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Salzmangel erfreut Junge und ärgert Alte

Wenn die Strassen aussehen wie in Davos, beruhigt sich der Verkehr, und die Kinderherzen schlagen höher.

Oberland - Der viele Schnee und die tiefen Temperaturen der vergangenen Wochen haben dazu geführt, dass bei den Strassenunterhaltsdiensten der Region das Streusalz knapp geworden ist. Vielerorts wurden in den letzten Tagen vor dem Wärmeeinbruch nur noch die wichtigsten Strassen gesalzen, also schwarzgeräumt. Quartier- und Nebenstrassen blieben weiss. Sehr zur Freude vieler Anwohner. «Wir fühlten uns wie in einem Wintersportort», sagt etwa Gyslaine Frey aus Greifensee. «Das Gehen auf schneebedeckter Strasse ist viel weniger mühsam als das Waten durch Schneematsch.» Die Mutter von fünf Kindern findet, dass der reduzierte Winterdienst ein gutes Modell für die Zukunft sei. Dieser Ansicht ist auch die Dübendorferin Sarah Künzler. Die junge berufstätige Frau wohnt in einem Mehrfamilienhaus und freute sich darüber, dass Eltern ihre Kinder auf Schlitten durchs Quartier zogen. Zugleich beobachtete sie, dass Automobilisten auf schneebedeckten Quartierstrassen viel langsamer und vorsichtiger fuhren als auf schwarzgeräumten. «Darum sollte man auf Quartierstrassen auch künftig auf den Einsatz von Streusalz verzichten», sagt sie.

Die weissen Strassen erfreuten auch die 80-jährige Ruth Jauch. Weil die Rentnerin nicht mehr so gut zu Fuss ist, sollten ihrer Ansicht nach aber die Trottoirs und Fussgängerstreifen gesalzen oder zumindest gesplittet werden.

Den Winter spüren

Bei einigen Strassenunterhaltsdiensten sind wegen weisser und eisiger Quartierstrassen und Trottoirs mehr Reaktionen eingegangen als im Vorjahr. «Die Bevölkerung reagierte unterschiedlich», sagt Marco Saxer, Stellvertreter des Strasseninspektorats Uster. «Neben negativen Reaktionen gabs auch positive. Viele freuen sich, dass sie dank reduziertem Winterdienst den Winter spüren und sehen können.»

In Hinwil wird noch immer fast überall gesalzen, aber weniger intensiv. «Wir bekommen mehr Kritik als Lob. Die Leute melden sich eher, wenn sie etwas zu bemängeln haben», sagt Andreas Haag, Leiter Abteilung Tiefbau und Werke. Die Kritik sei meist unbegründet, beispielsweise habe sich jemand beschwert, weil er auf dem Weg zum Bahnhof nasse Füsse bekommen habe. «Einige wenige Anwohner von Quartierstrassen kritisierten ausserdem, dass wir die Vorfahrt zum Haus mit Schnee zuschütten», sagt Haag. Die Leute würden sich aber je länger, je mehr mit dem Winter abfinden.

In Pfäffikon hingegen gingen nicht mehr Reaktionen ein als im Vorjahr. «Einzelne Leute beschwerten sich, doch als wir ihnen die Umstände erklärten, zeigten sie Verständnis», sagt Beat Mathys, Leiter Verkehr. Er finde es wichtig, dass man im Winter das Schuhwerk der Witterung anpasse. Und welche Massnahmen gibt es im nächsten Winter? «Im Augenblick steht nicht zur Diskussion, das Winterdienstkonzept zu überarbeiten, sagt Mathys.

Für alte Menschen ist der reduzierte Winterdienst ein Problem: «Sie getrauen sich weniger, ihr Haus zu verlassen, und warten erst mal ab», stellt Rolf Krebser von Pro Senectute Kanton Zürich aufgrund einer Umfrage in den Dienstleistungszentren fest. Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit widerspricht dem Ziel, den Senioren ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Sollten vereiste und schneebedeckte Trottoirs zum Dauerzustand werden, würde es für alte Leute kritisch, ist Krebser überzeugt.

Nicht mehr Knochenbrüche

Die Vorsicht der Senioren ist begründet. Denn Stürze haben fatale Folgen. «Die Verletzungen sind grösser, Knochenbrüche gravierender und der Heilungsprozess langwieriger.» Für Krebser ist deshalb klar: «Trottoirs und Gehwege sollten gesalzen werden.»

Dieser Forderung schliesst sich Urs Brunschwiler, Leiter des Alterswohnheims Am Wildbach in Wetzikon, an. «Unsere Bewohner sind sehr verunsichert.» Viele seien auf Gehhilfen angewiesen. Mit diesen blieben sie aber im Schnee stecken. Dabei wäre es wichtig, dass sich die Bewohner an der frischen Luft bewegten, betont Brunschwiler: «Ein Tapetenwechsel tut ihnen gut.» Rolf Krebser von Pro Senectute sieht auch eine positive Seite: «In solchen Situationen greift die Nachbarschaftshilfe erfahrungsgemäss recht gut, was für die sozialen Kontakte förderlich ist.»

Die Spitäler verzeichnen wegen der verschneiten Strassen nicht mehr gebrochene Knochen als in den Vorjahren. «In der Winterzeit haben wir immer viel zu tun», sagt Andreas Gattiker, Direktor des GZO-Spitals in Wetzikon, «aber die Zahl der chirurgischen Fälle bleibt auf hohem Niveau stabil.» Im Januar 2008 verzeichnete die GZO 287 chirurgische Eingriffe, 2009 waren es 293, und 2010 zählte Gattiker 297 Fälle. Ähnliche Erfahrungen machte das Spital Uster. Der Fehraltorfer Hausarzt Ulrich Eggenberger hat diesen Winter noch keinen einzigen Patienten wegen eines Schneeunfalls behandelt. «Leute mit einer Verletzung oder mit Verdacht auf einen Knochenbruch gehen heute häufiger direkt ins Spital», sagt Eggenberger. Im Winter mache er aber vor allem bei älteren Leuten mehr Hausbesuche oder bringe den Patienten die Medikamente nach Hause, sodass sie nicht auf dem Weg in die Praxis umfallen. Den Kindern gefällts, wenn sie auf einer Quartierstrasse wie der Falkenstrasse in Uster schlitteln können. Foto: Christoph Kaminski

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