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Schulstunde in Züritüütsch

Heinz Gallmann lud in Uster zu einer Reise durch das «Züritüütsch». Der Sprachforscher nahm auch non- galante Wörter in den Mund.

Uster - Sein «Zürichdeutsches Wörterbuch» ist ein Kassenschlager. Am Donnerstag war Heinz Gallmann in Uster zu Gast. Fünf Jahre dauerte es, bis der 72-jährige Sprachforscher aus Meilen die 15 000 Stichwörter gesammelt und jeden Dialektausdruck von allen Seiten beleuchtet und eingeordnet hatte. Sein 600-seitiges Wörterbuch ist aber bei weitem nicht nur etwas für Lexikonfanatiker. Es ist Geschichtsbuch, Grammatikfibel, Rezeptheft und Unterhaltungslektüre in einem.

Was Gallmanns Bibel nicht enthält, sind «kurzlebige Mode- und Importwörter», wie er sie bezeichnet. Diese verschwänden nämlich nach gut zehn Jahren wieder von der Sprachbühne. Ihm gehe es darum, den Reichtum des «richtigen» Dialekts in Erinnerung zu rufen. «Wir müssen der Mundart Sorge tragen.» Es gebe schliesslich weltweit keinen anderen Sprachraum, der so viele unterschiedliche Dialekte besitze. Die Zürcher Oberländer würden «Guete Oobig» sagen, während die Stadtzürcher «Guete Aabig» wünschten.

Die Ursache für die enorme Sprachvarietät sieht Gallmann historisch begründet durch die Zuwanderung der Kelten, Römer und Alemannen in das heutige Gebiet der Schweiz. Eine wichtige Rolle in der sprachlichen Entwicklung spielten auch die Verkehrswege. «Je weiter eine Region vom Zentrum entfernt ist, desto grösser ist die Chance, dass sie ihre ursprüngliche Sprache behält.»

«Grüzi» verunstaltet Mundart

Für jüngste Veränderungen im Dialekt macht der ehemalige Mittelschullehrer auch die elektronischen Medien verantwortlich. Er wolle aber nicht mit dem Zeigefinger wedeln oder Anglizismen als grundsätzlich schlecht kategorisieren. Trotzdem zeigt sich Gallmann nicht gerade erfreut über «falsche» Mundartausdrücke wie «Haarä» statt «Haar» oder «Männer» statt «Manne» - wie es manchmal aus den Reihen jüngerer Kantonseinwohnern tönt. «Das sind unüberlegte Übernahmen aus dem Hochdeutschen.» Auch «Grüzi» anstelle des Schweizerischen «Grüezi» verunstalte das Kulturgut Mundart. Für grosses Gelächter unter dem zahlreich erschienenen Publikum sorgten vor allem die «züritüütsche» Schimpfwörter. Während «Gwaggeli» oder «Tschumpel» bei den älteren Zuhörern ein anerkennendes Nicken auslöst, werden bei den jüngeren Erinnerungen aus Grossmutters Zeiten geweckt. Aber: Wer beleidigt heute noch eine Frau als «Schruubetampfer» und einen Mann als «Chnuupesaager»?

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