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Ruhestand ist für den Senior Hans Moor ein Fremdwort

Die Kehrichtfirma überliess er der Tochter. Mit 82 Jahren steigt Hans Moor aber flinker vom Lastwagen als mancher andere.

Niederweningen - «Bin ich jetzt auch so weit?» Hans Moor lehnt sich weit aus dem Fenster seiner Fahrerkabine und tritt aufs Gaspedal. Die Räder des Lasters spulen im Schnee. Der zweite Fahrer, der an diesem Morgen unterwegs ist für die Grünabfuhr der Hans Moor GmbH aus Oberhasli, ist wegen des vielen Schnees bereits in einer Grube gelandet. Hans Moors Fahrzeug aber bewegt sich jetzt wieder vorwärts.

Der rüstige 82-Jährige gründete 1962 die gleichnamige Firma. Als gelernter Kranführer hatte er schon immer «etwas Eigenes» schaffen wollen. Der gebürtige Steinmaurer war damals 35 Jahre alt. Als Absicherung führten seine Frau und er dazu einen Tante-Emma-Laden an ihrem Wohnort in Oberhasli, «für den Fall, dass die Sache mit der Transportfirma nicht klappen würde».

Was mit einem Lastwagen begann, wuchs zu einem veritablen Unternehmen heran. Heute arbeiten für die Hans Moor GmbH ein Vollzeitchauffeur, drei Teilzeitangestellte und fünf Belader. Die Firma bedient mit ihren drei Kehrichtwagen und dem Tankwagen alle vier Wehntaler Gemeinden sowie Niederhasli. Der Kehricht und das Grüngut werden wöchentlich abgeholt, Letzteres im Winter alle zwei Wochen.

Nachfolge ist geregelt

Vergangenes Jahr hat die 45-jährige Tochter Rita Kunz-Moor die Leitung der Firma übernommen. Der Sohn baute den Zweig Öltransport zu einem eigenen Geschäft aus. Die älteste Tochter, «die‹geborene Lastwagenchauffeuse›, die das Unternehmen eigentlich übernehmen wollte», ist jung gestorben.

«Im Ruhestand», sagt Moor, «bin ich trotzdem nicht. Es gibt immer etwas zu tun.» Wie an diesem Morgen, als es schneit: Die Fahrerin ist kurzfristig ausgefallen, der Start der Tour durch Niederweningen musste um eine Stunde verschoben werden. Kurzfristig eingesprungen ist sozusagen der Chef.

Mit nur einem Lader ist der Senior an diesem Morgen angetreten, immer wieder steigt er flink aus der Fahrerkabine und packt selbst an, wenn es Probleme gibt. «Die Leute haben manchmal wenig Verständnis für unsere Arbeit», meint er. So reklamierten sie, wenn die Container nicht geleert seien oder gar beschädigt. Das Problem sehen die wenigsten: Ist es nämlich zu kalt, und legt man auf dem Containerboden kein Zeitungspapier aus, gefriert das feuchte Grüngut schnell und lässt sich fast nicht mehr aus dem Behälter schütteln. Stellt man zudem den Abfall bereits am Vortag vor das Haus, so ist der Kübel am Morgen vielleicht schon eingeschneit.

«Nein, alle Dinger leeren wir schon nicht», entfährt es Moor an diesem Morgen deshalb mehrmals. Ein besonders eingeschneites Exemplar lässt er links liegen. Ob das nicht wieder zu Reklamationen führt? Er zuckt nur mit den Schultern und lacht. Erstaunlich gute Nerven zeigt er an diesem stressigen Morgen. «Zum Glück war ich nie wirklich krank», sagt er, und obwohl seine Frau gesundheitlich etwas angeschlagener ist, wohnen die beiden noch immer an ihrer alten Adresse in Oberhasli.

Müll gibt es immer mehr

Die Arbeit ist der Firma über die Jahre nie ausgegangen, im Gegenteil. «Abfall gibt es immer», sagt der Patron, «sogar immer mehr.» Er erinnert sich an frühere Zeiten, als ein Miststock vor dem Haus genügte, um den Haushaltsabfall einer Familie zu fassen. «Zumindest in dieser Gegend, wo es bis in die 50er-Jahre hinein nur Bauernhöfe gab.»

Moor selbst ist auf einem solchen Betrieb in Steinmaur aufgewachsen. «Plastik gab es noch nicht, und alles andere wie Glas oder Metall wurde wiederverwertet.» Dann kamen die Einfamilienhäuser sowie die Wohnblöcke ins Wehntal und nach Niederhasli - und alles wurde anders. Die Gemeinden machten sich an die Organisation der Abfallentsorgung.

«Ich habe hübscheli angefangen, und über die Jahre hinweg aufgebaut», fasst Moor seine Unternehmerjahre zusammen. Die Konkurrenz schlief aber nicht - und so ging ihm einst ein Auftrag verloren, weil der Auftraggeber einen mit Gas betriebenen Wagen bevorzugte; ein anderes Mal war der andere Anbieter billiger. «Doch mit etwas Glück kann ich überleben», sagt Hans Moor. Er weiss aber, wie man spart. Sein Arbeitsgewand, das er an diesem Morgen trägt, hat er als «spottbilliges» Auslaufmodell dem Zivildienst abgekauft. Manuela Moser Hans Moor packt auf der Tour mit dem Mitarbeiter Sidibe Fadia selbst mit an, trotz seines hohen Alters. Foto: David Baer

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