Zum Hauptinhalt springen

Schulleiterin gibt auf

Zwischen dem Lehrkörper der Egger Oberstufe und der Schulleiterin herrscht Funkstille. Eine weitere Zusammenarbeit ist nicht mehr möglich.

Egg - Die Situation ist verfahren. In der Egger Oberstufe fühlt sich die verantwortliche Schulleiterin Katrin Spillmann von der Lehrerschaft ausgeschlossen. Das Wort Mobbing nimmt die Schulleiterin zwar nicht in den Mund, aber ihren Aussagen zufolge wäre es der passende Begriff, um die herrschenden Zustände zu beschreiben. Besonders ärgerlich sei, so Spillmann, dass sie nicht in Erfahrung bringen könne, was gegen sie vorgebracht werde. Dazu schweige die Lehrerschaft. Als ihr klar geworden sei, was dies bedeute, sei ihr eigentlich nur noch eine Möglichkeit geblieben: Die Kündigung. Nach 17 Jahren Arbeit an der Oberstufe und nach zehn Jahren als Schulleiterin der Oberstufe verlasse sie die Egger Schule sofort - schweren Herzens und desavouiert.

Auslöser für die Schwierigkeiten ist offenbar die Entlassung eines Lehrers durch die Schulpflege. Im Dezember wurde ihm auf Ende Schuljahr gekündigt. Das gab einen ziemlichen Wirbel, weil sich 13 Eltern mit einem Flugblatt für den Lehrer stark machten und Vorwürfe gegen die Schulpflege erhoben. Der Lehrer rekurrierte gegen die Kündigung, eine Einzelperson und eine Gruppe der Eltern reichten eine Aufsichtsbeschwerde ein. Rekurs und Beschwerden sind noch hängig.

Gekündigt wurde dem Lehrer nach sieben Jahren, weil sein Unterricht nicht in allen Belangen als genügend beurteilt wurde und entsprechende Klagen von Eltern und Schülern bei der Schulpflege eingegangen waren. Die Schulpflege handelte laut Vizepräsidentin Katharina Kunz weder überhastet noch unangemessen, sondern respektvoll. Drei Jahre lang habe man nämlich versucht, den Lehrer zu unterstützen. Diesem Prozess sei aber nicht der erwünschte Erfolg beschieden gewesen. Also habe man die Konsequenzen gezogen und die Kündigung ausgesprochen. Das sei unangenehm, gehöre aber auch zu den Aufgaben der Schulpflege. Bei der Lehrerschaft und einer Gruppe von Eltern ist dies offenbar schlecht angekommen. Es sei das erste Mal innert ihrer 17-jährigen Tätigkeit in Egg, dass die Schulpflege einem Lehrer gekündigt habe, sagt Spillmann. Doch dieser Entscheid sei schliesslich unumgänglich geworden.

Nach der Kündigung stieg der Druck auf die Schulleitern. Man habe ihr vorgeworfen, sie habe «keine konstruktive Lösung mit dem gekündigten Lehrer gefunden». Nach eigenen Angaben wurde sie zunehmend geschnitten. Als Teilnehmerin des Jahresschlussessens wurde sie ausgeladen. Der Schulpflege bereitete die Situation Kopfzerbrechen. Sie engagierte zwei externe Berater für Supervisionen und suchte das Gespräch mit der Lehrerschaft. Der Prozess ist noch immer im Gang. Viel weiter gekommen ist man offenbar nicht.

Die Stimmung kippte

Für die Schulleiterin wurde die Situation unerträglich. Sie wisse bis heute nicht, was «man gegen mich hat». Noch vor einem Jahr habe eine Umfrage ergeben, dass sie mit der Unterstützung von 90 Prozent der Oberstufenlehrerschaft rechnen konnte. Jetzt sei die Stimmung gekippt, und sie könne sich nicht erklären warum. Auch die Einzelinterviews hätten kein fassbares Resultat gebracht.

Konstruktive Gespräche mit den für den Lehrer agierenden Eltern seien leider noch nicht zustande gekommen, bedauert Kunz, trotz offener Türen seitens der Schulpflege. Offenbar werde hinter den Kulissen Stimmung gegen die Schulpflege und die Schulleiterin gemacht. Ein Dialog sei derzeit schwierig, doch müsse er geführt werden.

Sowohl Kunz wie auch Spillmann bedauerten diese Entwicklung bei der gestrigen Medienorientierung mehrmals. Kunz lobte Spillmanns Kompetenz und bezeichnete sie als Pionierin in Sachen Schulleitung. Einig waren sich die beiden auch darüber, dass Egg trotz der Querelen über eine hervorragende Schule verfüge. Das 24-köpfige Team der Oberstufe bestehe aus motivierten Lehrerinnen und Lehrern, die ihre Aufgabe verantwortungsvoll wahrnähmen. Umso unverständlicher sei die jetzige Situation. Schulleiterin Spillmann ist klar geworden, dass die Rolle der Schulleiterin eine verzwickte ist. Sie ist gleichzeitig Vorgesetzte und Kollegin, sie ist fürs Personal zuständig, kann aber mangels Kompetenz niemanden entlassen. Als Schulleiterin sitzt sie zwischen Stuhl und Bank. Kein Wunder also, dass Schulleiter im Kanton Zürich im Durchschnitt nur 36 Monate im Amt bleiben.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch