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«Schule übernimmt die Rolle der Familie»

Die International School wirkt auf die Region wie eine geschlossene Gesellschaft. Der Direktor sagt, sie wollten ihre Schüler zu «Global Citizens» ausbilden.

Am Samstag feierte die Zurich International School (ZIS) ihr jährliches «Worldfest» mit über 2000 Besuchern im neuen Schulhaus in Adliswil. Einheimische blieben der Veranstaltung zum grössten Teil fern, obschon die Schule auf ihr Fest im neuen Schulgebäude aufmerksam gemacht hatte.

Peter C. Mott, am Fest tummelten sich Hunderte von Leuten, und doch wirkte es wie eine geschlossene, internationale Gesellschaft. Warum fehlten die Einheimischen?Wahrscheinlich aus verschiedenen Gründen. So gross hatten wir das Fest nun auch wieder nicht angekündigt. Wir hätten uns durchaus über etwas mehr Besucher gefreut. Gerade Leute aus Adliswil, unsere unmittelbaren Nachbarn und gewissermassen Gastgeber, hätten wir gerne vermehrt angetroffen. Mit unserem neuen Schulhaus stehen wir aber noch etwas einsam mitten im Feld. Die neben dem Schulhaus geplanten Neubauten werden dem zum Teil sicher Abhilfe schaffen.

Was erhoffen Sie sich von mehr Kontakt?Zum einen möchten wir uns klar als einen Bestandteil von Adliswil sehen. Zum anderen können wir mit unseren internationalen Perspektiven einen Beitrag zu mehr Offenheit leisten, was wir auch immer wieder zu tun versuchen. Vor einem Jahr haben wir beispielsweise einen Schüleraustausch mit unseren Schülern und solchen aus der Region veranstaltet. Wir hatten von beiden Seiten positive Rückmeldungen. Allerdings sind solche Planungen sehr langwierig.

Aus welchem Grund?Unser Lehrplan basiert nicht auf dem zürcherischen Modell, sondern richtet sich nach internationalen Standards. Auch die Didaktik unterscheidet sich in einigen Aspekten vom hiesigen Usus. Zudem sind wir eine Tagesschule. Für die Schüler beginnt morgens um 9 Uhr der Unterricht und, wenn sie noch Zusatzveranstaltungen besuchen, endet der Tag meist erst nach fünf und findet ausserdem durchgehend in englischer Sprache statt. Das sind einige Unterschiede, die man bei gemeinsamen Projekten berücksichtigen muss.

Können sich Schüler und vor allem Eltern während den manchmal nur wenigen Jahren ihres Aufenthalts auf das Leben in der Region einlassen?Das muss man differenziert sehen: Einige Eltern wollen sich tatsächlich bewusst nicht zu stark integrieren. Dies tun sie aber eher zu ihrem Schutz, weil sie wissen, dass sie auch von guten neuen Freunden nach wenigen Jahren wieder Abschied nehmen müssen. Zum anderen gibt es aber auch Eltern, deren Kinder Mitglieder von lokalen Vereinen und Klubs sind.

Die Schule verfügt über Dutzende eigene Schülerorganisationen und ihre schulinternen Sportgruppen spielen gegen Teams anderer internationaler Schulen. Ist die ZIS eine Art Ersatzfamilie für Ihre Schüler?Ja, die Schule übernimmt in ihrer Form als Tagesschule und ihren vielfältigen Freizeitstrukturen im Schulumfeld ein Stück weit eine solche Familienrolle.

Treten die Eltern damit die Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder an die Schule ab?Die Tendenz, dass man von der Schule mehr Erziehungsarbeit verlangt, kann nicht nur bei uns, sondern allgemein beobachtet werden. Was an unserer Schule jedoch hinzukommt, ist, dass wir grosses Gewicht auf die Persönlichkeits- und Charakterentfaltung legen. Wir haben zum Ziel, unsere Schüler zu Global Citizens zu erziehen, damit sie die von uns angestrebte Offenheit und Toleranz entwickeln.

Sehen Sie diesbezüglich ein Manko an anderen Schulen?Von einem Manko zu sprechen wäre sicher nicht richtig. Es geht aber um die Bereitschaft, in «bigger picture»-Zusammenhängen zu denken und zu handeln. Wir sind sicher prädestiniert, wenn es darum geht, zu zeigen, wie man Angst und Vorurteile gegenüber Fremdem, Unbekanntem abbauen kann und muss. Wir stellen regionalem und nationalem Denken internationale Perspektiven gegenüber. Letzten Endes beinhaltet das auch die Hoffnung, dass man sich später nicht gegenseitig die Köpfe einschlägt.

Werden Sie für den nächsten Anlass nun mehr die Werbetrommel rühren?Wir werden auch auf das nächste Worldfest in der Region hinweisen, aber nicht in grösserem Umfang als bisher.

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