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Sarkozy und Merkel Diesen Montag treffen sich die Kanzlerin und der Präsident in Berlin. Für beide ist das eine willkommene Auszeit - und eine Chance. Von Oliver Meiler, Marseille

Ein Rendezvous ohne Kerzenlicht

Eine Verschnaufpause für sie, ein Timeout für ihn: Wenn sich Angela Merkel und Nicolas Sarkozy an diesem Montag in Berlin treffen, verbindet die beiden ungleichen Partner in Europa wenigstens die gemeinsame Freude, ihren innenpolitischen Wirren für eine kleine Weile entrinnen zu können. Die deutsche Kanzlerin schlägt sich mit Problemen in ihrer geschwächten Koalition herum, mit der Wahl eines neuen Bundespräsidenten, mit dem Widerstand gegen ein unpopuläres Sparprogramm. Und der französische Präsident registriert seine schwächsten Popularitätswerte seit Amtsbeginn vor drei Jahren: Nur noch 28 Prozent der Franzosen sind der Ansicht, Sarkozy mache einen guten oder passablen Job. Der jüngste Taucher um drei Prozentpunkte ist der geplanten Rentenreform geschuldet. Den Franzosen widerstrebt es, ihr Rentenalter 60 aufzugeben, mag die Finanzierbarkeit des Systems auch zunehmend prekär sein.

Man kann also sagen, dass die politischen Leader der beiden wichtigsten Länder der Europäischen Union gerade die schwierigste Phase ihrer jeweiligen Regierungszeiten durchleben. Nie schienen die Positionen Merkels und Sarkozys lädierter, ihr Stand fragiler. Und das ausgerechnet jetzt, da die EU und der Euro, die so sehr auf Stärke und Stabilität des historischen Duos im Herzen des Kontinentes vertrauen, gerade einem Härtetest unterzogen werden. Die regierungsnahe Zeitung «Le Figaro» schrieb dazu: «Man spürt, dass dies- und jenseits des Rheins innenpolitische Faktoren eine grosse Rolle spielen.» Mehr noch als sonst - vor allem bei Sarkozy.

Drang auf internationale Bühne

Frankreichs Präsident versucht gerade mit aller Macht, seinem internationalen Auftritt jenen Glanz zurückzugeben, der ihn in den ersten Jahren seines Mandats schmückte, insbesondere während des französischen EU-Vorsitzes. Es scheint so, als suchte er nach einer Kompensation für seine verblasste Strahlkraft im Inland. In Frankreich funktioniert das in der Regel. Man mag es, wenn Frankreichs Gewicht im Ausland etwas zählt. Die Krise bietet da Chancen.

Nach der Rettungsaktion für den Euro vor einigen Wochen, als man sich zur Stützung Griechenlands, Spaniens und Portugals und zur Beruhigung der Märkte auf einen europäischen Stabilitätsfonds geeinigt hatte, liess Sarkozy der Welt ausrichten, dass der Deal «zu 95 Prozent» sein Verdienst gewesen sei. Solches Selbstlob ärgert Berlin, kommt in Paris aber recht gut an. Im Herbst übernimmt Frankreich ja dann den Vorsitz der G-20 - die grösste Bühne überhaupt.

Davor gilt es aber nun, die Positionen Frankreichs und Deutschlands aufeinander abzustimmen, sich wieder zu vertragen, konzertiert zu agieren. Auf dem Tisch liegt die alte Forderung der Franzosen nach einer europäischen Wirtschaftsregierung und einem Sekretariat. Die griechische Schuldenkrise bestärkte sie in ihrem Ansinnen nach mehr Zentralismus und Dirigismus. Den Deutschen aber graut es gerade davor, sie hielten nie viel von der französischen Idee. Merkel fürchtet, Frankreich wolle als Lobbyist der südlichen europäischen Länder, des sogenannten «Club Med», seine traditionell laxeren budgetpolitischen Vorstellungen durchsetzen. Das ist die ganz grosse Frage zwischen den beiden Ländern. In vielen anderen kann man sich einigen: vor allem, was die Regulierung der Finanzmärkte betrifft.

Mehr Intimität würde helfen

Ein Rendezvous allein verheisst noch keine frische Liebe, zumal es sich um ein Wiedergutmachungstreffen handelt nach den jüngsten Zerwürfnissen und Animositäten. Für den «Figaro» ist ein «Aufeinanderprallen der Egos» der beiden Politiker, die sich von ihren internationalen Leistungen eine innenpolitische Rendite erhoffen, nachgerade unausweichlich. Ganz zum Leidwesen von Valéry Giscard d’Estaing, Frankreichs früherem Präsidenten, der sagt: «Wenn Europa Fortschritte machen soll, braucht es dringend wieder mehr Intimität zwischen Franzosen und Deutschen.» Etwas mehr Kerzenlicht also.

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