zu stützen. Denn es kann keine Perspektive sein, sie jahrelang am Tabellenende dümpeln zu lassen. Glaubwürdigkeit auf dem Spiel Die National League A durfte sich letzten Winter über einen Zuschauerrekord freuen – was das Total, aber auch den Schnitt (6338) betraf. Der Leidensdruck, etwas zu verändern, scheint für Liga und Grossklubs also nicht gross. Doch ein Wettbewerb, bei dem die Teilnahme für einige Teams schon das höchste aller Gefühle ist, leidet an Glaubwürdigkeit. Und die ist das Kapital einer Liga, die im letzten Jahrzehnt eine Erfolgsgeschichte war. Gerade jetzt, da ein Sololauf des übermächtigen SC Bern und ein «Lädelisterben» droht, ist eine Vision, wie die Eishockeyschweiz aussehen und funktionieren soll, nötiger denn je. Ab heute gerät auch das Tor auf Eis wieder ins Rampenlicht – letzte Saison wurden in der National League A 2254 Treffer bejubelt. Foto: Pius Koller (Foto-Net)

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