Zum Hauptinhalt springen

Sarahs Freunde

Sommerroman (26) Franco und Sarah präparieren die Urne. Was bisher geschah: Don Lauro hat einen Killer auf Gaetano angesetzt, Sarah und Franco haben einen Plan,wie sie die Mafia austricksen können. Va bene? Im Gegenteil, gar nichts war gut. Don Lauro hatte Gaetano anlügen müssen, was Schande genug war. Der Pate gurgelte mit Whisky, um seine beschmutzte Zunge zu reinigen. Dann nahm er sein Blackberry und löschte Gaetano aus dem Adressbuch. «Du hast mich enttäuscht und beleidigt», murmelte Don Lauro. An den Auftragskiller schickte er eine SMS: «Keine Gnade mit Gaetano». Die Vormittagssonne über Neapel und der Schnaps machten ihn träge. Er schlurfte ans Geländer seiner Veranda und schickte einen Luftkuss übers Meer Richtung Norden. «Wie sich die Zeiten doch ändern», dachte Don Lauro. Früher wäre er persönlich nach Zürich gefahren, schliesslich war er ein Ehrenmann. Wenn auch einer, der in die Jahre gekommen ist. Ohne Alkohol stand er die Tage kaum mehr durch. Das Morden, auch wenn die Drecksarbeit von Leuten wie Snozzi übernommen wurde, brachte ihm keinen Spass mehr. Manchmal dachte Don Lauro ans Aufhören. In Zürich waren Franco und Sarah mit der Umsetzung ihres Plans beschäftigt, wie sie die Mafia linken wollten. Ein bekiffter Kunstschlosser, den Sarah wegen einer sprichwörtlich heissen Affäre während des Studiums noch bestens kannte, schweisste einen zweiten Boden in die Urne – und stellte keine Fragen. Die Frischverliebten planten eine Verzweiflungstat mit durchaus romantischem Nebenaspekt. Sie wollten Gaetano am späteren Nachmittag auf dem Kursschiff Panta Rhei eine mit Mehl gefüllte Urne überreichen und dafür die Urne mit der Asche von Francos Mutter entgegennehmen. Den eingeschweissten Boden wollten sie mit ein paar Gramm Kokain bedecken. Mit dem Geld aus dem Verkauf des verbleibenden Kokains wollte sich das Paar nach Berlin absetzen, bis Gras über die ganze Sache gewachsen war. «Sind wir naiv?», wollte Franco von Sarah wissen. «Ja, aber wir lieben uns. Und das ist die Hauptsache.» In einer Tiefgarage trafen sie den Dealer. Auch ihn kannte Sarah vom Studium, sie hatte mit ihm einen Drehbuchkurs belegt. In einem Monat fand in Zürich das Filmfestival statt, die Nachfrage nach Kokain war dementsprechend gross. Trotzdem wollte der Mann den Preis für den Stoff drücken: «Ihr seht so aus, als ob ihr euer Koks schnell loswerden wollt.» «Es ist aber mindestens 50 000 Stutz wert!», sagte Sarah. «Ich geb euch 30 000. Wenns euch nicht passt, könnt ihr verreisen.» «Va bene», sagte Franco, und nahm den Umschlag mit dem Geld. «Mieser Sauhund!», zischte Sarah. Der Dealer setzte sein fiesestes Lächeln auf. «Das hat auch schon einmal anders getönt.» Mit dem Geld und der präparierten Urne eilten Sarah und Franco in die nächste Migros, wo sie zwei Packungen Weissmehl kauften, zwei Zahnbürsten und Unterwäsche. In die Wohnung von Sarah konnten sie nicht mehr, seit Gaetano dort aufgetaucht war. Ihnen blieb nicht viel Zeit. Gaetano schätzten sie zwar als etwas blöd ein, trotzdem fürchteten sie den Moment, wenn dieser den Schwindel mit dem falschen Koks entdecken würde. Verlief alles nach Plan, würden sie das Schiff in Thalwil verlassen und bald darauf im Zug nach Basel sitzen. In Berlin würden sie die ersten Tage bei einem Studienfreund von Sarah wohnen können. Franco war sich nach den Begegnungen mit dem Kunstschlosser und dem Dealer allerdings nicht mehr so sicher, was er davon halten sollte. In einer Tiefgarage trafen Franco und Sarah den Dealer. Sie verlangten 50 000 Franken, er gab ihnen 30 000 . Foto: Reto Oeschger

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch